Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1902)
- Date
- 1902-07-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1272 Nasen herumtanzen und ihnen noch obendrein eine drehen. Es ist unter solchen traurigen Verhältnissen aber immerhin gut und nützlich, wenn auch schmerzlich zu wissen, wie gründlich die Rumänen das besorgen. Also 1878 versprachen die Rumänen feierlich, den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung zu geben. Dieses Versprechen nun haben sie nicht gehalten. Aber das ist noch das — Wenigste. Sie haben seitdem, wie den Mächten zum Hohn und zur Verspottung des Berliner Vertrages, den Juden immer von Neuem Rechte entzogen, ihnen immer mehr Beschränkungen auferlegt. Im Jahre 1884 wurde ihnen das Hansiren verboten. 1886 wurde ihnen das Recht genommen, an den Wahlen für die Handelskammern theilzunehmen oder Mitglieder derselben zu werden. 1887 wurde das Gesetz erlassen, nach tvelchem Juden nicht mit Tabak handeln, nicht ein öffentliches Amt bekleiden, nicht bei Staatsbauten beschäftigt und von Rumänen nicht im Detailhandel Vertvendet werden dürfen. 1889 gab es wieder Gesetze, wonach Juden keine hervorragende Stellung bei Eisenbahnbauten einnehmen und nicht mehr als 40 pCt. der Arbeiter bei Privatbahnen ausmachen dürfen. 1896 wurde den Juden der unentgeltliche Schulunterricht entzogen. 1898 wurde den Juden der Besuch der Mittel- und höheren Schulen verboten. 1901 wurde den Juden verboten, auf dem Lande Wirthshäuser, Bierhäuser, Kaffeehäuser zu besitzen oder das Grünkramgeschäft zu betreiben. 1902 wird die Verwendung jüdischer Arbeiter in jedem Gewerbe gesetzlich verboten und werden die berüchtigten Gewerbegesetze erlassen, die dem Faß den Boden ausgestoßen und selbst die geduldigen rumänischen Juden zur - Auswanderung im großen Maßstabe getrieben haben. Wir haben übrigens nicht alle, sondern nur die wichtigsten gegen die Juden erlassenen Gesetze ausge- . zählt; indessen sie dürften genügen. Den berühmten rhetorischen Fragen: Was ist Wahrheit? Was sind Hoffnungen, tvas sind Entwürfe? wird man in Zukunft gleichstellen können die Frage: Was sind Verträge, die Großmächte unterzeichnen? Nicht das Papier werth, auf dem sie geschrieben sind. Man wird sich hüten, auf großmächtlick-e Garantien etwas zu geben, sei es, daß die Neutraliät von Kleinstaaten oder daß Anleihen ga rantirt werden. Vertragsbestimmungen, wie die der Artikel 43 und 44, sollten besonders heilig sein und erfüllt tverden müssen. Wenn mit diesen schon so umgesprungen u*?rb, wie wir gesehen, wenn das am grünen Holze geschieht, was soll erst mit Bestimmungen geschehen, deren Erfüllung weniger selbstverständlich ist . und viel größere materielle oder andere Opfer bedingt? «Md E»rre?p»Kdmzm. Deutsch la » d. Frankfurt a. M., 26. Juli. Wie man der „Franks. Zeitung" mittheilt, hat die antisemitische, in Petersburg erscheinende russische Zeitung; „Nowoje Wremja" vom 21. Juli folgende unsinnige Notiz veröffentlicht: „Die jüdischen Zeitungen sind empört über das Verbot der ausländischen Kurorte und Sommerfrischen Juden als Gäste aufzunehmen. In diesem Jahre haben 47 Kurorte in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz in ihren Prospekten ausdrücklich angezeigt, daß sie keine Juden aufnehmen werden. Damit erklärt ein Warschauer Blatt die geringe Zahl der jüdischen Reisenden in's Ausland im laufenden Jahre." Wir brauchen wohl kaum zu sagen, daß diese Notiz von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Graudenz, 23. Juli. Zur Richtigstellung Ihrer in Nr. 58 Ihres Blattes unter den Merkworten „AuS Westpreußen" gebrachten Mittheilung gestatte ich mir. Ihnen den auf die Beziehungen des Rabbiners Dr. Baer s. A. zur Begründung des Waisenhauses bezüglichen Passus aus der Gedächtnisrede des Herrn Rabb. Dr. Loevy wörtlich mitzutheilen. Es heißt darin: „Darf ich vergessen, dem Todten nachzurühmen, was er selbst in seiner oft rührenden Bescheidenheit niemals in die Öffentlichkeit getragen, daß es fast einzig seiner unausgesetzten und uneigennützigen Verwendung und Fürsprache zu danken ist, wenn der von meinem verdienstvollen, in Gott ruhenden Vorgänger im Amte (Rabb. Dr. Rosenstein f. A.) erdachte Plan zur Ausführung gelangen konnte, den Stein des Anstoßes in unserer Gemeinde in den Grund- und Eckstein barmherziger Liebesthätigkeit, die Separatfynagoge in ein Waisenhaus umzuwandeln." Jnowrazlaw, im Juli. Wie vor dreißig Jahren, als der Rabbiner Pollak unsere Gemeinde verlassen und dieselbe mit der Budapester Gemeinde vertauscht, wie damals die ganze Gemeinde diesen Entschluß des ehrwürdigen Lehrers bedauert, so bedauert die Gemeinde den Entschluß des Herrn Kantors B. Friedmann. der sein Amt freiwillig niederlegt, um von feiner rastlosen, eifrigen, gewissenhaften, aber auch aufreibenden Arbeit als Chasan und Schochet auszuruhen und seine Zeit ganz der rmi und .ttö» zu widmen. Welcher Liebe und Achtung dieser ausgezeichnete Beamte, der ein frrnn p in des Wortes bester Bedeutung ist, sich in unserer Gemeinde erfreut, dafür zeigt die Rede, die Herr Rabbiner Dr. Kohn zu Ehren des scheidenden Beamten TV nte v gehalten. Der Redner schloß seinen Vortrag mit folgenden Worten: