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Der Israelit · 1902-07-28 · Heft 60 (28.7.1902) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 60 (28.7.1902)
Date
1902-07-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1278 *r den Blick in die bleichen Züge des Kleinen, in seine dunklen, glänzenden Augen, die immer in die weite Ferne schweiften, etwas zu suchen, über etwas nachzudenken schienen. Und dann sagte er zu sich selber: „Nein, o nein! dumm ist Jtzig nicht! O, nichts weniger als das!" Aber doch kam er noch immer nicht auf einen Einfall, zu welcher Arbeit er Jtzig anhalten solle. Eines Tages rief er den Knaben zu sich und fragte: „Nun, sage mir doch um des Himmels willen, was willst Du lernen, wie? Was willst Du werden?" Sinnend blickte Jtzig in's Fenster und ließ die Frage unbeantwortet. Wußte er doch nicht, was er werden wollte. Und wie so konnte er es wissen, da ihm nicht bekannt war, was außer Kupferschmieden, Klempnern, Synagogenpförtnern und jenen Wundern, von denen der alte Chaim erzählte, sonst auf der Welt sich befand. „Vielleicht möchtest Du Kaufmann werden, wie?" fragte Joßel. „Ich weiß nicht," antwortete Jtzig. Hm. . .... Kaufmann sein ist gut, aber dazu muß man viel Geld haben und daran hat es bei uns immer gefehlt. Mir scheint, kein Schmul hat je mehr als zwanzig Rubel in seiner Kasse gehabt. Nun, und vielleicht willst Du Minister werden? Wie? Jtzig? Minister möchtest Du sein? I, ich sehe. Du weißt gar nicht, was ein Minister ist! Ein Minister — das ist, nach dem Kaiser — die wichtigste Person im ganzen Reich. .. Nun, wie, Minister möchtest Du sein?" Joßel's Stimme klang so zuversichtlich, als würde es genügen, wenn er mit dem Hahn eines beschädigten Samovars an den Boden einer Kasserolle schlüge, damit Jtzig sofort Minister werde. Aber Jtzig wollte nichts und führte nach wie vor ein unthätiges Leben. Er war schon vierzehn Jahre alt, als seine ältere Schwester Chaje sich mit einem — wie die ganze Familie behauptete — sehr anständigen Menschen verlobte. Dieser Mann hieß Moselstein, und anständig nannte man ihn, weil er eine gute Stelle Hütte und ein einträgliches Handwerk ausübte. Er arbeitete' in der Werlstätte des Herrn Barmas. des ersten Juweliers der Stadt, dessen Laden die Zierde der Hauptstraße derselben bildete. ' : Die Erscheinung Moselstein's gehörte nicht zu denjenigen, für welche junge Mädchen gewöhnlich zu schwärmen pflegen. Zwar kleidete er sich modern und trug auch keine langen Stirnlocken, aber er hatte einen häßlichen, rothen Bart, eine außerordentlich lange Nase und sehr große Zähne. Mit Chaje verlobte er sich ausschließlich aus Herzensneigung, denn das Mädchen war hübsch, hatte aber keine Mitgift. Nach der Hochzeit vertraute Joßel das Herzeleid, das ihm Jtzig verursachte, seinem Schwiegersohn an und bat ihn um seinen Rath. „Hm," sagte Moselstein, „Sie behaupten, Papa" (cr sprach zu Joßel mit solcher Achtung, weil er ein gebildeter Mann war), „daß Jtzig zu nichts Lust hat? Es wundert mich sehr, Papa, daß Sie das.sagen. Wozu braucht man Lust? Und was ist Lust? Sie sind sein Vater und können ihm daher befehlen und vertreiben. Das ist meine Ansicht. Und loenn er weiter nicht wollen sollte, so können Sie ihn doch einfach schlagen, Papa. Das ist meine Ansicht. So weiß ich z. B., daß Herr Barmas in seiner Werkstätte einen solchen Jungen braucht."; (Fortsetzung folgt.) Wschen-Ralenöev. Freitag, 1. August. 27. Tamus. - Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Mm. Samstag, 2. August, 28. Tamus. nTn=o 'pvm maa .Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 9 Uhr 05 Miii. — Berlin 8 Uhr 49 Min. — München 8 Uhr 33 Min. — Hannover 8 Uhr 59 Min. — Stuttgart 8 Uhr 48 Mn. — Vrag 8 Uhr 30 Min. — Straßburg 8 Uhr 55 Min. — Posen 8 Mr 37 Min. — Stettin 8 Uhr 52 Min. Montag. 4. August, 1. Äw. ffin cm . Der „38t«eilt" erscheint wöc&eEiMicEi nwelranl, Moi&tags snd BonnerstagB, jedeSnuck i* mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höh«. Ma» abonnin ganzjährlich, halbjährlich «der vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel vrvkrhrk durch D. A StrruarLrr, Leiprtg, Notzplatz jS. — Inserate 25 Pfennig die viergespallene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis d« Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsende». Postzeitungsliste 3792. Telephon 19:5. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag uud Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe des Israelis vier Wochen lang gratis und franco erhalte». Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, aus dieselbe unter Sfr. 3792» abonniren. Auf Wunsch stunde« wir die Zahlung des JnsertionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. _• Inhalt ltzauptblatt): Unangenehm, aber nützlick zu winen. — Zeitungsnackrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Graudeuz. Jnowrazimo. Leipzig. Diersburg. Dornheim. Oesterreich: Wien. Frankreich: Paris. Afrika: Johannesburg. — Feuilleton: Jtzig Sckmul. der Juwelier. . Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Corrcfpondenzen: Deutschland: Altenkirchen. Homburg v. d. H. Metz. Ungarn: Budapest. Oesterreich: Sereth. Rumänien: Bukarest. Schweden: Malmo. — Litzte Nachrichten: Brclin. - - Blätter für jüdische Geschichte und Litteratur. .... Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^Israelit". Schottstraße Nr: 2, Mainz. Drüü.und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast tn Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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