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Der Israelit · 1902-08-04 · Heft 62 (4.8.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 62 (4.8.1902)
Date
1902-08-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1318 Verfolgungen ausgesetzt zu sein, verleitet habe.' Gegen Adolf und Moritz Levy müsse der Verdacht der Thäterschaft oder Beihilfe sogar, für widerlegt erachtet werden, weil beide sich über ihr Thun und Treiben während der für den Mord in Betracht kommenden Stunden in überzeugender Weise ausgewiesen hätten. Ebenso habe der verdächtigte Schächter Hamburger den schlüssigen Nachweis geführt, daß sein Thun und Treiben am 11. März 1900 ein völlig unverdächtiges gewesen ist und mit der Tödtung des Winter in keinem Zusammenhänge steht. Aus diesen Gründen, und da das auf's Eingehendste und mit aller Sorgfalt geführte Vorverfahren, welches alle Thatsachen, die nur irgendwie mit dem Winter'schen Tode in Beziehung gebracht werden konnten, umfaßt hat, genügende Verdachtsgründe nicht ergeben hat, welche die Erhebung der öffentlichen Klage gegen die Beschuldigten rechtfertigen könnten, mußte der Antrag verworfen werden! Halberstadt, 28. Juli. Am 11. Juli verstarb hier Herr Bankier Berson B a e r im 81. Lebensjahre. Die Gemeinde verliert in ihm eines ihrer ältesten Mitglieder, der Verschiedene erfreute sich großer Verehrung und allgemeiner Beliebtheit. Hierzu hatte die seltene Herzensgüte des Mannes, seine Friedfertigkeit und Bescheidenheit beigetragen. Aber auch als wahrhafter Jehudi war er vorbildlich und das Raböinat würdigte an seinem 80. Geburtstage seine herrlichen Charaktereigenschaften und seinen aufopfernden Wohlthätigkeitssinn durch Verleihung der Morenu. Er gehörte zu den roraaa ponpai pmr; täglich besuchte er bis in die letzten Wochen den Frühgottesdienst. Das Haus des verstorbenen ehrwürdigen Greises war die Zufluchtsstätte der Armen in der Gemeinde. Dort fanden' sie stets williges Gehör, immer liebevolle Berücksichtigung und besonders mm ya suchte der Entschlafene in seiner stets liebenswürdigen, taktvollen Meise zu fördern. Mehr als 40 Jahre hat er der Gemeindeverwaltung angehört und durch seine.friedliche, besänftigende Thätigkeit erfolgreich gewirkt. Als er aus Bescheidenheit wegen seines hohen Alters diese Ebrensiellung bei einer Neuwahl ablehnte, erregte dies tiefes Bedauern im Kollegium, wo er als treuer, liebevoller Berather geschätzt wurde. Seine Milde und aufrichtige tiefe Frömmigkeit wirkte anziehend und anregend auf Jeden, der ihm nahte, so daß er trotz seines hohen Alters in seinem Hause stets eine Anzahl jüngerer Männer sah, die er durch die Fische seines Wesens und das ernste Interesse an allen Tagesfragen, zu fesseln verstand. Es war ihm vergönnt, ein hohes Alter zu erreichen und obschon er kinderlos verstarb, reichen Segen zu verbreiten. Die Gemeinde Halbersiadt wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Kiek, 30. Juli. Im Thierschutzverein erstattete Herr Schlachthofdirektor Rufer Bericht über die Mißerfolge, die er mit bcm Schußapparat der Adlerwaffenfabrik in Zella (St. Blasien) erzielt habe. Schweine wurden zwar sofort betäubt; hin und wieder ging das Abbluten reichlich langsam. Pferde stürzten sofort bewußtlos zusammen. An einem Stiere jedoch prallte der Bolzen ab, und Theile des Apparates flogen davon. Die Versuche wurden mit einem neuen Apparat fortgesetzt und führten zu dem Ergebniß, daß der Apparat sowohl in seiner Handhabe als auch in seiner Wirkung nicht den Erwartungen entspreche. Abgesehen davon, daß jeder Schutz vier Pfennig kostet (das bedeutet allein für die Tödtung der Schweins jährlich 2000 Mk.) stellten sich folgende Mängel heraus: Der Apparat erwärmt sich bei anhaltendem Gebrauch sehr stark in der Hand; das Schußrohr muß zu häufig gereinigt werden; die Pulverladung ist im Verhältnis zu der Größe des Geschosses (des Bolzens) zu klein und die Wirkung darum namentlich beim Großvieh (Stiere wurden nur sehr schwach betäubt, ihnen mußten noch einige Hiebe mit der Axt versetzt werden) zu schwach; die Handhabe ist nicht ganz ungefährliche Schlachthofdirektor Rufer will jetzt andere Systeme auf ihre Brauchbarkeit untersuchen und später den Vorstand einladen, den Versuchen im Schlachthofe beizuwohnen. Bad Kifsingen, 30. Juli. Der „Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kiffingen," welche armen und siechen Kindern aus Familien aller Landestheile und aller religiösen Parteirichtungen ihre gastlichen Pforten öffnen soll, ist Dank des Wohlwollens des hohen kgl. Ministeriums die durch Herrn Badpächter Hessing gütigst bewilligte Anlage einer eigenen Sooleleitung in die neue Anstalt zugestanden worden. Die „Israelit. Kinderheilstätte Hierselbst ist demnach die einzige,, derartige isr. Anstalt in Deutschland, welche die großen Vortheile einer eigenen Soolezufuhr besitzt. Ebenso ist nunmehr, nachdem die sich entgegenstellenden Schwierigkeiten beseitigt wurden, die Genehmigung der Baupläne seitens des kgl. Bezirksamtes Kiffingen erfolgt. Ein geeigneter Bauplatz an der Salinenstraße, halbwegs zur Saline, ist bereits käuflich erworben worden. Die Errichtung der Anstalt soll aber, wie verlautet, erst dann in Angriff genommen werden, wenn der für den Bau und die innere Ausstattung des Instituts bestimmte Betrag vorhanden ist. Es stehen dem Verein der israelitischen Kinderheilstätte etwa 55,000 Mark bisher zur Verfügung; man hofft aber, den Rest in kurzer Zeit durch den Wohlthätigkeitssipn edler Menschenfreunde aufzubringen, um das gute, gemeinniitzige Werk sobald als möglich vollenden zu können. Möge darum die Zahl der großmüthigen Freunde und Gönner der segensreichen Anstalt sich mehren! Zur Empfangnahme von Beiträgen sind bereit die Herren: Banquier A. Lörventhal jr. in Bad Kiffingen, Banquier Wilhelm Ottensoser in Nürnberg, sowie alle, anderen Mitglieder des Komitees, dem Männer aus ganz Deutschland angehören; alle sonstigen Mitthei-

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