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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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a!so zu einer Zeit, wo sicherlich von den Freiwilligenprüfungen desselben Jahres noch nicht die Rede sein' konnte.-? .-O-.-.;. ... . Karlsbad, im Äug? Welcher Mittel sich die Russen bedienen, um die Judenverfolgungen zu bemänteln, geht aus höchst charakteristischen Auslassungen verschiedener polnischer Blätter hervor. Diese behaupten nämlich, die Badeorte im Weichselgebiete seien mit Juden überfüllt und das käme daher, weil in ausländischen Bädern der Antisemitismus herrschend geworden, wäre. In siebenundvierzig Badeorten Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz werdenden Juden auf keinen Fall der Zutritt zu den Heilquellen gestattet. Diese absolut erlogene Thatsache soll dazu dienen, ein entsprechendes Vorgehen gegen die Israeliten in Rußland zu rechtfertigen, und deßhalb scheut man sich nicht, zu einer dreisten Lüge zu greifen, denn es dürfte den verbreitern dieser Sensationsmeldung schwer fallen, auch nur drei Badeorte namhaft zu machen, die keine Juden zulassen. Prag, 4. Aug. Zur „Enteignung des Prager Judenfriedhofes" meldet aus Prag ein Privattelegramm: „Trotz vielfacher Rekurse der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft und trotz des Einspruches mehrerer hervoragender Kunstvereine ist die theilweise Enteignung des weltberühmten, von eigenartiger, düsterer Schönheit umwobenen, uralten Prager Judenfriedhofes vom Ministerium des Innern bewilligt worden. Dadurch wird eine der größten Sehenswürdigkeiten und eines der seltsamsten Alterthümer Prags zu einem Torso gemacht. Lemberg, im Aug. Großes . Aufsehen erregt in hiesigen jüdischen Kreisen die Thatsache, daß der neugewählte Erzbischof, Graf Szepitzki, die Juden in der heiligen Spräche ängesprochen und so den Beweis erbrachte für die hohe Sympathie, die er für die hebräische . Sprache und die heilige Lehre empfindet. Der Erzbischof machte nach Antritt seines Erzbisthums eine Rundreise durch die seiner Diöcese zugehörenden Gemeinden und kam auch nach Strozow, wo er von der jüdischen Bevölkerung wie üblich, unter Entgegentragen der „Sefer Thora" unter einem Baldachin, empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt der Schuldirektor Taubeles eine Ansprache an Se. Eminenz. Wie erstaunte aber die Deputation, als der Erzbischof ihnen im korrektesten Hebräisch erwiederte. . . - .England. London, 4. Aug? Die Firma S. Mendelsohn in . London und Kapstadt hat der neuen Synagoge in Kimberley drei große Gedenktafeln zur Erinnerung an die im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten geschenkt. Die . Namen der Soldaten, und die Widmung füllen die Metallplatten,. die 5 FUß 6 Zoll, hoch und. 4 Fuß .3 Zoll breit sind, vollständig , aus. Das Denkmal wird im 1334 Vestibül der neuen jüdischen Synagoge Kimberleys Aufstellung finden.: . - A ni e rik Newyork, im Aug. Vom Leben der russischen Juden in Newyork entwirft ein Mitarbeiter des „Matin" ein interessantes Bild. Wir entnehmen der Schilderung, obwohl schon mehrfach in diesen Blattern davon erzählt wurde, dennoch einige Stellen: Newyork hat mehr russische Juden, als irgend eine Stadt in Rußland. Seit zwanzig Jahren strömen sie in das freie Land. Sie sprechen einen deutschen, mit slawischen Wörtern untermischten Dialekt, den sie mit hebräischen Schriftzeichen schreiben. Zwei Theater spielen täglich Dramen in ihrer Sprache, fünf Zeitungen erscheinen mit ihrem biblischen Alphabet gedruckt, und überall sieht man semitische Schilder. Die . Ziegelhäuser mit ihren eisernen Treppen und Rettungsbalkons sehen wie rostige Käfige aus. Die Hochbahnen, die breiter als der Fahrdamm sind, machen daraus einen halbdunklen Tunnel, und wenn die Schnellzüge die Faxaden streifen, zittert das Gitterwerk. Hier ist die Stadt des Wiederverkaufens und Geschwatzes. Die glücklichsten Insassen sind Trödler. Die anderen, Männer oder Frauen, nähen auf Stück. Sie arbeiten im Zimmer bis in die Nacht hinein; sie schlafen zusammengekauert auf ihren Stücken als Matratze, und man bat Mädchen gefunden, die mit sieberrothen Augen liegend nähten. Bei diesem System fangen die Zwischenmcister den ganzen Gewinn. Die Generation der .Eltern bewahrt die Sitten der russischen Ghettos. Die Generation der Kinder ist dagegen ganz amerikanisch. Sie schwingen sich zu den freien Berufen auf, bringen sich in den Großhandel hinein, und während das Ghetto sich mit neuen Eingewanderten bevölkert, entvölkert es ' sich von den Söhnen der alten, die die reiche Stadt erobern. Aber die unvermittelte Anpassung der Kinder an die Idee der neuen Welt schafft zwischen ihren Eltern und ihnen ein Mißverständniß, das mit einem Fluch der alten und mit einem Achselzucken der jungen Generation endet. Das Newyorker Ghetto hat auch seinen Dichter, der in der Sprache des Ghetto schreibt. Sein Name ist Morris Rosenfeld. Er ist in Polen geboren, 39 Jahre alt, war Schneiderlehrling in England, Diamantenschleifer in Holland und handhabte in Newyork das Bügeleisen in einer Plätterei. R u ß l a n d. - Petersburg, 2. Aug. (Jüdische Colonien in Südrußland.) Das russische Äckerbauministerium hat, wie der „Pol. Corr." aus Petersburg mitgetheilt wird, eine Commission eingesetzt, welche die Frage einer besseren Organisatton der jüdischen Colo- . nien in Südrußland zu studiren hat.

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