Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1902)
- Date
- 1902-07-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Oesterreich. ' Sereth, 24. Juli. (Neues Gotteshaus.) Jüngst hat ein Bukowinaer Landeskind, welches in hervorragender Stellung in einer anderen Provinz wirkt, ein Essay über die politische Haltung der. Rumänen veröffentlicht, dessen Refrain in dem Satze gipfelt: „Ich bin ein guter Rumäne und folglich ein guter Oesterreicher.- Wenn schon eine der vielen Nationalitäten Oesterreichs den Vorzug besonderer Staatstreue für stch allein in Anspruch nehmen darf, so können sich auch die Juden der Eigenschaft inniger Liebe und treuer Anhänglichkeit an den Kaiser, sowie steter und unentwegter Staatstreue rühmen, denn abgesehen davon, daß die Liebe zum Kaiser und die gewissenhafte Beobachtung der Staatsgesetze den Juden religiöses Gebot ist, haben gerade die Juden in Oesterreich besonderen Anlaß, dem Kaiserhause und speziell Seiner Majestät dem Kaiser Franz Josef I. dankbar zu sein. Ein Rückblick auf die Geschichte des Judenthums lehrt nämlich, daß die Juden unter der glorreichen Herrschaft der Habsburger stets besser gestellt waren, als anderwärts. . Zur Zeit, als in den anderen Staaten Europas Judenverfolgungen herrschten, als die Juden nirgends ihres Lebens, ihrer Freiheit und ihrer Existenz sicher waren, erfreuten sie sich in den österreichischen Erblanden einer gesicherten Stellung. Unter der Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. aber ist den Juden in Oesterreich volle politische und rechtliche Gleichstellung in vollem Maße gewährt worden, denn es wurden nicht nur sämmtliche, die privat- und öffentlich-rechtliche Stellung der Juden beschränkenden Gesetze und Verordnungen aufgehoben, sondern ihnen mit der Dezember- Verfassung volle Gleichstellung mit den anderen Unterthanen des großen Reiches gewährt. Es suchen also die Juden mit vollem Rechte jede Gelegenheit, um ihrer unwandelbaren Liebe zum Kaiser und unentwegten Liebe zum Vaterlande Ausdruck zu geben. Nachdem die 30. Jahreswende der glücklichen Errettung des allgeliebten Kaisers und Vaters seiner Völker aus verruchter Mörderhand herannoht, hat über . Anregung des Herrn Alexander Salomon Schreiber, Kuliusvorsteher in Sereth, eine Vereinigung frommer Juden Hierselbst die Gründung eines Bethausvereins und die Errichtung eines Gotteshauses beschlossen. In diesem Gotteshause, welches am 18. Februar 1903 (dem 60. Jahrestage der glücklichen Errettung des Kaisers) eröffnet werden soll, wird der Stiftungsurkunde gemäß am 18. Februar eines jeden Jahres ein Dankgottesdienst abgehalten werden. Die feierliche Grundsteinlegung zu diesem Gottesbause hat am 6. Juli stattgefunden. Zu dieser Feierlichkeit haben sich der Chef der politischen Behörde erster Instanz, Bezirkshauptmann Gribowski, der Stadtvorsteher Bürgermeister Franz Beill und der Reichsraths¬ und Landtagsabgeordneter der Stadt Sereth, Professor Skedl, sowie zahlreiche Gäste aus allen Gegenden; unseres Heimathlandes eingefunden. Die Feier verlief nach einer sinnigen und formvollendeten Ansprache des Kultusvorstehers Alexander Salomon . Schreiber, in welcher ungefähr Folgendes ausgeführt wurde: „Im Sinne des Ausspruches Salomonis in 24, 21 der Sprüche „Fürchte Gott und den König und mit Umstürzlern habe nichts gemein" ist der Grundsatz „Los von der Synagoge mit los vom König gleichbedeutend" im gesetzestreuen Judenthume gelegt. Der Hebräer hat für die weltlichen Machthaber die gleiche Bezeichnung, wie für die Gottheit selbst (Elohim bedeutet Beides), hält eine Kränkung des gekrönten Hauptes einer Gotteslästerung gleich und so steht unmittelbar nach der Ehrfurcht, die wir Gott schulden, jene, die wir für unseren Kaiser im Herzen tragen. Was ist dann natürlicher, als daß der Jude eine Ehrung für seinen Gott mit der' seines Kaisers verbinde! Und nach 64jährigem, segensreichen Wirken unseres allgeliebten Kaisers vermag der Oesterreicher die Dankesschuld gegen Gott für die glückliche Errettung, die die Vorsehung in wunderbarer Weise dem jugendlichen Monarchen vor 50 Jahren zu Theil werden ließ, in ihrer ganzen Größe zu erfassen, da Kaiser Franz Josef I. seinen Staaten die Errungenschaften eines modernen Rechtsstaates gewährt hat. Wenn demnach eine Vereinigung gesetzestreuer Juden Gott durch Errichtung eines Bethauses für die glückliche Errettung des geliebten Monarchen den Dank abstattet, so tragen sie nur einen kleinen Theil der Dankesschuld an den Kaiser ab, in schöner und erhebender Weise." Die feierliche Grundsteinlegung nahm Oberrabbiner Israel Hager aus Wiznitz vor. Rach Absingung der Volkshymne wurden hervorragenden Persönlichkeiten „Mischeberach" gemacht, so vor Allem dem Herrn Landespräsidenten, den Herren: Oöerrabbiner Hager, Bezirkshauptmann Gribowski, Stadtvorstehcr Beill und anderen Festgästen. Aus diesem Anlässe spendeten für den Bau des Gotteshauses die Herren: Kultusvorsteher Schreiber, außer den früher bereits gespendeten 100 Kr., für das „Mischeberach" auf den Landespräsidenten weitere 300 Kronen; Oberrabbiner Hager 200 Kr.; Abrah. Achner 72 Kr.; Bezirkshauptmann Gribowski, Stadtvorsteher Beill, Prof. Skedl, Dr. Kohn, Aron Blum, Schulim Achner, Samuel Bahr aus Kimpolung je 50 Kr.; und noch viele andere mit gleich hohen und bedeutenden Spenden. Ein Huldigungstelegramm wurde an Se. Maj. den Kaiser abgesandt und wurde Herrn Alexander Salomon Schreiber durch das kgl. Landespräsidium der kaiserliche Dank dafür ausgedrückt. R. D.