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Der Israelit · 1902-08-11 · Heft 64 (11.8.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 64 (11.8.1902)
Date
1902-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Gatten, dem Herrn Jakob Emanuel, den gleichgestimmten und gleicheifrigen Genossen in der Begeisterung für die Religion der Väter und in der Liebe zu allem menschlich Guten gefunden hatte. So ward denn ihr Haus ein Tempel altjüdischer Frömmigkeit, ein Heiligthum weihevollster Pflichtübung, eine Stätte zufriedenen Wohlseins und Glückes. Darin erzog sie ihre Kinder zu lebendig wahrer Gottesfurcht in allen Tugenden echter Bekenntnißtreue, und der Erfolg, der ihr in diesem ihrem Streben erblühte, war die höchste Freude ihres sonst schlichten anspruchslosen Erdenwallens. Das schwere körperliche Leiden, von welchem sie seit Jahren heimgesucht war, trug sie mit Geduld und stiller Ergebung in den Willen Gottes. Mit noch gewissenhafterer Fürsorge bewahrte sie die Religionspflichten, die ihre Seele alsbald für ein höheres und edleres Dasein vorbereiten sollten. An ihrer Bahre stimmte. Herr Rabbiner Dr. Breuer eine ergreifende Klagerede an. In Anknüpfung an Sprüche Salom. Kap. 31, V. 31 und mit Hinweisung darauf, daß nach der Ueberlieferung der Weisen dies der Klageruf gewesen sei, den Abraham unserer Stammmutter Sara gewidmet, sprach der Redner unter Ausdeutung von Aussprüchen aus dem Talmud von der Zerstörung eines Heiligthums in dem Heimgange dieser edlen Menschenperson und stellte sie als leuchtendes Muster und Vorbild für Stadt und Gemeinde hin. Nach dem Herrn Rabbiner widmete noch ein Freund des Hauses Emanuel der Mildthätigkeit und - der Herzensgüte der Heimgegangenen Worte dankbaren Gedenkens. Möchten diese Bekundungen warmer Anerkennung und herzlichster Theilnahme den Leidtragenden ein Trost in ihrem gerechten Schmerze sein, und möge das Andenken dieser Zadekes fortleben in den Spuren ihres edlen und frommen Wirkens: rrauzn D. Frankfurt a. M., 7. Aug. Kommenden Tischoh be-Aw, den 12. August, werden es fünfzig Jahre, daß in Folge Bundesbeschluß d'ie bürgerliche Gleichstellung der Israeliten der freien Reichsstadt Frankfurt a. M. aufgehoben wurde. In Folge dessen beschlossen 57 der reichsten jüdischen Familien, darunter Anselm von Rothschild und Consul V. H. Goldschmidt, Frankfurt zu verlassen und sich anderswo anzusiedeln. Glücklicherweise kam dieser Beschluß nicht zur Ausführung, da die Rückkehr zum Vormärz nicht lange anhielt, und kurze Zeit daraus die Juden wieder ihre sämmtlichen Rechte erhielten. München, 7. Aug. Der Finanzausschuß der bayerischen Kammer hat bei der Verathung des Etats den israelitischen Kultus folgendermaßen bedacht: Zur Aufbesserung des Einkommens gering dotirter Rabbinatsstellen 12,000 Mk. 1) Petition der Verwaltung des israelitischen Lehrervereins um einen Zuschuß zur Unterstützungsstiftung genannten Vereins; 2) des israelitischen Lehrers Nußbaum um Anrechnung der als 1357 Religionslehrer verbrachten Zeit bei Festsetzung der Dienstalterszulagen; 3) Petition des israelitischen Lehrers Waldbott, betr. die Anstellungsverhältnisse der israelitischen Lehrer und Verweser der Pfalz, sind einschlägig. Zu Petition 1 bemerkt Ministerialkommiffar Steiner, daß seitens der. Staatsregierung beabsichtigt ist, diesem Verein 2000 Mark zuzuwenden. Der Petition 2 wird eine Folge nicht gegeben werden können;' da materiell und formell diese nicht begründet erscheint, das Gleiche gelte von der Petition 3. Die Summe von 12,000 Mark in Tit. 1 wird genehmigt. Die Petition 1 als durch die zu dem Etat gefaßten Beschlüsse als erledigt erklärt, da die hierzu postulierten 2000 Mk. genehmigt sind. Ueber die Petition 2 und 3 wird zur Tagesordnung übergegangen. Tit. 2. Zur Fürsorge für dienstunfähige Rabbiner 2000 Mk. Die Kammer hat ohne jede Debatte die Vorschläge des Ausschusses angenommen.. Strasrburg (Elsaß), im Aug. Der „Süddeutsche Musikverlag" zu Straßburg übersendet uns eine neue Ausgabe des „Kol Nidre", bearbeitet und nach vielen Ausgaben revidirt von Hans Koeßler, ord. Prof, an der Akademie der Tonkunst in Budapest. Sowohl die Ausgabe für' Chor und Solostimme, als auch die für Klavier wird unseren Leserkreis interessiren." In der Komposition sind alle jetzt noch existirenden Kol-Nidre- Melodien berücksichtigt. Der berühmte Herausgeber, ein Nichtjude, hat es sich nicht verdrießen lassen, dieserhalb weite Reisen nach Ungarn, Rußland u. s. w. zu machen, um die Originalmelodie in möglichster Vollkommenheit dem jüdischen Publikum zu bieten. Wir machen auf diese Erscheinung aufmerksam.. Oesterreich. Wien, 7. Aug. In einer Besprechung des Besuches des Königs von Rumänien beim Kaiser Franz Josef in Ischl bemerkt die offiziöse „Montags-Revue" u. A.: „Konstitutionell im höchsten Maße überläßt der König die Gesetzegebung der Regierung und den Kammern und wenn ein schwerer Mißgriff erfolgt, so liegt die Schuld gewiß nur an dem jeweiligen Regime. Das jetzige hat sich soeben umgeformt, das Kabinet erhielt' knapp vor der Abreise des Königs eine andere Gestal- . tung; hervorragende Parteimänner wurden herangezogen, darunter Persönlichkeiten, deren Namen auch im Auslande guten Klang haben. Bei der Rekonstruktion des Kabinets ließ man den'Schöpfer des so , viel besprochenen Handwerkergesetzes ziehen, vielleicht gerade deßhalb, weil dieses Gesetz mit seinen Könsequezen im Auslande schwere Mißbilligung erfuhr und sogar zu einer freundschaftlichen Intervention der englischen Regierung Anlaß bot. Es wäre für die rumänische Re^'- gierung wohl ersprießlich, gutem Rath zu folgen, allein in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates sich zu mengen, hat wohl Niemand das Recht, und wenn

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