Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-07-28 · Heft 60 (28.7.1902) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 60 (28.7.1902)
Date
1902-07-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449850--56370-2519037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1275 Rabbiner Dr. Hertz in Johannesburg, der von Lord Milner zum Mitglied des berathenden Komitees gewählt worden ist. Nach Ansicht dieses kompetenten Beurtheilers bilden gerade die russischen Juden in Transvaal ein Bevölkerungselement, welches sich am besten den Verhältnissen assimilirt und dem Lande nur zum Nutzen gereichen kann. Von den Vorwürfen, die man den dortigen Juden macht, sind nach den Ausführungen des Dr. Hertz die meisten unberechtigt. Weder bilden die Juden den reichsten Theil der Johannesburger Stock Erchange, noch haben diese das verbotene Branntweingeschäft besonders -gepflegt. Von 320 Ilebertretungen auf diesem Gebiete im letzten Jahre kommen noch nicht 20 auf Juden. Genau so geht es auch mit den anderen Anklagen, die man gegen sie erhebt. Der Antisemitismus ist in Südafrika nur eine imvortirte Pflanze, die auf dem Boden des Landes nicht wird gedeihen können, wenn alle betheiligten Faktoren mit Entschiedenheit darangehen werden, die ökonomische Lage zu verbessern. Vor dem Kriege lebten daselbst 25,000 Juden; von diesen waren in Transvaal selbst- 16—16,000, 7500 in der Kapkolonie und der Rest in Natal, Rhodesia und den anderen Gebieten. Die Lage derselben hat sich während der Kriegszeit natürlich sehr verschlechtert. Aber es ist zu hoffen, daß sie unser der britischen Herrschaft, wo sie volle bürgerliche Freiheit genießen, die sie unter den Buren nie hatten, wieder zur ~ Ruhe gelangen werden. Die Zahl von 25,000 Juden unter 850,000 Andersgläubigen ist gewiß keine allzu große. Es ist deshalb begreiflich, wenn man unter den veränderten Verhältnissen Südafrika als ein für weitere Kolonisation besonders geeignetes Gebiet in's Auge zu fassen geneigt ist'. F e u i l lt t 0 tu W Schmu!, der JiMlier. Novelle von I. Potapeuko. Nederstht aus dem SuMen von Malmina Blurnbrrg. Jtzig Schmul! Jtzig Schmu!! Was lann man von einem Menschen erzählen, der solchen Vor- und Familiennamen trägt? Und er war sich auch dessen bewußt; ja, Jtzig Schmul war sich dessen ganz genau bewußt, und würde viel darum gegeben hüben, lvenn man ihn z. B. wenigstens — Rothschild genannt hätte. Nichtsdestoweniger nannte man ihn Jtzig Schmul, nannte ihn so von dem Augenblicke seiner Geburt, und dagegen ist nichts zn thun, das wird schon so bleiben. Die Hauptsache jedoch ist, daß Jtzig Schmul einst gelebt und zu leben bereits aufgehört hat, und hat ein Mensch erst zu leben aufgehört, so kann man — und wäre er auch nichts mehr, als Jtzig Schmul — immer etwas von ihm zu erzählen finden. Und dann auch der Umstand, daß Jtzig Schmul — ein Juwelier war; denn thatsächlich war er nicht dazu angethan, ein Juwelier zu sein und viele Leute waren dieser Ansicht, und er selber wunderte sich häufig Darüber, wie so er einer geworden. '; .‘V;- Aber die Thatsäche ist einmal umumstößlich: Jtzig Schmul war Juwelier, und in der Stadt, wo er geboren wurde, heranwuchs, seine ganze Carriere durchmachte, den übrigen Theil seines Lebens verblieb und.sterben wird, ohne ein einziges Mal weiterals zw-ei Werst*) hinter die Grenze derselben gekommen zu sein, hängt noch jetzt über der Thür eines ärmlichen Ladens ein rothes Schild, auf dem mit großen, gelben Buchstaben geschrieben steht:,, Joseph Moselstein, Juwelier," und darunter mit ebenfalls gelben, aber kleineren Buchstaben: „vormals Jtzig Schmul." Das ist ein untrüglicher Beweis, daß Jtzig Schmul thatsächlich Juwelier Daran, daß Jtzig Schmul Juwelier geworden, war eigentlich die Bestimmung schuld, nur die Bestimmung. denn weder in der Umgebung,, in deren Mitte er das Licht der Welt erblickte, noch in den Traditionen seiner sehr alten Familie, war irgend etwas, das auch nur im Entferntesten auf eine ähnliche Carriere hingedentet hätte. ... \T- Der Urgroßvater seines Urgroßvaters war Kupferschmied gewesen, das heißt, ein Mann, der nicht den geringsten Gegendstand aus Kupfer zu machen verstand. Dafür jedoch löthete er mit sehr viel Geschick die abgebrochenen Henkel an beschädigte Samovare, flickte, die durchlöcherten Böden der kupfernen Kasserollen und verzinnte letztere. Da er also immer mit kupfernen Gegenständen sich beschäftigte, nannte er sich einen Kupferschmied, wie das Schild über seinem Laden es bewies. Seine Nachfolger entwickelten und vervollkommneten das Gewerbe. Jeder trug etwas von dem Seinen hinzu, ohne indessen von der Hauptidee sich zu entfernen, und als die Werkstätte auf Joßel Schmul, den. Vater von Jtzig Schmul überging, hieß es auf dem Schild: „Kupferschmied, Klempner u. Zinkfabrikant." Außer der Arbeit des Verzinnens, in welcher schon der Begründer der Firma Bedeutendes geleistet hatte, wurde in der Werlstätte noch Anderes verfertigte Auf den Brettern standen Theekanney aus Blech mit langen Schnäbeln, Töpfchen, kunstvolle Formen zu Mehlspeisen und verschiedene Gefäße zum Messen von Oelen und Petroleum. All dies war Joßel Schmul's eigenhändige Arbeit. Selbstverständlich täuschte sich Joßel *) Eine Werst, der siebente Theil einer russischen Meile. An merkung des UebersetzerS. . . -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.