Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1902)
- Date
- 1902-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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die Größe unseres altehrwürdigen Gebetbuches dem großen Publikum zur Kenntniß zu bringen, ist uns in neuerer Zeit von einer Seite erstanden, von der wir es gar nicht erwartet hätten: „in Goldschmid t 's drnsn rbein „Israels Gebete in poetisch. Verdeutschung*. Dieses Buch hat in allen Blättern die günstigste Beurtheilung gefunden, aber gerade für die Bestrebungen unserer Kreise, um das gesetzestreue Judenthum zur allgemeinen Anerkennung zu bringen, hat dieses Werk eine Bedeutung, die gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Hier haben wir von einem Autor, der gar nicht im Dienste der Orthodoxie steht, eine poetische Verklärung des von uns stets als unverletzlich erklärten, traditionellen Gebetbuches der Synagoge, durch die man auch dem Laien die Berechtigung unseres Standpunktes in der sog. „Gebetbuch-Frage" vor Augen führen kann. Gegen die Beweisführung, wie sie durch das Goldschmidt'sche Buch zu Ehren unserer Tephillo thatsächlich gegeben ist, wird in Zukunft keine Verkleinerungssucht, die das Vedürfniß eines neuen Gebetbuches wird beweisen wollen, je wieder aufkommen können. An der Hand dieses Werkes sind wir im Stande, durch die oben bezeichneten Mittel: „Zeitungsartikel, BrochüreN und Vorträge," für die „Einheit des Gebetbuches", sowohl für Erhaltung als auch für die Wiederherstellung, in energischer Weise einzutreten. Wir können den tiefen Gedanken-Inhalt unseres Gebetbuches in Wort und Schrift auseinandersetzen, und zum Schluffe können unsere Auseinandersetzungen durch die wirksame poetische Darstellung gekrönt werden. Dies für die unmittelbare Einwirkung auf die Gegenwart. Für die Zukunft kann die Einheit des Gebetbuches am besten durch die Schule sichergestellt werden. Wir müssen den Kindern ein lebhaftes Bewußtsein von dem unvergleichlichen Werthe unserer alten Tephillo beizubringen bemüht sein. Dazu werden wohl die in Aussicht genommenen Schriften und Vorträge brauchbares Material liefern. Wenn in solcher Weise von unserer Seite alles Mögliche geschieht, dann wird von selbst den modernisirten Gebetbüchern der Boden unter den Füßen schwinden, und neue Bestrebungen zur Bearbeitung neuer Gebetbücher werden nicht mehr ein so gläubiges Publikum finden, wie das bisher der Fall war. Darum auf zur Arbeit für „die Einheit des Gebetbuches!" AettrmgSrrachrichterr rr«d Correfporrderrzerr. Deutschland. Berlin, 4. Aug. In der Nacht von Samstag zum Sonntag verschied plötzlich an Herzlähmung Herr Adolf Landau, Begründer und langjähriger Chefredakteur der russischen Wochen- und Monatsschrift „Wosschod" aus Petersburg. Der Tod Landaus ist ein schwerer Verlust für die russischen Juden, deren Rechte er unter den erschwerendsten Verhältnissen zu verfechten sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Der Verstorbene erreichte nur ein Alter von 38 Jahren, er war in den letzten Jahren zuckerkrank. Auf Samstag stieg er in der Begleitung seiner Frau und seines einzigen Sohnes auf dem Wege nach Karlsbad hier in der Pension „Daheim" Unter den Linden ab, wo ihn der Tod rasch ereilte. Die Leiche wird nach Petersburg übergeführt werden. Berlin, 8. Aug. Durch das erst jetzt zur Eröffnung gelangte Testament vom 17. Juli 1884 des am 7. März 1831 zu Berlin verstorbenen, zuletzt Landsbergerstraße 27 wohnhaften Privatgelehrten Gottwerth Nathan Ben-Ury Justus Rieß ist den Erben die Auszahlung eines Vermächtnisses von 100 Thalern an das Nikolaus-Vürger-Hospital auferlegt. Als Erben sind die Söhne des Erblassers, der Kaufmann Carl Immanuel Rieß in Hamburg und der Schauspieler Joseph Wilhelm Rieß, genannt Reußler, unbekannten Aufenthaltes, im Testamente eingesetzt. Beide dürften nicht mehr am Leben sein, da ihre Mutter bereits im Jahre 1805 oder 1806 verstorben ist. Es ist bisher nicht gelungen, weitere Nachkommen oder sonstige Erben des Erblassers zu ermitteln. Das Kuratorium des Bürger-Hospitals ersucht um Mittheilnngen über etwaige Nachkommen oder Erben des Nachlaß ers. Wer weiß über diesen jüdischen Privatgelehrten etwas Näheres? Frankfurt a. M., im Aw. Am 24. Siwan ist hier Frau Flora Emanuel, geb. Cramer in Fürth, aus dem Leben geschieden und unter der aufrichtigen Trauer und imposanten Tbeilnahme weitester Kreise auf dem Friedhose der Israelitischen Religionsgefellschaft zur ewigen Ruhe gebettet worden. Mit Frau Flora Emanuel sank die Jdealgestalt eines echt jüdischen Weibes frühzeitig in's Grab, einer rwrr, die in Gottesfurcht und Nächstenliebe, in treuer Pflichterfüllung und selbstloser Hingebung an rosa und D'niü nnw>a ihres Lebens schönsten Inhalt allezeit gefunden hat. Einem Hause entstammt, in welchem die thateneifrigste Begeisterung fiir die Erhaltung der Herligthümer unseres Glaubens von je vorgeherrscht hat, hielt sie an den Traditionen ihres Elternhauses fest, was ihr allerdings umso leichter wurde, als sie in ihrem