Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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' 1122 Sturm gegen uns los. Das Gesetz ist nicht gegen die Juden gerichtet; davon ‘ wird die nächste Zukunft Aeugenschaft geben " Dazu bemerkt die „Frankfurter Zeitung": Es sind das viel schöne Worte, die einer ernsten Kritik in vielen Punkten nicht Stand halten können. Als vor einigen Jahren der große Auswandererzug rumänischer Juden sich nach Ungarn wendete und man die Unglücklichen zurückexpedirte, da waren an der rumänischen Grenze Militär- und.Polizeiabtheilungen aufgestellt, welche die Rückkehr verhinderten. (Herr Sturdza redet außerdem immer so, als ob es sich nur um die Ertheilung politischer Rechte an die rumänischen Juden handele, während dieselben doch, wie wir oft genug im Einzelnen nachgewiesen haben, aus einem großen Theile bürgerlicher Geschäftszweige gesetzlich ausgeschlossen und außerdem mit Bezug auf die Schule den ärgsten Beschränkungen, unterworfen sind. D L n e m a r k. Kopenhagen, 1. Juli. Am vergangenen Sonntag konnte unser „Ez-Chajim-Verein" seine 25jährige Jubiläumsfeier begehen. Dieselbe wurde in einem größeren Festsaale hier abgehalten, als eine Vormittagsfeierlichkeit, zu der sich zahlreiche Gemeindemitglieder eingefunden hatten. Nachdem der Mitbegründer und Präses des Vereins, Herr Jos. M. Golds ch m i d t, einen Bericht über die Thätigkeit des Vereins durch die 25 Jahre abgestattet, bestieg Herr. Oberrabbiner S i m o n s o n die Kanzel, um in . einem längeren, hochinteressanten Vortrag über den weltbekannten dänischen Hebraisten und Schriftsteller N. H. Wessely auf den Umstand hinzuweisen, daß, falls er s. Zt. bei uns geblieben wäre, anstatt nach Deutschland zu gehen — der Verein wahrscheinlich ein LÄsjähriges Jubiläum feiern konnte, da sich schon ein solcher gleichen Namens unter seiner Leitung ge-, bildet hatte. Von all' dem Lehrreichen in diesem Vortrage unseres Ehrenmitgliedes auch nur einzelne Punkte hervorzuheben, wäre mir in der That unmöglich, schon wegen des großen Platzes, den eine derartige Mittheilung in Anspruch nähme. Das ganze Leben u. Wirken Wessely's, vorwiegend natürlich, als Schriftsteller — wurde uns vorgeführt, große, berühmte Zeitgenossen, ihr Wirken und ihr Einfluß aus ihn, sowie auch umgekehrt, in lebhaften Farben geschildert, und mit Begeisterung und Spannung wurde die geistreiche Abhandlung, die sicher im Druck erscheinen wird, angehört. Vor und nach diesen mündlichen Ausführungen der beiden Herren wurden unter Leitung unseres Chordirigenten von einem Herrenchor verschiedene Lieder von einer Kantate abgesungen, sowie ein hebräischer Gesang von unserem allbeliebten Chasan nebst Sologesang des Lerrn Albert Meuer vorgeiragen. . , Nachmittags erschien im Hause des Herrn I. Goldschmidt eine Deputation, um ihm als Anerkennung seines Wirkens Und Interesses für den Verein durch alle 25 Jahre eine Ehrengabe von den Mitgliedern zu überreichen, für die er tiefbewegt und mit Anwendung packender Erläuterungen aus Raschi dankte, bescheiden hervorhebend, wie wenig er jemals an solche Geschenke gedacht, und das Versprechen gebend, fortge-- setzt für das Gedeihen und Bestehen des Vereins wirken zu wollen. — Das schönste und beste Erinnerungszeichen des Tages erschien jedoch heute gerade am 26. Siwan, ein Sonderabdruck einer Abhandlung von Rabbiner Simonson, nämlich „Hebräischer Buchdruck in älterer und neuerer Zeit" — ein würdiges. Denkmal und eine würdige Arbeit des großen Gelehrten. Ph. C. R u ß l a n d. Riga. (Jüdische Privat-Lehranstalten.) Das Ministerium der Volksaufklärung hat in einem Circular an die Verwaltungen der Lehrbezirke die nachfolgende principiell wichtige Erklärung erlassen, welche für die russisch-jüdische Jugend von weithin- - gehender Bedeutung werden dürfte. „Die Lehrobrigkeit sei verpflichtet, bei der Durchsicht von Gesuchen um die Berechtigung der Eröffnung jüdischer Privatlehranstülten 1. und 2. Ordnung ein jedes Mal unbedingt an eine Beurtheilung der Frage zu schreiten, ob eine dringende Notwendigkeit zur . Errichtung der nachgesuchten Lehranstalten an dem betr. Orte fühlbar ist. Wenn es sich nach allseitiger Beurtheilung dieser Frage z. B. erweisen würde, daß am betr. Orte das Contingent jüdischer schulaltriger Kinder bedeutend ist, wobei diese Kinder wegen der prozentuellen Einschränkung der Aufnahme in die allgemeinen Lehranstalten, anläßlich der Ueberfüllung der letzteren die nöthige Bildung nicht erhalten können, und, wenn es außerdem für zweckentsprechend erkannt würde, daß am bezeichneten Orte eine jüdische Privatschule an eben dieser Ordnung eröffnet werde, so sind Gesuche von Personen mosaischer Konfession in ähnlichen Fällen zu bewilligen, allerdings bei der Bedingung, daß diese Personen vollends denjenigen Anforderungen entsprechen sollen, die zu diesem Zwecke an die christlichen Inhaber und Inhaberinnen der privaten Lehranstalten gestellt werden." Aehnliche Gesuche sind in den letzten Jahren vom Unterrichtsministerium abschlägig befchieden worden. vermischtes. Neutra lUngarn). Am 24. Siwan mar in hiesiger rran*D"Er ein Sijum auf &ora 822 'DD. Die dabei veranstaltete Feier verlief bis spät in der Nacht in gehobenster Stimmung; viel nnaa und mann würzten das Fest.