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Der Israelit · 1902-07-28 · Heft 60 (28.7.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 60 (28.7.1902)
Date
1902-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43* Jahrgang. zu M 60 Zeitungsnachrichten und Eorrefpsrrdenzen. Deutschland. Altcnf'rrchcn, 24. Juli. In Hamm a. d. Sieg hat die antisemitische Rede des Abgeordneten Bindewald, die er dort vor einigen Wochen gehalten hat. rühmenswerthe Früchte getragen. Auf dem israelitischen Friedhofe daselbst wurden von ruchloser Hand achtzehn Grabsteine demolirt. Alle Bürger Hamm's sind sehr entrüstet darüber. Zur Ermittelung der Grabschänd-r sind von Juden und Christen nahnchafte Summen gezeichnet worden. Der Erste Staatsanwalt von Neuwied konnte daher 950 Mark zur Ermittelung der Thäter ausschreiben. Homburg v. d. H., 14. Juli. Der gefeierte Bildhaucr Markus Antokolsky ist hier, wo er Genesung suchte, im Alter von 59 Jahren gestorben. In Anatolsk bei Wilna als Sohn eines armen, jüdischen Schneiders geboren, besuchte der Heimgegangene die Akademie in St. Petersburg, an welcher er seit 1880 als Professor wirkte. Seinen Ruhm begründete die. Statue „Iwan der Schreckliche", welche von Czar Alexander II. angekauft wurde. Auch Alexander III. war dem genialen Künstler sehr zugethan und zeichnete ihn wiederholentlich aus. Gelegentlich der internationalen Jubiläums-Ausstellung, welche zur Feier des zweihundertjährigcn Bestehens der Berliner Kunst- Akademie stattfand, erhielt Antokolsky für seinen „Spinoza, der an den letzten Blättern seiner Ethik ar- . beitet," die große goldene Medaille. Sein letztes, unvollendet gebliebenes Werk war ein Statuen-Complex, welcher den „Inquisitions-Kardinal, der eine jüdische Familie zum Scheiterhaufen führt," zur Darstellung bringt. Antokolsky hat sich auch auf der Höhe seines Ruhmes warme Anhänglichkeit für das Judenthum bewahrt und bei jeder Gelegenheit bethätigt. Czar — Nikolaus H. hat der Familie telegraphisch sein Beileid und den Wunsch ausgedrückt, daß die Beerdigung in Rußland stattfinden möge. Metz, 28. Juli. Das Israelitische Konsistorium - von Lothringen versendet die nachstehende gedrängte Ilebersicht über feine in den letzten zwei Jahren entfaltete Thätigkeit. Unseren Bemühungen ist es gelungen, bei dem Kaiserlichen Bezirks-Präsidium in Metz am 25. Jan. . 1902 eine Verordnung zu erwirken, nach welcher die Schüler israelitischen Bekenntnisses zum Besuche des Religionsunterrichtes verpflichtet sind. Auf Grund , dieser Verordnung haben wir für jede Gemeinde des Bezirks einen Religionslehrer bestellt und bei den Kreisdirektionen beantragt, daß die politischen Gemeinden den betreffenden Religionslehrcrn eine Entschädigung gewähren. In den meisten Fällen ist auch der Gemeinderath unserem Anträge nachgekommen. Für die GemeinMetz habcn wir einen besonderen Sonntagsunterricht cingeführt, an welchem alle schulpflichtigen Kinder unentgeltlich theilnehmen können, und in welchem im Anschluß an den in den öffentlichen Schulen eriheilten Religionsunterricht ganz besonders auf die Erlernung der zum Verständniß der Gebete nothwendigcn hebräischen Sprache hingearbeitet wird. Die Eltern derjenigen Kinder, welche Kongregations-Anstalten besuchen, haben wir durch Circulare ersucht, ihre Kinder zur Theilnahme an dem von dem Herrn Ober-Rabbiner geleiteten Religionsunterricht anzuhalten, leider bis heute noch nicht mit dem gewünschten Erfolge. Zur Ueberwachung des in der Gemeinde Metz eingeführten fakultativen Unterrichts wurde eine Schnlkomission ernannt. Ende vorigen Jahres fand eine Prcisvertheilung an die Schüler statt; hie besten unter ihnen erhielten Preise als Anerkennung für ihre Leistungen. Die weitere Ausbildung einer Lehrerin für die israelitische Kleinkinderschule.Haben wir durch Ge- Währung einer Unterstützung gefordert. Die Verlegung der in einer ungünstigen Lage sich befindlichen Elementarschule in Metz nach einem geeigneteren Viertel wurde beantragt. Wiederholt fanden dicserhälb Unterredungen mit dem Herrn Bürgermeister und dem Stadtbaumeister statt. Eine regelmäßige Inspektion sämmtlicher Religwnsschulen des Bezirks findet durch den zuständigen Rabbiner statt. Die Eröffnung eines höheren hebräischen Unterrichts, der die fleißigen und strebsamen Schüler in die biblische unb nachbiblische Litteratnr einführen soll, steht für Metz bevor. Auch die Fortbildung der aus der Schule entlassenen Kinder haben wir möglichst gefördert. Dem Verein zur Fürsorge der aus den Elementarschulen entlassenen Zöglinge zwecks Erlernung eines Handwerks haben wir einen Beitrag gewährt. Unseren Bemühungen ist es gelungen, : vier lothringische Kinder in der israelitischen Gewerbeschule hi Straßburg unterzubringen. Diese Lehrlinge können dort ein Handwerk erlernen, für das sie besondere Neigung zeigen und werden nach beendigter Lehrzeit durch andere Schüler ersetzt tverden. Einem Gesuche unsererseits an den Bezirkstag von Lothringen um die Bewilligung der Kosten für eine Freistelle an der israeli- - tischen Gewerbeschule in Straßburg wurde für dieses Jahr entsprochen. > Für die Hebung des Gottesdienstes haben wir insofern Sorge getragen, als wir den Kantoren unsere -

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