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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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an Geschenken für den Betriebsfonds Mk. 775, für den Rekonvaleszentenfond Mk. 2180, an Geschenken, Legaten und Vergütungen für Jnstandhalten von' Grabstätten Mk. 22.477, Dinslaken (Rheinland), 4. Aug. Hier auf einer Geschäftsreise begriffen, gestatte ich mir. Ihnen Folgendes mitzutheilen: Ein hiesiges jüdisches Restaurant, welches mir f. Z. als streng rituell empfohlen wurde, bezieht, wie ich nunmehr aus zuverlässiger Quelle erfahren, feit längerer Zeit sog. Koscher-Ochsenfleisch aus Meiderich (Rheinland), von einem jüdischen Schweineu. Ochsenmetzger, der gleichzeitig Schachet und öffentlich bbnv ist. Dieser sog. Koscher-Restaurateur bezieht sein Fleisch aus Meiderich, obzwar er selbst eine Filiale einer hiesigen Koscher-Metzgerei hat, die von dem hiesigen, von Herrn Rabbiner Dr. Plato in Cöln n^ap habenden Schachet schlachten läßt. Ich kenne verschiedene gute Jehudim, die bisher vvn ’ba in dieser Restauration gegessen haben. Ich halte es daher für meine Pflicht, im „Israelit" öffentlich vor dieser famosen Koscherküche zu warnen. Die hierher kommenden seitherigen Kunden des Restaurants werden sich leicht an geeigneter Stelle von dem Mitgetheilten Bestätigung verschaffen können. . Erfurt, 4. Aug. (Zuzug galizischer Juden.) Der kürzlich erschienene Jahresbericht der Erfurter Handelskammer enthält auf Seite 27 unter 12 folgenden Passus: „Nachdem aus gewerblichen Kreisen über das Anwachsen des Zuzuges von jüdischen Händlern aus Galizien und über die Art ihres Geschäftsbetriebes beim Herrn Regierungspräsidenten Klage geführt worden war, hat der Herr Regierungspräsident Erhebungen angestellt und festgestellt, daß in . der That 62 derartige Personen seit dem Jahre 1899 zugezogen sind, und daß ein großer Theil dieser Händler nicht nur den Hausirhandel in den angrenzenden thüringischen Staaten betreibt, sondern in der Stadt Erfurt von Haus zu Haus zieht und Maaren feilbietet. Er hat deßhalb die Handelskammer um gutachtliche Aeußerung darüber ersucht, ob auch sie in Nebereinstimmung mit dem Beschwerdeführer, der Polizeiverwaltung zu Erfurt und der Königlichen Regierung selbst in diesem Geschäftsbetriebe eine beträchtliche Schädigung der einheimischen, in Erfurt ansässigen Geschäftsinhaber erblicke und eine Ausdehnung der gewerbepolizeilichen ..Vorschriften über den Gewerbetbetrieö der Ausländer im Nmherziehen" auf den Stadtbezirk Erfurt befürworte, sodaß in Zukunft die Erlaubniß zum Hausirhandel Ausländern nur noch ertheilt werde nach Maß- . gäbe des vorhandenen Bedürfnisses." Die Handelskammer hat diese Fragen bejaht. Die armen jüdischen Hausirer werden den großen Erfurter Waarenhäusern wohl eine fürchterliche Cöncurrenz gemacht haben. Die Herren mußten wahrscheinlich ihren Aufenthalt in Ostende und Norwegen bedeutend abkürzen. Schrecklich! - Oestetteich. -. V Wien, im Aug. Im antisemitischen „Deutschen . Volksblatt" veröffentlicht ein ehemaliger Offizier folgende Zuschrift: »Im Jahre 1889 war ich als junger Oberleutnant im Stand eines in der jetzt demolirten Franz-Josephskaserne dislocirten Infanterie-Regiments. Als solcher versah ich die Dienste des Bataillons-Adjutanten und fungirte gleichzeitig als Lehrer der Einjährig-Freiwilligen-Abt^ilung. Unter den damaligen Einjährig- Freiwilligen waren die Söhne Israels stark vertreten. Täglich zerbrach ich mir den Kopf, auf welche Art es möglich wäre, dem Antisemitismus auch im Officiercorps feste Wureln zu verschaffen. Zu meinem Leidwesen gingen in Folge der beim Militär eingesuhrten strengen Vorschriften alle Pläne und Combinationen in die Brüche. Mit solchen Gedanken beschäftigt, verging ein Tag nach dem andern, bis die Zeit der Schluß- Prüfungen herannahte. Vor diesen bekam der. Oberleutnant .. vom Jnfantrie - Truppen- Divisions-Commando den Befehl/ über die Fortschritte der Einjährig-Freiwilligen eine Consignation vorzulegen; die Rubrik „Religion" war als erste. Eines Tages erzählte uns (wir waren drei Lehrer) der Oberleutnant, er habe die Consignation zurückbekömmen und es sei ihm ausgefallen, daß alle hebräischen Namen ausfallend roth unterstrichen waren. In vertraulichem Wege habe er Erkundigungen eingezogen, welche Bedeutung die rothen Striche hätten; als Antwort sei ihm der Bescheid geworden: „Sämmtliche Juden durchsallen zu lassen." Endlich für mich ein Fressen, dachte ich. Endlich ein Wink von oben! Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, um diesem Wunsche in der ausgiebigsten Weise zu entsprechen — leider gelang uns dies nicht ganz. Zum Schlüsse erwähne ich, daß der Commandant jener Jnfanterie-Truppen-Division niemand anderer war, als unser gottseliger Kronprinz Rudolf." Von einem so erbärmlichen Menschen, wie diesem Einsender, sollte es auch nicht Wunder nehmen, daß er zu einer Fälschung den Namen des erlauchten Kronprinzen mißbraucht. Offenbar hat nun dieser Mißbrauch in der That stattgesunden. Denn der Vorfall soll sich im Jahre 1889 zur Zeit der Freiwilligen- Priifungen zugetragen haben, die regelmäßig zu Ende des Jahres stattfinden, und mit der Bemerkung, daß Kronprinz Rudolf damals Truppendivisions-Commändant war, soll gesagt sein, daß der Wink, die jüdischen Freiwilligen durchsallen zu lassen, dem „leider" nicht in allen Fällen entsprochen werden konnte, von ihm ausgegangen sei. Kronprinz Rudolf ist aber bekanntlich am 30. Juni 1889 aus dem Leben geschieden.

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