Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Forderung von Mildthatigkeit und Pflege der Nächstenliebe im Bereiche seiner Mitglieder. Jedes Mitglied Hot eine Aufnahmegebühr von mindestens 2 Frs. und einen Jahresbeitrag von 12 Frs. zu zahlen. Der Verein hat zwei Aerzte, Dr. L. Herz und Dr. I. Gunzburg, welche in Krankheitsfällen die Vereinsmitglieder nebst deren Familien zu einer um 25% ermäßigten Konsultaiionsgebühr zu behandeln und etwa 76 in allen Stadttheilen gelegene Apotheken, die die von den Vereinsärzten verschriebenen Medikamente zu einem um 40% ermäßigten Preise zu liefern haben. Bei schwer erkrankten Mitgliedern wird für gewiffenhaft abzuhaltende Nachtwachen gesorgt. Den ärmeren, Vereinsmitgliedern wird noch in jeder Weise besondere Sorgfalt zugewendet. Es wird ihnen außer den üblichen Privilegien im vorkommenden Falle eine Krankenunterstützung von 12 Frs. wöchentlich gewährt, im Todesfälle ein Grabstein gesetzt und für deren hinterlassenen Wittwen und Waisen in ange¬ Ortcs, Scheich-Houffein, um Klage zu führen. Scheich Honstein, entzückt vom Anblick der jungen Fra», ließ sie mit Gewalt zum Islam bekehren und behielt sie bei sich. Die Zugänge des Enderoums wurden sorgfältig bewacht und den Dienern wurde verboten, die Verwandten der jungen Frau in's Haus zu kaffen, ja sogar sich dem Hause zu nähern. .; / : •', - Diese Abschließung dauerte einen Monat lang. Nach Verlauf dieser Zeit gelang es der Eingesverrtcn, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschte, zu entfliehen und im Telegraphenbüreau, einem als unverletzlich betrachteten Orte, Zuflucht zu suchen. Der Zorn: des Scheich war grenzenlos. Umgeben mit einer Menge seiner Anhänger, stürzte er sich in das israelitische Viertel, um die Flüchtige zu suchen. Da er den . Aufenthaltsort der Entflohenen nicht entdecken konnte, befahl er seinen Leuten, das Viertel zu plündern und über die Juden herzufallen. Er. fand Gehorsam. Unsere unglücklichen Glaubensgenossen wurden schreck¬ SW# mm Auswsnderude rumänische Jude«. messener Weise gesorgt. In einzelnen Fällen werden auch kleinere Geldbeträge ohne Zinsen und auf Abzahlung verliehen. In der vor einigen Tagen stattgehabten Vorstandswahl sind folgende Herren gewählt worden: S. Frey, I. Springer, I. W. Kohn, A. Singer, A. Silberberg, R. Peotschin, H. L. Katz, S. Katz, I. Strahl. L. Natow i tz. Wir hoffen, daß der Verein unter der neuen Leitung auch neues Leben entfalten und zum Wohl und zur Freude seiner Mitglieder Macht und Mittel gewinnen wird. Persien. Teheran. (Israeliten in Persien.) Die kleine Stadt Mdjara ist soeben der Schauplatz sehr bedauernswerther Ereignisse geworden. Eine junge jüdische Frau aus Bidjara von einer seltenen Schönheit, sah sich den fortwährenden Quälereien seitens ihres Schwagers ausgesetzt; sie ging zum Mouchtehed des lich mißhandelt; selbst die Frauen fanden keine Gnade vor den durch ihren Anführer aufgehetzten Fanatischen. Es entstand eine große Panik. Die Israeliten verließen ihre Wohnungen und begaben sich unter den Schutz eines anderen Mouchtehed, des Amir Djemal. Die Frau ihrerseits, die Ursache all' dieser Ereignisse, suchte sich bei dem Priester Emam Djoume zu verbergen, da sie im Telegraphenbureau ihren Aufenthalt nicht mehr verlängern konnte. Jetzt können unsere Glaubensgenossen bei der GLHrung. die noch fortdauert, ihre Wohnungen nicht eher beziehen, bevor wieder Ruhe' eingetreten ist. Seine Excellenz Mouchir ed Douleh, der Minister der äußeren Angelegenheiten, nn den sich die Bedrängten durch Vermittelung eines Glaubensgenossen telegraphisch wandten, gab die Versicherung, er werde sofort' Sorge tragen, daß die Unruhen, auf-, hören und die jüdischen Einwohner wieder in Frieden ihren Geschäften nachgehen können. <