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Der Israelit · 1902-07-03 · Heft 53 (3.7.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 53 (3.7.1902)
Date
1902-07-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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t'- f: ^rrr 1123 ■5 i-!k N e u i 11 e t o tu W hm Tllgeblilhe eines Zchur's. Von P. Jacob-Kohn. lö Ich fange mit dem Dienstag an, weil ich an diesem Tage auch mit dem Effen den Anfang machte. Ich esse an diesem Tage, wie schon erwähnt, bei Reb Lemel Rosenzweig. Er hat einen Spezereiladen und soll sehr wohlhabend — und, wie Manche behaupten, sehr reich sein. Man merkt aber weder das Eine, noch das Andere; weder in seinem Auftreten, noch in seinem Hause, am wenigsten aber beim Effen. Er ist ein kleines Männchen mit einem großen Buckel und scheint sehr tüchtig zu sein. Doch das Vergeben eines Kosttages fällt nicht in sein Reffort, sondern in das seiner Ehehälfte, und diese ist es, von der hier eigentlich die Rede sein muß. Im Gegensätze zu ihrem Manne ist Frau Blume — so heißt sie — sehr groß, und ich kann es daher durchaus nicht verstehen, wie ihr Mann ste „Blümele" (Blümchen) nennen kann. Wenn sie neben demselben hinter dem Pulte steht, muß ich oft an„Ohre (Aron) Böhm", unseren Synagogendiener, denken, der sich für das Laubhüttenfestt stets den größten Lulow und den allerkleinsten Esrog aussuchte. Er behauvtet nämlich, daß Gott, indem Er uns diese Mizwoh geboten, uns lehren soll, mit dem Kleinen eine Verbindung einzugehen, und um diesen Gedanken besser demonstriren zu können, sei es lobenswerth, den Esrog von den Kleinsten und den Lulow von den Längsten zu wählen. Wenn der „krumme Ohre" — so wird er wegen seines hinkenden Ganges genannt — ein ungleiches Paar sieht, so lächelt er stillvergnügt vor sich hin und den ersten Besten, dem er begegnet, bei der Hand nehmend, ruft er er laut: „Siehst 'e, so will es Gott haben: E' langer Lulev mit e kleinen Eßrog!" Uebrigens scheint auch Reb Lem, abgesehen von den andern guten Eigenschaften, die er bei seiner Frau vermuthet, auch mit deren Körperlänge recht zufrieden zu sein und noch heute auf seine Wahl recht stolz zu sein. Es ist ihly aber auch gar nicht zu verdenken. Denn die annormale Länge seiner Frau, die mit ihren ausgestreckten Händen den nicht sehr hohen Plafond erreicht, kommt ihm sehr zu statten, indem er sich Dinge, die er nur mit Hilfe einer Leiter herunterzuholen vermöchte, durch seine Frau herunterreichen läßt. Da dies aber in seinem gutgehenden Geschäfte sehr oft nöthig ist, und seine Frau nicht immer in demselben anwesend ist, so kann man ihn oft hören, wie er mit seiner quiekenden Stimme ruft: „Sei e so gut. Blümele und komm' heraus,. Dü müßt mir eppes herunter nehme!" Jst's eine gute Kundin, die diesen Ruf verursacht, so kommt Frau Blume mit einem süßen Lächeln auf den Lippen in's Geschäft, grüßt freundlich, plaudert ein wenig und. holt schließlich, mit dem zufriedensten Ausdruck' in Mienen und Geberden, den verlangten Gegenstand herunter. Wehe aber, wenn die Person, der Frau; Blume diese Störung ihrer häuslichen Wirthschastsangelegenheiten verdankt, keine stabile oder ein auf Borg _ 7 einkaufender Kunde ist! Abgesehen von den zorn- ' sprühenden Augen, die allein schon geeignet sind, ein . . schwaches Gemüth in die Flucht zu jagen und von den, 7 . laut genug, um gehört zu werden, unfeinen Worten, die'' :. Frau Blume mit sich allein spricht,, bekommt der Käuser oder die Käuferin in Begleitung des im -größten Zorne hingeworfenen Gegenstandes auch noch die Worte zu Horen: „Sieh' wie nethig (eilig) er (oder sie) es hat! Sie hätten noch e bis'! warten können.: E.andersmal kommen Sie, wenn ich im Geschäft bin und stören mich nicht in der besten Arbeit!" - - 7.?7 ■ Eigentlich gehört dies gar nicht hierher und ich . habe es auch nur darum ausgezeichnet, damit, wenn Jemand einst diese Blätter durchlesen und sich über den > unzarten Empfang, den mir Frau Blume zuthei! werden ließ, ärgern sollte, er nicht meinen möge, daß diese Frau nur mir, oder überhaupt den Bachurim gegenüber so barsch gewesen sei. Es liegt diese Barschheit in ihrer. Natur und nur dort, wo ihr ein Vortheil winkt, weiß sie die Maske der größten Freundlichkeit vorzunehmen.: Himmel! war das ein Empfang, mit dem mir Frau Blume aufwartete! Ich hatte, wie die meisten Bachurim, im Beth-Hamidrasch das.Morgengebet verrichtet. Nichts Böses ahnend, ging ich um halb Neun zum Frühstück. Ich wollte nicht durch das Geschäft, wo viel zu thun war, gehen und trat durch die Hofthüre in's;' Zimmer. Dort war Alles noch in größter Unordnung. 7 Ein Bett, welches sich darin befand, stand noch offene das Frühstücksgeschirr stand noch schmutzig auf dem? Tische und unter dem Tisch lagen in einer Kasfeelache die Scherben einer zerbrochenen Tasse. Als ich eintrat, war Niemand im Zimmer und ich blieb ruhig : bei der . Thüre stehen. Eine Viertelstunde mochte ich schon gewartet haben, da öffnete sich endlich die Thüre, die voni?7 Laden in das Zimmer führte, und Frau Blume trat? ein. Ich riß rasch meinen Hut vom Kopfe und grüßte freundlich. Aber ich hatte meinen Gruß noch nicht vollendet, da kam die Frau auf mich armen Teufel zugesprungen und ließ ein Donnertvetter los, wie ich es in meinem Leben nie gehört habe und auch nie wieder hören will. - - , A7\: / „Sein Sie endlich scho e'mal doi?!" keiftesie.,. „Wer bei mir frihsticken will, muß friher aufstehen! Siebenschläfer kenn ich nicht brauchen!" . - ' „Entschuldigen Sie, Frau Rosenzweig," wagte ich > zu sagen. „Ich bin erst jetzt mit dem Mvrgengebet fertig geworden."

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