Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1902)
- Date
- 1902-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43, Zahrgang. \ Jgg 60# Kenirat-Hrgan für das orltzodore Iudenthmtt. Dr. Drhrnttnrr in Mckinz. Montag, den 28. Juli 5662 (1902). abonnkrt man bei allen Vostanstalten für den Monate auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden Landbrieftrüger aufgeaeben werden. ETT* Die Bricfttäger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend HSher.'-r.-""'' Die ErpeöMon des «Israelit." lliiiiWchiii, aber ilStzlich p mifen. Iv. Vor einigen Tagen wurde im englischen Unterhause die Regierung angefragt, ob sie Schritte gethan habe, um Rumänien zur Ausführung der Artikel 43 und 44 des Berliner Vertrages zu veranlassen, nach welchem den Juden in Rumänien die politische Gleichberechtigung gewährt werden sollte. Der Vertreter der englischen Regierung erwiederie dein Fragesteller, daß England in Rumänien Schritte, allerdings vergebliche, gethan habe, auch noch weitere zu thun gesonnen sei, daß sie aber Grund zu haben glaube, anzunehmen, die übrigen Unterzeichner des Berliner Vertrages seien nicht geneigt, diesen ihren Schritten sich anzuschließen. Freilich, ivenn man es sich recht überlegt, kann Rußland nicht gut in Bukarest vorstellig werden, die Juden zu emanzipiren. Die rumänische Regierung könnte nicht zwar pathetisch, aber lachend anworten: Quis tulerit Gracclios de seditione querenfer? zu deutsch etwa: Fegt vor Eurer Thüre. Oder sie könnte höflich sein und sagen: Emanzipiren Sie Ihre Juden, dann werden wir die unserigen emanzipiren. - Man muß gestehen, Rußland kann nicht gut darauf dringen, . .daß Rumänien sein den Mächten bezüglich der Gleichberechtigung der Juden gegebenes Versprechen halte..-?, Frankreich, das einst an der Spitze der Civilisation marschirte und für Menschenrechte sich begeisterte? Ja, das war einmal, und lang ist es her. Jetzt folgt es, kaum noch erröthend, Rußlands Spuren, ist von Väterchens Gruß beglückt und ist das Land der „Affaire", aber nicht mehr des „Handels". Frankreich ist : nicht mehr das Frankreich von 1782, es ist auch nicht einmal mehr das Frankreich von 1878, dem Jahre der Unterzeichnung des Berliner Verträges..:--^^-.^^.-..^.' Und Deutschland, in dessen Hauptstadt der' Vertrag berathen und unterzeichnet wurde, der bis auf den heutigen Tag der Berliner Vertrag heißt? Nun, auch Deutschland hat sich seit 1878 verändert. Gerade damals, als man in Berlin auf die Emanzipirung der rumänischen Juden drang und sie auch durchsetzte, nämlich auf dem Papier, concipirte Mutter Germania in einer tollen Nacht, als die Hexen auf Besen umherritten und der Teufel gerade los war und beschenkte die Welt mit dem Bastard des Antisemitismus. Das Knäblein, dessen zweifelhafte Herkunft und dessen bestialische Natur selbst sehr große Männer nicht sofort erkannten, wurde geliebkosi und verhätschelt und ausgepäppelt, bis es stark genug war. die Ahlwardt und Pückler und außerdem eine große Menge Männer, deren Namen in den Strafanstaltsregistern zu finden sind, zu erzeugen. Germania, die den Antisemitismus geboren, seine. Blöße mit einem etwas tvissenschafllichen Lendentuch zugedeckt und die Mißgeburt sogar gewissermaßen hoffähig gemacht hat, kann auch nicht gut den Vertragsbrüchigen Rumänen auf die Finger klopfen. Mutter Germania möchte sich nicht der Gefahr aussetzen, daß die Bojaren ihr auf ihre Vorstellungen erwiedern: Wer sich frei fühlt von Schuld, hebe den ersten Stein auf. Nein, auch Deutschland kann nicht als Mahner und Kläger auftreten. und Rumänien kann daher den Unterzeichnern des Berliner Vertrages auf den langen