Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1902)
- Date
- 1902-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449852--56416-2519085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1319 Iungen sind an Herrn Dr. P. Münz, Badearzt in Bad Kissingen, im Winter in Nürnberg, zu richten.. Frankreich. . Paris, 30. Juli. Vor einigen Tagen habe ich mit einem sehr begabten englischen Gelehrten, der in allen ökonomischen Fragen eine anerkannte Autorität ist, über die in England augenblicklich herrschende Be-. wegung gegen die Fremdeneinwanderung gesprochen. Man würde den Engländern großes Unrecht thun, wollte man diese Bewegung als eine antisemitische kennzeichnen. Es läßt sich nicht leugnen, daß für den englischen Arbeiter das Hinzuströmen großer Massen ausländischer Arbeiter sehr nachtheilig ist. Warum? Wer sind'denn die größten und bedauernswerthesten Opfer dieses Systems, das in England allgemein unter dem Namen Sweating-System bekannt ist und das den Arbeitern auf die schmutzigste Weise ausbeutet? Es sind immer die russisch-jüdischen Arbeiter, die fremd, elend, einsam, verlassen, ohne die geringste Kenntniß der Landessprache, gezwungen sind, um nicht vor Hunger zu sterben, die Bedingungen anzunehmen, die . ihnen der Unternehmer diktirt. Dadurch, daß diese russisch-jüdischen Arbeiter, sich ausbeuten lassen müssen, drücken sie die Löhne des englischen Arbeiters herab, der in Folge dessen wirtschaftlich immer schwächer und dessen Lebenshaltung herabgesetzt wird. Wie soll man nun dieses Problem losen? Etwa dadurch, daß man diesen Unglücklichen, die ihre ungastliche Heimath verlassen müssen, die Grenzen sperrt? Dies wäre Englands unwürdig! Not that I love England less, dntllove dnstiee mors." Nicht, als ob ich England weniger liebte, sondern ich liebe noch mehr die Gerechtigkeit. Bon jeher haben alle die, die verfolgt und geknebelt sind, einer Magnetnadel gleich ihren Blick und ihr Herz gegen die User der Themse gewandt, und in dem Lande, das der Welt einen Cromwell und einen Newton gegeben hatte, Schutz und Zuflucht gesucht. Und jetzt will das stolze Britenland auf diesen so großen Ruhm, ein Asyl der Leidenden zu sein, freiwillig verzichten?! Das kann und darf nicht sein. Es gibt nur ein einziges, eines großen Volkes würdiges Mittel, dieses Problem zu lösen. Man müßte durch ein Gesetz den Unternehmer verpflichten, „gleichen Lohn für gleiche Leistung" zu zahlen, ungeachtet, ob diese Leistung von einem englischen oder russisch-jüdischen Arbeiter herrührt. Dann würde der englische Arbeiter nicht mehr die Eoncurrenz des jüdischen Arbeiters zu befürchten haben, und der jüdische Arbeiter wäre durch dieses Ge- . setz gegen den allzu großen Profithunger, seines englischen Ausbeuters geschützt. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß eine solche Gesehesvörlage das einzig wirksame Mittel zur Lösung dieses so schwierigen Problems ist. Werden aber die hohen Herren des Ober- und Unterhauses einen in diesem Sinne gehaltenen Gesetzesvorschlage ihre Zustimmung geben? Thal is the questiou!! . .■ . . . Pi. England. London, 31. Juli. Im Unterhause frug Bay- 1er an, ob das im März in Rumänien erlassene Gesetze welches die Beschäftigung jüdischer Arbeiter verbietet, in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Berliner Vertrages stehe und ob die britische Regierung gegen das Gesetz Einspruch erhob. . ■ Lord Cranborne erwiedert, das in Rede stehende . Gesetz b eziehe sich auf alle Ausländer in Rumänien und, erwähne nicht besonders die Juden; doch wenn das , Gesetz lediglich gegen hie Juden angewendet werde, gehe die Ansicht der Regierung dahin, daß das Gesetz mit Art. 44 des Berliner Vertrages unvereinbar sei. - Der ., englische Gesandte in Bukarest machte über diesen Punkt der rumänischen Regierung in freundschaftlicher Weise Vorstellungen und werde fortfahren, im Interesse der Juden zu thun, was er thun könne. F tu 111 e i o rr. M Zchml, her Zmelier. Novelle von I. Potapeuko. l3 Nedersttzt m dem Nussistzm ton Mnlwiira Blumberg. (Schluß.) - Kurze Zeit nach' dieser Unterredung erschien in " einer der Seitenstraßen der Gouvernementsstraße T. in neues Schild mit der Aufchrift: „Jtzig Schmul, Juwelier." Die Äugst, welche sich angesichts dieser unvernünftigen Handlung sowohl Joßel's wie der ganzen Familie bemächtigte, wollen wir lieber gar nicht beschreiben. Mit dreitausend Rubeln in der Tasche eine eigene ■ Werkstätte eröffnen — dazu muß man wirklich feiner fünf Sinne beraubt sein! Von allen Seiten überhäufte man Jtzig mit stür- ' mischen Vorwürfen; er jedoch wehrte die Verwandten ab wie Fliegen und that, was er sich vorgenommen. Vor allem mußte der Laden eingerichtet werden, und diese Einrichtung verschlang einen bedeutenden Theil seines Vermögens. Dann kaufte er Steine und ging an die' : Arbeit.; Er saß allein und fühlte sich glücklich.. Er that, was er wollte. Aus einem Häufchen kleiner Steine ’ entstanden unter seinen Händen auf dem Goldgründe . > verschiedener Gegenstände wunderbare, kunstvolle