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Der Israelit · 1902-07-28 · Heft 60 (28.7.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 60 (28.7.1902)
Date
1902-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«Heute scheidet von uns ein Beamter, der vierzehn Jahre in unserer Mitte gelebt und gewirkt, der in allen Lagen und Verhältnissen des Lebens, in Freud und Leid, in ernsten und frohen Stunden, an gewöhnlichen Werk- und hohen Feiertagen uns zur Seite gestanden, dem, was unser Herz bewegt und unsere Seele erfüllet, durch sein klares und deutliches Wort, durch seine mächtige Und weithintönende Stimme, durch seinen ergreifenden und tief in die Seele dringenden Gesang Ausdruck verliehen, und in den heiligsten und weihevollsten Stunden unseres Lebens, als würdiger -nax uns vor Gott vertreten. Ihr werdet es begreiflich finden, wenn ich. diesem bescheidenen und verdienstvollen Beamten , an dieser heiligen Stätte, wo er treu, voll Hingebung und Aufopferung vierzehn Jahre lang seinen heiligen Dienst verrichtet, wenn ich an dieser Stätte ihm im Namen der Gemeinde zurufe: W arp Tttpid: Es ist uns leid, außerordentlich leid, daß ein Mann, der seinem Stande, ja der ganzen Gemeinde zur Ehre gereicht, uns verläßt, daß das Band, das diesen Beamten mit der Gemeinde so innig verknüpft, gelockert, gelöst werde. Was die Trennung der Gemeinde von diesem Beamten erschwert, das ist dessen unvergleichliche Pflichttreue einerseits und dessen musterhafte Bescheidenheit andererseits. Plichttreue nach jeder Richtung hin, als Schochet, als Chasan, als Jehüdi, hat er zu jeder Zeit und unter allen Verhältnissen seine Pflichten in bewundernswerther Treue, Hingebung und Ausdauer erfüllt, das Gotteshaus und das Beth Hamidrasch waren die Stätten, die er täglich — früh und spät — ausgesucht, wo er sein Wissen, seine Kenntnisse auf dem Gebiete der Thora zu mehren, zu bereichern suchte, und nicht nur dem Vorstande, seiner Vorgesetzten Behörde, sondern jedem Menschen kam er stets mit der größten Bescheidenheit. Freundlichkeit und Dienstfertigkeit entgegen. Was seinem Verdienste aber die Krone aufsetzt, das ist die von Gottesfurcht und Sittlichkeit getragene Erziehung, die er seinen Kindern gegeben, seinen braven Kindern, die mit unendlicher Liebe an diesem Vater hängen und ihm einen besonders hohen Grad von Ehrfurcht bezeigen, indem sie ihm die Bürde, die Last des Amtes von den Schultern nehmen und ihm eine unabhängige, sorgenlose, angenehme Eistenz bereiten. — Und so sprechen wir zum Schluß dem würdigen Beamten unsere Anerkennung und unfern Dank aus und rufen ihm, der den Namen *]ra trägt 711a law» nwe 71*121 7x22 nr» zu „Gesegnet bei deinem Kommen und gesegnet bei deinem Gehen!" Wir werden Dir unsere Liebe und unsere Achtung, wie bisher, auch in aller Zukunft treu bewahren. M. Leipzig, 25. Juli. Daß bei dem Ernst der Sache im Leipziger Bankprozeß auch der Humor nicht fehle, das besorgt unfreiwillig der fromme, konservative .„Reichsbote". Er hat früher gleich anderen antisemitischen Blättern bei jedem ihm nur irgend 'dafür geeignet erscheinenden Fall über jüdischen Schwindel geeifert. Zu seinem tiefen Schmerze sind die Schuldigen in den großen Schwindelprozessen der letzten Zeit, bei denen so viel Geld und Vertrauen verloren gegangen ist, ausschließlich gut christliche, ja sogar antisemitisch angehauchte Leute. Und nun bringt es das brave Pastorenblatt fertig, mit ernst-einfältiger Miene für die Zusammenbrüche in Berlin und Leipzig eigentlich die — Großfinanz verantwortlich zu machen, weil sie den Schwindlern nicht beigesprungen ist. Das wäre ungefähr so, wie wenn man Jemand für Unterschlagungen eines Anderen verantwortlich macht, weil er diesem nicht das Geld zur Deckung der Unterschlagungen, geben will. Die Hochfinanz soll sich gerade darum zurückhaltend gezeigt haben, weil es sich um Institute gehandelt habe, die von Leuten christlichen Glaubens geleitet wurden. Also die reinste Verschwörung gegen das Christenthum! Es fehlte nur noch, daß ein Plan aufgedeckt würde, wonach die Sonden, Exner und Schmidt durch die Großfinanz zu ihren Schwindeleien verführt worden seien. Aber im Ernst, ist der „Reichsbote" wirklich so — unschuldig, um nicht zu begreifen, weßhalb die großen Bankinstitute der Leipziger Bank nicht zu Hilfe kommen konnten? Eine Bank, die nicht nur ihr ganzes eigenes Geld, sondern auch fremde Gelder für die Trebergesellschaft hergegeben hatte, dies „morsche Gebäude voll Lug und Trug," wie es im Kasseler Urtheil genannt wurde, die war nicht mehr zu retten, und ein Institut, das angesichts dieser offenkundig gewordenen Thalsachen nur seinerseits dafür Geld hergegeben hätte, würde nicht nur unverantwortlich, sondern geradezu strafbar gehandelt, sich zum Mitschuldigen an der Fortsetzung des Schwindels gemacht haben. Diersburg (Baden). (Unlieb verspätet.) Am 3. dss. Mts. wurde hier ein Mann beerdigt Namens Marx Kahn aus Offenburg, der vor ca. 10 Jahren von hier verzogen war. Seinem Wunsche, an der Ruhestätte seiner Eltern begraben zu werden, wurde entsprochen. Eine zahlreiche Versammlung aus Nah und Fern war herbeigeeilt, um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Am Grabe gedachte Herr Rabbiner Dr. Rawiz aus Offenburg seiner Verdienste und schilderte denselben als einen frommen, strebsamen Mann. Auf Veranlassung des Synagogenvorstandes erwähnte Herr Lehrer Heller und zeichnete in treffenden Worten, wie der Verstorbene stets für daS Wohl der hiesigen isr. Gemeinde arbeitete und freiwillig zur Kultussteuer seinen Beitrag entrichtete. Auch erwähnte der Redner, daß derselbe ein Kohen war und er es verstanden hat, an den hohen Feiertagen alle Andächtigen zur Gottesfurcht zu entflammen. Die hohen Feiertage verbrachte er stets in Diersburg, da er von den Neuerungen in seinem Wohnorte nichts wissen mochte. Man konnte auf ihn den Vers anwenden nr®

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