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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gekommen, plötzlich aber wurden sie vom Kriege über» rascht, so daß Anfangs in Folge der Enge des Raumes, in Folge des noch schnelleren Hungers, pestartige Krankheiten unter ihnen ausbrachen. Daß aber die Stadt so viele umfaßte, geht hervor aus der Angabe des Cestius, welcher, um die Stärke der Stadt dem die Nation der Juden verachtenden Kaiser Nero zu zeigen, die Hohepriester beauftragte, wenn möglich, dseGesammtzahl der Einwohner zu berechnen. Diese nun zahlten beim folgenden Passahfeste, an welchem die Israeliten von der neunten bis zur elften Stunde Opfer bringen, und zwar, da Einzelne nicht opfern dürfen, je zehn, oft sogar je hundert, wie eine Genossenschaft, zu einem Opfer vereint, 286,600 Opfer. Es belief sich also die Gesammtzahl, wenn wir. je zehn Theilnehmer für ein Opfer rechnen, auf 2.700,000 reiner Israeliten. Denn weder den Aussätzigen, noch den Flußsüchtigen, noch auch den anderswie Verunreinigten, war es gestattet, an diesem Opfer Theil zu nehmen; sogar nicht den Ausländern, die aus Ehrerbietung ^schienen waren." So mußte denn apch diese hehre Stätte unter den grausen Schlägen des römischen Henkerbeiles nach Gottes unerforschlichem Rathschluffe durch unser eigenes -Verschulden in Trümmer sinken, und die trauernde, in Kummer und Leid gehüllte Wittwe, die Feste Zion, dereinst der Stolz und die Zierde des Landes, sie muß noch heute wehmuthsdoll und. zerknirscht ihr Haupt beugen unter das Joch der Knechtschaft, in das es durch das weltbewegende Machtgebot Gottes gespannt wurde. Aber ihre Söhne, sie baben den Namen, den rühm- und ehrenvollen Namen der Mutter hinausgetragen in alle Welt,, in alle Jahrhunderte als unveräußerliches Kleinod, das sie sicher und getrosten Herzens ihrem dereinstigen Ziele entgegrmführt. „Siehe, ich habe den Wehrmuthsbecher," sagt der königliche Prophet, „aus Deiner Hand genommen und ihn in die Hand Deiner Bedränger gelegt, die zu D einer Seele sagten, beuge Dich, wir wollen darüber hinschreiten; Du aber macktest die Erde gleich Deinem Körper und der Straße für Wanderer." (Jes. 51, 23.) m* ivrr /p» to n'wsiw D'*owb pa TD pir» wm n*ow Dp tpbjS Ja. Eines ist's, was sich Israel mitten durch die trüben Erlebnisse der Jahrhunderte bewahrt hat. die Reinheit der Seele, und die Aufrichtigkeit seines geistigen Strebens; der Leib beugte sich den Schlägen seiner Verfolger, aber der Geist erhob sich nur um so höher über das wüste Treiben irdischer Vergänglichkeit empor. Und hierin liegt für Israel mitten in den trüben Tagen des Golus Trost und Fassung, daß es unter allen Gebildeten und Vorurtheilsfreien so lange Achtung und Anerkennung finden wird, als es für die ungetrübte und unverkürzte Heiliqhaltung dieses seines geistiaen Schatzes, der göttlichen Lehre Sorge tragen wird. Ein geistiges Golus gibt es nicht und kann es nicht geben, so lange man die Mittel noch nicht gefunden, den freien Geist in beengende Fesseln zu schmieden. Gebe Gott, daß. wir auch das Aufhören des. physischen Golus erleben im Wiederaufbauen Jerusalems und seines erhabenen Tempels. - (Echa 4, 23) D°1p3 t2Hn NIpN l'-tt 'H VOMZl ZettrmgsirsÄrtchLett «Sv CorrespsKverrzerr. . _ Deutschland. Berlin, 4. Aug. Der.Konitzer Mordprozeß wird eine nochmalige, wenn auch kleinere Auflage erleben in einer Verhandlung, die am 30. September und 2. Oktober vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I stattfinden soll. Wegen Beleidigung des Staatsanwalts Settegast, des Bürgermeisters Deditius zu Könitz, des Kriminalinspektors Braun-Berlin und einer. Anzahl jüdischer Personen, welche mit dem Konitzer Morde in Verbindung gebracht wurden, werden sich der Verleger der „Staatsbürger-Zeitung", W. Vruhn und sein Redakteur Dr. Bötticher, zu verantworten haben. Bruhn wird von Rechtsanwalt Dr. Hahn-Charlottenburg, Dr. Bötticher von Rechtsanwalt » Simons vertheidigt werden. Es sind 14 Zeugen geladen, außerdem aber gegen 200 Personen kommiffa- 1 risch vernommen worden. Zu den Zeugen gehören: Oberstaatsanwalt a. D. Wulff-Marienwerder, die ersten Staatsanwälte Settegast - Limburg und Schweigger-Konitz, Bürgermeister Deditius, Landrichter Pankau aus Konih. die Polizeikommissare Block, Braun und Wehn, Inspektor Klatt. Für die Verhandlung,- welche sich auf nicht weniger wie 27 inkrimirte Artikel erstreckt, sind drei Tage in Aussicht genommen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Känzow. Frankfurt a. M., im Aug. (Israelitisches Gemeinde Hospital.) Das Israelitische Gemeindehospita! veröffentlicht einen Bericht über die Zeit vom 1: April 1896 bis dahin 1902. Die Leitung hatte Dr. Kirchheinl, als konfultirender Chirurg sungirte Dr. Hirschberg, als Spezialärzte Dr. Rosen- . meyer. Dr. Seligmann, Dr. Ludwig Wolfs und Dr. ' Julius Kohn. Die Poliklinik stand unter Leitung des Armenarztes der Gemeinde Dr. Deutsch. In der abgelaufenen Periode wurde eine umfassende Verbesserung fast aller baulichen Einrichtungen der Anstalt vorgenommen. Verpflegt wurden im Jahre 1896/97 500 Personen, im Jahre 1901/2 625, Operationen wurden ausgeführt 1896/97 122, 1901/2 297, in der Poliklinik behandelt 1896/97 2144 Personen. 1901/2 2623. Das jährliche Betriebsdefizit wird von der Gemeindeverwaltung gedeckt; in den Berichtsjahren betrug dasselbe: Mk. 33,378, 39,984, 43,949. 47,430, 36.914. 61,160. An Freibettstiftungen gingen ein Mk. 193,171,'

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