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Der Israelit · 1902-07-28 · Heft 60 (28.7.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 60 (28.7.1902)
Date
1902-07-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1280 besondere Aufmerksamkeit widmeten. Der Besuch des Gottesdienstes durch die israelitischen Soldaten der Garnison Metz wurde auf Wunsch des Konsistoriums durch die Militärbehörde angeordnet. Feste Anstellung der staatlich zu ernenenden Kantoren erfolgte nur nach vorausgegangener, mit Erfolg bestandener Prüfung vor einer besonderen Kommission unter dem Vorsitze des Oberrabbiners. Ein Fortbildungsunterricht für die Kantoren der Umgegend Metz, der wöchentlich einmal während zwei Stunden ertheilt wird, wurde von dem Herrn Oberrabbiner geschaffen. Es wurden Beiträge den Vorsängerschulen gewährt, in denen lothringische Zöglinge ausgebildet werden, und ein Gesuch an zuständiger Stelle eingereicht, das die Gründung einer solchen Schule in Elsaß-Lothringen.in die Wege leiten-, soll. Im Bezirke des Konsistoriums ' für Lothringen wurde eine Pensionskaffe für die Kantoren in's Leben gerufen. Bei dem Bezirks-Präsidium sind wir vorstellig geworden, um die Erhöhung der den Kantoren vom Staate bewilligten Unterstützungen zu erwirken. Verhandlungen mit dem Bezirks-Präsidium in Metz haben stattgefunden, auf daß der Kredit, der unter Position 7 des Staatshaushaltes theilweise gestrichen wurde, wieder in das Etat eingestellt werde. Die ungünstige Lage unseres Gotteshauses in Metz wurde höheren Ortes zur Sprache gebracht und Verhandlungen sind im Gange, die entweder zur Abstellung des jetzigen Uebelstandes oder zu einem Neubau einer Svnagoae führen werden. Auch im Konsistorialbezirke haben wir die Gründung neuer Gotteshäuser gefördert. Mörchingen ist seit diesem Jahre im Besitze einer neuen Synagoge; in Bitsch, Busendorf und Dieuze sind die Vorarbeiten zum Neubau von Synagogen im Gange. Die an uns gerichteten Gesuche um Befürwortung zur Erlangung von staatlichen Beihülfen haben wir an zuständiger Stelle warm vertreten. Um mit. den einzelnen Gemeindeverwaltungen nähere Fühlung zu erlangen, haben wir die Präsidenten der israelitischen Verwaltungen unseres Bezirkes zu einer Besprechung in Metz eingeladen, welche am 16 Februar 1902 stattfand. In dieser Versammlung wurde die Gründung einer Pensionskasse für die Kantoren beschlossen. Unter Hinweis auf das segensreiche Wirken des Deutsch- Israelitischen Grmemdebundes in Berlin, dessen Wohlthaten sich ganz besonders auf die kleineren Gemeinden erstrecken, die sich selbst nicht genügen können, wurde den Vertretern der Gemeinden der Anschluß an diesen Verband warm empfohlen, nachdem schon durch Circular- Verfügung im Einzelnen die Verdienste des Bundes hervorgehoben waren. Viele Gemeinden des Bezirkes traten dem Bunde bei. In derselben Versammlung suchten wir die Armenpflege unseres Bezirkes in die richtigen Bahnen zu lenken, insofern wir den Gemeinden empfahlen, einer Centralkasse beizutreten, die für Lothringen gegründet, und die es sich zur Aufgabe gemacht, um dem Wander- und Hausbettel zu steuern, die Unterstützung direkt und zwar in reichlicherem Maße an die Hilfsbedürftigen gelangen zu lassen. Auch die Gründung eines Alterversorgungshauses für den ganzen Bezirk, welche durch die Erweiterung des Metzer Hospizes ohne zu große Schwierigkeiten zu erreichen wäre, wurde dringend empfohlen. . Die Mittel hierfür sowie die jährlichen Unterhaltungskosten, durften von dem ganzen Bezirke aufzubringen sein. Entsprechende Veihülfen seitens der Regierung wären zu' erwarten. U n g a t tu Budapest, im Juli. Die letzte Volkszählung in Ungarn im Jahre 1900 hat ergeben, daß von den 19,254,559 Einwohnern Ungarns 851,378 sich zum Mosaismus bekennen. Demnach betragen die Israeliten 4^/iopCt. der gesammten Bevölkerung. Im letzten Dezennium des abgelausenen Jahrhunderts vermehrten sich die Israeliten Ungarns um 126,150 gleich 14,84 pCt. Gegenüber der vermehrten Volkszahl beträgt jedoch die Zunahme der Israeliten bloß 2ji0 pCt. (Im Jahre 1890 ergab die Volkszählung, daß Ungarn 725.222 Israeliten habe, welche 47/10 pCt. der Gesammteinwohner bildeten.) Von den 63 Komitaten Ungarns steht in Bezug auf die Seelenzahl der Israeliten das Pester Komitat mit seinen 199,139 Israeliten oben an. Die wenigsten Israeliten — bloß 873 — zählt das Komitat Fogaras in Siebenbürgen. Das Bester Komitat hat somit 234/io pCt. der gesammten Judenheit des Landes. Von den Städten nimmt selbstverständlich die ungarische Haupt- und Residenzstadt Budapest mit ihren 168,985 Israeliten, beinahe den fünften Theil der Gesammtzahl, die erste Stelle ein; und zählt man die Israeliten des an das Budapester Stadtgebiet unmittelbar sich anschließenden, baulich mit der Stadt eng verbundenen Ujpest (Neupest) dazu, so wächst die Zahl auf 176,316. Margitta (Viharer Komitat). Hierselbst wurde der jüdische Schriftsteller und Mitarbeiter des Budapester Tagblattes „Egyetertes", Moriz Szathmari, mit großer Majorität zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Interessant ist es, daß die eifrigsten Anhänger des jüdischen Kandidaten die dortigen römisch-katholischen und reformirten Seelsorger waren. Mit Herrn Szathmari ist die Zahl der Reichstagsabgeordneten jüdischer Konfession auf 19 gestiegen. Das ist eine sehr wichtige Errungenschaft, denn statt 18 können nunmehr 19 Juden den Mund halten, wenn von einer jüdischen Angelegenheit die Rede, wie es bei der rumänischen Judenfrage geschehen ist. Nur still, nur still, nur kein Geräusch gemacht!

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