Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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„Unser mit C. Pr. chisfrirter V e r e i n s s e kretar oder Schriftführerhat an die „Bl. fl Erz. u. U." das gerade G e g ent hei l . von dem berichtet, was bezüglich der in Rede stehenden Resolution zu sagen ist." Eine solche klipp und klar gegebene Erklärung würde dann sich genau decken mit der Erwiederung an mich. Eine solche Erklärung machte für mich die ganze Sache nun wesenlos, weil widerlegt, sie würde dann auch in diesem Falle die „Bl. f. Erz. u. U." vollständig unberührt lassen. Können denn letztere das Protokoll ändern? Zweifellos war doch das nach Magdeburg Gesandte „das Protokoll" des Württembergischen Lehrervereins, wenn nicht wörtlich, so doch vollinhaltlich. 'Jedenfalls, das ist der Kern der Sache — stand auch genau die Resolution („Ungeheuerliche Angriffe, Nr. 38, tiefstem Abscheu") darin. Oder nicht, Herr Spatz? Ich glaube das so lange, bis mir das Gegentheil bewiesen wird oder Sie unzweideutig und klar aussprechen, daß dem n i ch t so ist. Wenn man „vor Tisch anders las," so muß man eben gewärtig sein, daß es noch Leute gibt, die sich auf jene erste Lesart erinnern und sie nicht aus dem Auge lassen. Auch der Logik muthe man keinen Saltomortale zu. Auch Ihre übrigen Ausführungen, Herr Spatz, zeigen recht deutlich, wie Ihre Vertheidigung der hier offen zntage liegenden freilich unbequemen Dinge auf schwachen Füßen steht, sich an dem Strohhalm einer geschraubten Logik hält. Ich glaube ja herzlich gerne, daß Sie persönlich den „Bl. f. Erz. u. U." ganz ferne stehen, wie auch Ihr Verein nicht Verbandsglied ist. Allein twir kommen nicht um diese Ecke — es stand einmal im Namen Ihres Vereins die Resolution gegen den „Israelit" in den „Bl. f. Erz. u. U." Oder war das vielleicht eine Liebeserklärung? So hätte man sie doch Namens des Vereins an die Redaktion dieser Bl. senden können. Hier gilt keine sog. „Berichtigung," sondern —- laut Ihrer oben angeführter Entgegnung — ein förmlicher Widerruf der R e s o l u t i o n! Ich unterlasse es, dem vollends harmlosen Artikel in Nr. 38 noch jenen in Nr. 39 u. 40 hier wortgetreu folgen zu lassen. Es wäre allerdings das Beste, um zu ersehen, daß dieser letztere Artikel ja gegen den in Nr. 38 sich richtet. Wer den Artikel liest, muß ihm die Zensur der Verworrenheit geben. Öder, ist es wahr, daß die Israeliten Württembergs in Mißkredit gebracht sind durch die Meldung, daß viele unter ihnen die Tefilin zu weit zwischen die Augen herunterrutschen lassen? — Das kommt auch in Bayern und Preußen vor, auch in dem Rabbinatsbezirke, dem ich angehöre, ja vielfach auch in meiner eigenen Gemeinde. Sehen Sie, ich fürchte durch solch' freimüthiges Geständniß nicht meinen Herrn Distriktsrabbiner, seinen Sprengel oder meine Gemeinde, „in Mißkredit bei der Judenheit" gebracht zu haben. Ferner, wer glaubt denn mrt dem Artrkelschreil«i, daß wegen eines „Kescher"-Erlernens die „geammte Ausbildung des Lehrerstandes in andere Bahnen" geleitet werden muß? Possierlich klingt gar die Entrüstung darüber, daß angenommen ward, Herr Dr. Kroner werde einem tüchtigen Sofer seine Unterstützung angedeihen lassen. Meint der Schreiber vielleicht, der Herr Dr. Kroner werde von Haus zu Haus mit dem Sofer durch das Land gehen? Ich dachte doch in „meinem. Sinn", es sei hier an. eine autoritative Empfehlung seitens des Herrn Kirchenraths gedacht, die bei der rühmlichst bekannten Bestrebung des Herrn Lr die Kräftigung des konservativen Sinnes in Württemberg wohl mit Recht anzunehmen gewesen. Der Einsender aber meint, der „Mann wird sich bedanken, immer als Sündenbock hingestellt zu werden, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen." Doch findet Herr Spatz einen schweren Angriff, darin, daß der Einsender von den — wie Herr Spatz selbst sagt — Lehrern Württembergs in Humorist is chir o n i s ch e m Sinne die Redewendung. gebraucht „berüchtigte einheimische und bevorzugte Ausländer." Ei, ei. wenn das blos ironisch gemeint, also das Gegentheil sagen soll, war umso entrüstet? Auch ich und jeder denkende Leser faßt es so wie Herr S p a tz auf und glaubt, daß ein Angreifer des in Nr. 38 enthaltenen Artikels doch wahrhaftig nicht hier in ernstem Sinne und kaltblütig von den „berüchtigten Lehrern" in Württemberg schreibt! Und Herr Spatz sieht einen schweren Mißgriff darin, die Redewendung zu gebrauchen, „gefetzestreue Rabbinen und gleichgesinnte Lehrer," woraus ein „nicht mlßzuverstehender Hinweis auf das Vorhandensein „Untreuer" ersichtlich. Der Ausdruck „Untreuer" sammt Gänsefüßchen ist von Herrn Spatz, später steigert er den Ausdruck zu „treulos", um auszurufen: Wir sollten - so indifferent sein, daß wir uns, ohne zu erröthen, für „berüchtigt" und „treulos" (Anführungszeichen ebenfalls von Herrn Spatz) erklären ließen! DaS kann kein Lehrer, kein Mann von Charakter im Ernst von uns verlangen. Ja. mein werther Herr Kollege, wo ist denn hier in den vorliegenden Artikeln von „treulosen" Lehrern die Rede? Wer anders findet das als Ihre Logik, um —rnnb imin rmsn — nun einmal soweit gekommen, in einen Entrüstungsruf auszubrechen. Also doch Entrüstung! — Und Sie rufen aus: (wegen der Scheidung der Rabbinen und Lehrer in Gefetzestreue und „Untreue") „Und das sollte nicht eine Gefahr für die Einheit und Einigkeit, der israelitischen . Lebrer sein!" Sie sagen hierauf (wegen der Redewendung von den Rabbinen „andere als Gesetzestreue kennen wir nicht") „der Ariikelschreiber läßt daS Odium der Grfetzesuntreue auf den Lehrern lasten und begeht damit ein Unrecht gegen die Lehrer, die sich durch Pflichttreue und ernste Religiosität ausreichnen." Gestatten Sie.