Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449851--56385-2519053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in den jüdischen Kreisen wecken. O möchten sie nicht unbeachtet an unserem Ohre verhallen! Dann wird es besser »verden in weitesten jüdischen Kreisen und dann, aber nur dann, wird der Fasttag des vierten, des fünften, des siebten und des zehnten Monats zu wonnigstem Aufblühen und fortschreitender Freude gereichen dem Hause Juda und zu beglückenden Vereinigungszeiten — einigend die so lange Getrennten, sie einigen mit ihrem Gotte. LetturrgSnschrtchten und Ssrrewspderszen. Deutschland. Mainz, im Juli. In Bezug auf unseren Bericht vom 8. Juli über eine Zionistendersammlung in Frankfurt a. M. theilte uns Herr Rabbiner Dr. G o i t e i n, Burgkundstadt, datirt vom 11. Juli, mit, daß es ihm völlig fern lag, für oder gegen den Zionismus Stellung zu nehmen. Hamburg, 28. Juli. Gestern Sonntag wurde ein Mann auf dem Langenfelder Friedhofe bestattet, der sicherlich verdient hat, daß ihm hier im Centrälorgan für das orthodoxe Judenthum ein Nachruf gewidmet werde. Jakob Emanuel, ein geborener Hamburger, für den Kaufmannsberuf ausgebildet, mußte, weil sein Vater durch Kränklichkeit der Stühe bedurfte, in dessen Koscher-Fleischgeschäst eintreten und nach dessen Tode dieses Geschäft selbstständig fortführen. Ohne die Verdienste Anderer schmälern zu wollen, wurde er sowohl von feinen Kollegen, wie im Allgemeinen als ein besonders hervorragender Mann in seinem Berufe anerkannt, als ein Mann, der sich durch Wohlthätigkeit, die er im Stillen übte,, ausgezeichnet, und der keine Gelegenheit versäumte limud Hathora nachzugehen. Kein Wunder, wenn das Hinscheiden eines solchen Mannes allgemeine Theilnahme hervorgerufen, wovon sein imposantes Leichenbegängniß beredtes Zeugniß ablegte. Trauerreden waren nicht gewünscht worden, über was man sich bei der Beerdigung von dem Dahingeschiedenen erzählte, war mehr als der schönste Hesped. H. B. Leipzig, 27. Juli. Zur Frage der Namensänderungen ist eine hier kürzlich getroffene Entscheidung von allgemeinem Interesse. Um Genehmigung zur Aenderung seines Vornamens „Meyer" in „Max" hatte ein Kaufmann Meyer B. in Westpreußen, der in Sachsen eine Zweigniederlassung hat, bei einer sächsischen Kreishauptmannschaft nachgesucht, er war aber abschlägig beschicken worden, weil er einmal nicht sächsischer Staatsangehöriger sei, ' dann aber auch, weil nach den in Sachsen bestehenden Vorschriften die Abänderung, ebenso die Führung anderer Vornamen als der eingetragenen unstatthaft sei. Darauf erwirkte B. bei der preußischen Regierung als preußischer Staatsangehöriger das Recht, fortan den Namen „Max" zu führen. Nunmehr ordnete auf sein wiederholtes Gesuch das Ministerium des Innern an, daß es die früheren Entscheidungen nicht mehr aufrecht erhalte und in der Sache von der Kreishauptmannschaft anderweitig instanzmäßiq zu entscheiden sei. Der preußische Minister habe den Kaufmann dahin beschieden, daß nach den in Preußen bestehenden gesetzlichen Vorschriften die Führung eines andern als des im Standes- oder Geburtsregister oder im Kirchenbuche eingetragenen Vornamens — von den Fällen unerlaubter Täuschung abgesehen — nicht untersagt sei, somit keine Veranlassung vörliege, eine besondere polizeiliche Erlaubniß zu der beabsichtigten Namensänderung zu ertheilen. Stuttgart, 27. Juli. Eine stille, bescheidene, fromme Frau ist zur ewigen Ruhe eingegangen. Am 17. Tamus starb im 71. Lebensjahre Frau Hannchen Gut mann in Jttlingen, wohin sie bald nach dem Tode ihres sel. Gatten, des Herr Emanuel G u t m a n n s. A. in Mainz, des langjährigen Leiters der Expedition des „Israelit", verzogen war. Als wahrhafte!>n upk lebte sie in ihrem häuslichen Kreise, sich bei Lebzeiten ihres Gatten ganz der Pflege desselben widmend. In Jttlingen wohnend, war ihr einziger Trost als Wittwe die Lektüre des „Israelit", der sie jedesmal an die schön verlebte Zeit in Mainz erinnerte. An ihrem Grabe richtete Herr Lehrer Herz ergreifende Worte des Trostes an die Geschwister und Verwandten der Verblichenen, besonders hervorhebend, in welch' schönem Verhältniß Frau Gutmann zu den erwachsenen Töchtern aus der ersten Ehe des Herrn Gutmann s. A. gestanden. Diese trauern um die Dahingeschiedene, wie um die wahre Mutter. Sie möge im ps p den Lohn ihrer Thaten finden! O e st e tt t \ ch. Wien, 28. Juli. In der Landtagssitzung vom 22. Juli hat Herr Dr. Adler auch den Antrag gestellt, die Heilanstalt „Alländ" in die Landesverwaltung zu übernehmen, und da der Statthalter und der antisemitische Landesausschuß Steiner den Antrag unterstützten, einstimmig angenommen. Das ist eine sehr unangenehme Bescheerung. An der Gründung der Heilanstalt Alland waren Juden hervorragend betheiligt, nahezu dreiviertel der Spenden für die Zwecke dieser Heilanstalt hat man bei Juden aufgebracht. Bisher war diese Anstalt interkonfessionell, in Alland wirken auch jüdische Aerzte, und jüdische Kranke fanden Aufnahme und: Pflege: Neben einer katholischen Kapelle sieht man. dort auch'ein jüdisches Betzimmer für. die Kranken ein-' gerichtet. Diese Anstalt nunmehr in die antisemitische Landesverwaltung von Niederösterreich zu übergeben, ist geradezu ein Rechtsbruch, ein Betrug, verübt gegen