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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Von den aus unserer Fürsorge entlassenen 12 Knaben wurden zwei im Waisenhaus in Mannheim untergebracht, einer wurde Cigarrenmacher, einer erlernt das Sattler- und Tapeziererhandwerk, einer das Mehgerhandwerk, fünf widmen sich dem Kaufmannsstande. einer unterstützt seine Mutter in ihrer Geschäftsführung und einer bedarf in Folge veränderter Verhältnisse keiner weiteren Unterstützung. Von den aus unserer Fürsorge entlassenen fünf Mädchen ging eins zu Verwandten nach Amerika und wirkt dort als Ladnerin, vier verblieben bei ihren Verwandten und werden zum Theil in Dienste treten. Von den zur Zeit in unserer Fürsorge befindlichen Kinder sind zehn in Pflege bei dafür geeigneten Familien, fünf erlernen Handwerke, hiervon drei mit Unterstützung der Vereine zur Förderung des Handwerks in Karlsruhe (1) und Freiburg (2). Einer erlernt die Kaufmannschaft, 1 befindet sich in einer Anstalt für Cretinen und die Uebrigen sind gegen Gewährung von Erziehunasbeiträgen bei deren Müttern beziehungsweise Verwandten untergebracht. Mit dankbarer Anerkennung können wir feststellen, daß der wohlthätige Sinn unserer Mitglieder und Freunde in so hochherziger Weise sich bethätigt hat, daß der Gesammtbetrag der Beiträge, Schenkungen und Stiftungen den des Vorjahres übersteigt; um so schmerzlicher ist unser Bedauern aber über den Rückgang der Zahl unserer Mitglieder. Mögen die verehrlichen Synagogenräthe und Vertreter unseres Vreins mit allen Kräften dahin streben, unserem so segensreich wirkendem Vereine neue Mitglieder zu gewinnen, vor allem für die durch irgend welche Umstände ausgeschiedenen Mitglieder vollen Ersatz zu schaffen. Es gereicht uns zur Genugthuung, berichten zu können, daß unsere aüsgebreitete Thätigkeii durch Zuwendung von lehtwilligen Vermächtnissen und Stiftungen freundliche Anerkennung fand und wir bitten hrrzlichst, auch fernerhin durch Stiftungen — der Betrag einer Kadisch-Stiftung soll mindestens 300 Mk. sein — zur Förderung unserer Bestrebungen beizutragen und dadurch sich oder verklärten Angehörigen Denkmäler zu errichten, die in gleicher Weise von Hochherzigkeit und Pietät ein dauerndes Zeugniß aölegen. Gottes Segen wird solchem Thun nicht fehlen. Der Vorstand besteht aus den Herren: Stadtrath und Vorsteher Louis Marx, Vorsitzender; Bezirksältester Moritz Marx, Stellvertreter des Vorsitzenden; Synagogenrath Alex. Dreifuß. Schriftführer; Synagogenrath Emil Marx, Rechner; Rabbiner Dr. M. Doktor, Vorstand der Handelsgenossenschaft L. Groß, Stadtrath und Synagogenrath R. Katz, Synagogenrath Dr. I. Kusel, Medizinalrath, Rabbiner Dr. M. Appel in Karlsruhe, Bezirksältester B. Herzberger in Breiten, Rabbiner Dr. A. Lewin in Freiburg, Rabbiner Dr. L. Löwenstein in Mosbach, Rabbiner Dr. V. Mayer in Bühl, Bezirksältester I. Nordmänn in Lörrach, Rabbiner Dr. Pinkuß in Heidelberg, Rabbiner Dr. M. Rawicz in Offenburg, Rabbiner Dr. I. Spitz in Gailingen. Oesterreich. v Wien, im Aug. Im Anschluß an den LandeSlehrertag fand am 17. Juli in St. Pölten zur Besprechung der bevorstehenden Landtagswahlen eine allgemeine Versammlung der Lehrer Niederösterreichs i statt, welche von den Theilnemern des Lehrertages massenhaft besucht war. Der Referent, Lehrer Gockel-' Wien, führte aus, daß die Versammlung nach Außen den Beweis erbringen solle, daß die nieder-österreichische Lehrerschaft auch in . den schwersten Zeiten der Be-! drückung treu geblieben fei ihrem Grundsätze, der in den; Worten festgelegt ist: Eine freie, moderne, entwicke-! lungsfähige Schule für ein selbstbewußtes, gebildetes! und bildungsfähiges Volk. Er schloß seine Rede wie folgt: Im Jahre 1889 hat Lueger den Ausspruch gethan: „Wir wünschen, daß die Freiheit der Lehrer, .. welche jetzt eine Fabel ist, einst zur Wahrheit werde." (Gelächter.) Die unter seinem Regime durchgeführten Lehrermaßregelungen haben gezeigt, wie ernst es ihm mit seinem Ausspruche war. Unsere sittliche Empfindung zwingt uns dazu, als unsere Wahldevise hinaus-' zurufen: Nieder mit den Christlich-Sozialen! Wir haben die Pflicht, jeden ihrer Gegner, wer es auch sei/züith*• terstützen. Geschlossen gehen wir in den Kampf, uns' beseelt der einigende Gedanke, eine Kulturarbeit zu verrichten. Jeder Kollege ist es sich, seiner Familie, seinem Volke und seinem Gewissen schuldig, mitzuarbeiten an dem Sturze dieser Partei. (Stürmischer Beifall.) Der Referent beantragte folgende Resolution: „Die heute in St. Pölten versammelte Lehrer-! schaft Nieder-Oesterreichs erkennt es als eine politische Nothwendigkeit, bei den im Herbst stattfindenden Land-' tagswahlen die Gegenkandidaten der christlich-sozialen Partei mit aller ihr zu Gebote stehenden Agitationskraft. und unter Ausnützung ihres ganzen Einflusses zu un- . terstützen. Eine Partei, welche ihre eigenen Grundsätze nach Bedarf ruhig verleugnet, die an Stelle der Argumente brutale Vergewaltigung setzt, eine Partei, ' welche die Interessen des Volkes in unverantwortlicher Weise verräth, welche ihren Einfluß mißbraucht, um so an Stelle des Rechtes Partei-Terrorismus treten zu lassen, eine Partei, welche auf dem Gebiete der Volksbildung, insbesondere des Schulwesens, ungeheures Verheerungen anrichtet, hat sich die tiefste Verachtung jedes gerecht und vernünftig denkenden Menschen vollauf verdient. Die Lehrerschaft ist fest 'entschlossen, mitzuarbeiten, dieses unselige Regime zuhrechen?^'- 'v\ Die Versammlung genehmigte einstimmig die dom " Referenten vorgeschlagene Resolution. Der Vorsitzende " — Herr Täübler — schloß sodann die Versammlung, >

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