Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1902)
- Date
- 1902-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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IM gewissermaßen Rache übe für die Leiden von „Glaubensgenossen", an denen doch Land und Regierung ganz unschuldig seien. Ich setze, daß es vergeblich ist. den Minister von dem Wahnglauben an eine jüdische Presse und eine jüdische Verschwörung zu befreien. (Das „Howoh nischakmo lau" spukt heute noch genau so in den Köpfen der Judenfeinde, wie vor Tausenden von Jahren. Red. d. „Jsr.") England. London. Einige der englischen Zeitungen erinnern daran, daß unter den Offizieren ebenso wie den Mannschaften, die sich während des Krieges auf britischer Seite ausgezeichnet, sich sehr viele Juden befunden haben. In erster Linie ist da General Fritz Roy Hart zu nennen, der aus einer guten jüdischen Familie stammt, und der mehrmals in dem Kriege lobend erwähnt wurde, weil er eine ganz außerordentliche persönliche Tapferkeit an den Tag legte. Auch sein Vater und sein Bruder und zwei seiner Söhne dienten mit großer Auszeichnung in dem britischen Heere. Die beiden Söhne bekamen jeder eine Auszeichnung und sein Bruder erhielt das Viktoriakreuz, die höchste Auszeichnung, die ein britischer Soldat erhalten kann. General Kelly- Kenny, der seine Division ebenfalls ausgezeichnet führte, stammt bekanntlich auch aus einer jüdischen Familie und auch er erhielt einen hervorragenden Orden. Oberst Goldschmidt zeichnete sich während der ersten Hälfte des Krieges durch sein großes organisatorisches Talent in Aldershot aus und später an der Front durch seine persönliche Tapferkeit bei Paardeberg. Ein anderer jüdischer Offizier, der eine Auszeichnung erhielt, obwohl er nicht in der Front diente, ist Oberst I. S. Cowans, der im Kriegsministerium hervorragende Dienste leistete. Auch in den kolonialen Truppen zeichneten sich viele jüdische Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften aus. Fe uiUeion. tiiieMokiig mH MerMen. Humoreske von RäHtriN. ls (Fortsetz, und Schluß^) Gelle fuhr die Schwätz» rin an: „Schö? Daß mer des Stern's Alfred noch e bisle besser gefallt. Nebich'. Wie gern würd 'n die Lea nehme, wenn's der alte Äoldstein 'zugebe. Sie wird heut e bisle weinen/ fügte sie in mitleidigem Tone hinzu. Hugo Wolf entging kein Wort des Gesprächs. Also so standen die Dinge, Lea durfte nicht wählen, wie sie wollte. Er nahm sich 7>or, der Sache auf den Grund zu gehen. Stern wollte er Litten, ihm die Wahrheit zu sagen. Da er ja im Hause Goldstein geschäftlich thätig, dachte er, wäre es nicht schwer, ihn aufzusuchen. Niemals würde er feinem besten Freunde und Lebensretter die Braut rauben. Die Männer waren an ihrem Ziele angelangt. Die Goldstein'schen Damen empfingen die Angekommenen im Salon. Lea war in ihrem einfachen, rothen Wollkleidchen, mit ihrem blassen Gesichtchen, rührend schön. Man unterhielt sich gegenseitig. Wölf war von Lea's liebreizender Erscheinung ganz entzückt, woraus er kein Hehl machte. Nur fiel es ihm auf, daß dieselbe so zerstreut war, sogar einmal auf eine an sie gerichtete Frage eine ganz verkehrte Antwort gab. Er half ihr lächelnd aus der Verlegenheit; er erkundigte sich unter anderm nach seinem Freude Alfred Stern. Bei Nennung dieses Namens erröthete Lea bis unter die Haarwurzeln, sie bebte am ganzen Körper. Wolf, der sie scharf beobachtete, entging keine ihrer Bewegungen. . . - Lea theilte darauf Wolf mit, daß Stern eine Geschäftsreise mache und vor Morgen Abend wohl nicht zurückkehren werde. Aha! dachte Hugo, man wollte Alfred aus dem Wege haben, bis alles in Ordnung wäre. Diese Mittheilung war ihm gar nicht lieb. Doch er tröstete sich mit dem Gedanken: „Kommt Zeit, kommt Rath." Eben forderte der Hausherr die Gäste auf, sich zu Tische zu begeben, als man an der Thüre ein. Klopfen vernahm. Auf das von Goldstein gerufene „Herein" trat der von seiner Reise zurückgekehrte Alfred Stern in das Zimmer. Stern wollte, wie er sagte, seinen Prinzipal durch die rasche und gute Ausführung seines Auftrages überraschen. Mit großem Erstaunen begrüßte er Wolf und dessen Vater, die ihm mit sichtlichem Wohlgefallen und herzlicher Freude seinen Gruß erwiderten. Wäre eine Bombe in dem Zimmer geplatzt, so hätte Goldstein keinen größeren Schrecken gehabt,, als beim Eintritt des jungen Sterns. Er überlegte einige Sekunden, dann lud er ihn, um ihn nilht aus den Augen zu lassen, ebenfalls zur Tafel ein. Hugo sann darüber nach, wie er es anfangen könnte, mit Stern allein zu sprechen, ohne daß es den Andern auffiel. Lea und ihre Mutter wechselten erstaunte Blicke. Stern nahm die Einladung dankend an, denn Lea's Nähe schien ihm zu verlockend. Seine Blicke ruhten sehr oft auf ihr; Lea hielt meistens die Augen gesenkt, nur ab und zu streifte ihr Blick Stern. Für Hugo war kein Zweifel mehr, daß sich die Beiden innig liebten. Eine kecke That mußte hier zum Ziele führen, er konnte nun seinem Freunde den ihm längst schuldigen Dank heimzahlen, indem er demselben Lea als Braut überließ. Man setzte sich zu Tisch. Wolf, der Stern gegenüber saß, . überreichte demselben während des Mahles