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Der Israelit · 1902-08-14 · Heft 65 (14.8.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 65 (14.8.1902)
Date
1902-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Raffe ist nicht minderwertig, haben wir nicht einen sehr grosten Antheil an allen Fortschritten, - Erfindungen, Entdeckungen und Leistungen unserer Zeit? Vielleicht, verhältnitzmäßig einen größeren, wie die arische.Raffe? Welche Gestaltungen haben denn die verschiedenen Menschenstämme — nach den Söhnen Roah's benannt — angenommen? Chamitische Naturvergötterung — Aegypten, Phönizien — wiewohl gemüth- und phantasiereich, artet in die schrecklichsten Greuel aus. Japhetische (arische) Jdealisirung und Vergötterung der. einzelnen Naturkräfte (Hellenenthum), wiewohl schon und herrlich in der Erscheinung, zieht die nackte Selbstzucht groß, die nackte Lieblosigkeit. Ein kleiner Theil der Semiten hingegen hält die Fahne der Wahrheit hoch und ringt sich damit durch die Jahrtausende hindurch. Daß alle Menschen vernünftig werden, daß ein ewiger Friede die Völker - vereine, daß die Gotteserkenntniß allgemein werde auf Erden, daß Laster und Verbrechen verschwinden und daß von uns ausstrahle das Licht der Wahrheit, welches das Weltall erleuchte, das ist die Aufgabe des winriaen Theiles der Semiten, die sich Juden nennen, und wir wollen uns an andere anpaffen, durch Selbsterkenntniß und Selbsterziehüng im Deutschthum aufgehen?, nur, damit es eine Handvoll jüdischer Beamten und Offiziere gäbe? .,, Selbsterziehen und veredlen wollen wir uns aber nicht im Sinne des Herrn Rathenau. Wir wollen uns aufraffen aus unserer Lethargie, wir wollen denken und handeln. - . Unsere Väter haben in Noth und Kummer und unter fürchterlichen Entbehrungen ausgeharrt, indem sie zuversichtlich für ihre Nachkommen eine schönere Zeit erhofften. . . - . . Eine lichtere Zeit ist gekommen; die Söhne Israels dürfen frei ihre Häupter emporheben, dürfen ungestört ihrem Gotte dienen. Gleichzeitig aber sind wir zurückgeschleudert weit, weit ab von unserem erhabenen Ziele. Vergessen ist. die Lehre unseres Gottes, kaum gekannt noch sind Seine heiligen Gebote, entweiht Sabbate und Festzeiten, zum Märchen geworden Reinheit und Sitt- . lichkeit bei einer großen Menge der Söhne und Töchter . unseres. Volkes! — Was soll daraus 'werden? Wenn der Abfall sich weiter so verbreitet, wird es da nach wenigen Jahrzehnten noch Juden geben? t» icru AN2, „Tröstet, tröstet mein Volk!" Wir haben nichts zu fürchten. Unser Volk hat schon gefahrvollere Perioden überstanden. < ' ./■ v . .; . . Die Aufgabe, die uns Gott gestellt hat, , wir, halten fest an ihr, wir harren aus in ihr. Die Völker der Welt, sie wuchsen empor wie das Gras, dann welkte die Blüthe; Jsrael^aber ist ewig wie die Gotteslehre, die ja sein Wesen ausmacht, sein Leben ist. W pS fea wrrn „Es vertrocknet das Gras, es welkt die Blüthe, aber unseres Gottes Wort wird bestehen ewiglich." 3eitN«gsnachrichte« und iLorresponderrzcn» Deutschland. Cöln, 11. Aug. .Das hiesige, unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Plato stehende Lehrerseminar, hat den schönen Erfolg zu verzeichnen, daß sämmtliche vier vom Rheinischen Prcvinzial-Schulkollegium zu Coblenz zur Lehrerprüfung zugelassenen Zöglinge dieselbe vor der Königl. Prüfungskommission bestanden und nach der Prüfung sofort Anstellung im Schüldienst fanden. Ueberhaupt ist die Nachfrage nach guten Lehren, Cantoren und Schächtern stärker, als daß alle Gesuche um solche berücksichtigt werden können. Es ist zu verwundern, daß sich nicht mehr junge Leute aus weniger wohlhabenden, religiösen Kreisen dem Lehrerstande widmen, insbesondere wenn gutes Stimmmaterial vorhanden ist. Die Ausbildungskosten sind nicht sehr bedeutend, die Zeit zur Vorbildung ist nicht beträchtlich, die Aussichten auf Anstellung sind gut und Schwierigkeiten, dem jüdischen Religionssatze gemäß zu leben, nicht vorhanden. Besitzt ein junger Mann gute 'Stimmmittel, so bietet sich ihm Aussicht auf größeres Einkommen, da es an deutschen Cantoren. die die Lehrerprüfung bestanden haben, fehlt. Daher halte ich es für angebracht, Eltern und Vormünder, die wegen guter Versorgung ihrer Kinder und Mündel besorgt sind, auf diesen Lebensweg aufmerksam zu machen. Nachdem die Kinder die Volksschule ihres Ortes abfolvirt haben, können dieselben drei Jahre lang die städtische Präparandenanstalt in Cöln besuchen, die nur ein geringes Schulgeld verlangt, während sie Kost, Logis und hebräischen Unterricht wahrscheinlich gegen geringe Entschädigung im hiesigen jüdischen Seminar erhalten werden^ Nach besonderer Abgangsprüfung an der Präparandenschule werden die Schüler im Seminar ausgenommen, im Alter von 17 Jahren. Nach dreijährigem Besuche des Seminars legen die Zöglinge an einem königlichen Seminar die Lehrerprüfung ab, worauf sie sofort Anstellung erhallen. Am 21. Ab feiert s. G. w. der hiesige Seminardirektor und Rabbiner der Religionsgesellschaft Adaß Jeschurun. Herr Dr. Plato, der diesen Herbst in den wohlverdienten Ruhestand tritt, seinen 80. Geburtstag. Sowohl die Verwaltung des Lehrerseminars, als auch die der Adaß Jeschurun, wird es sich, trotz der allbekannten Bescheidenheit des Jubilars, nicht nehmen lassen, diesen Ehrentag, in würdiger Weise zu begehen. Nürnberg, 11. Aug. Seit dem Tode des Justizrathes Frankenberger dürfte der israelitische Friedhof keine so zahlreiche Trauerversammlung gesehen haben, wie bei der gestern staiigehabten Beerdigung des Herrn Kommerzienrathes und Magistratsrathes Michael Kohn. Nachdem der einfache Holzsarg in das Grab

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