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Der Israelit · 1902-07-03 · Heft 53 (3.7.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 53 (3.7.1902)
Date
1902-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1120 wurden die aus scheidenden Mitglieder Reichstagsabgeordneter Peter Paul Cahensly (Limburg a. Lahn) und Fürst Hohenlohe-Oehringen wiedergewählt. Berlin, 29. Juni. (Zur Sch 8 chtfrage.) Drr Minister von Hammerstein erklärte am 16. Juni im Abgeordnetenhause, es sei ein Gesetz über Schlachthäuser in Vorbereitung, und dieses werde voraussichtlich dem Hause schon in der nächsten Session vorgelegt werden. Es ist nothwendig, daß von den Gemeinden, in welchen das Schächten eingeschränkt ist, wie in Rheydt, Angermünde, Bütow, Petitionen an den Minister gehen, daß in das Gesetz die Bestimmung ausgenommen werde, nach welcher in Gemeinden, welche das staatlich zugelassene rituelle Schächten in ihren Schlachthäusern verbieten oder einschränken, der Schlachthauszwang für die Israeliten aufgehoben ist und ihnen gestattet ist. in den Behausungen der Metzger zu schächten. Wir machen schon jetzt alle jüdischen Eorporationen, Vereinigungen, Verbände u. s. w.. zu deren Wirkungskreis die Obsorge für die Aufrechterhaltung des rituellen Schächtens gehört, auf diese hoch wichtige Sache aufmerksam. Es ist nothwendig, hier einzuschreiten, ehe es zu spät ist. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" versendet soeben Nr. 16 der „Mittheilungen" an die Vereinsmitglieder. Dieselben haben folgenden Inhalt:; Die vom großh. badischen Oberrath der Israeliten geplante Abänderung der Tephilla. — Vereinsnachrichien. — Gutachten des Herrn Prof. E. von Bergmann über das Meziza-Glasröhrchen. — Ueberstcht über die im Jahre 1901 von der Vereinigung gewährten Subventionen. — Spendenverzeichniß. — An den ersten Aufsatz knüpft der Vorstand folgende Bemerkung: „Von bewährter Seite wurde uns diese Darlegung mit dem Ersuchen um Aufnahme in unsere „Mittheilungen" eingesandt. Im Hinblick auf den die Interessen des gcsetzestreuen Judenthums tief berührenden Ernst der hier besprochenen Angelegenheit entsprechen wir gerne diesem Wunsche, in der Hoffnung, daß es den gesetzestreuen Kreisen in Baden gelingen werde, ein Abstehen des Oberraths von dem Oer in seiner ernsten Tragweite besprochenen Vorhaben zu erwirken.* In unserer Artikelserie „die Einheit des Gebetbuchs" haben wir uns bereits auch mit der Angelegenheit beschäftigt und kommen noch weiter darauf zurück. Chbtkuhnen, 30. Juni. In der gestrigen Sitzung .. .der hiesigen Synagogengemeinde ehrte die Versammlung das Andenken des am 3. Juni zu Frankfurt a. M. verstorbenen ersten Kultusbeamten. Rabbiners Gottlieb. . durch Erheben von. ihren Sitzen. Alsdann wird einstimmig beschlossen, der Wittwe Gottlieb, damit sie sich in ihren Verhältnissen rangiren könne, bis zum 1. April 1903 den vollen Gehalt (monatl. 200 Mk.), abzüglich Mk. 200 für vertretungsweise ertheilten Religionsunterricht an den Herrn Kultusbeamten Jaffe, und vom 1. April 1903 bis 1. April 1906 je 660 Mk. jährlich . unter der Bedingung zu zahlen, daß Frau G. in einem anderen Orte ihren Wohnsitz nimmt. Frau G. erhalt noch aus zwei Hilfskaffen dauernd 6Ä> Mk.. ihr in Königsberg das Gymnasium besuchender Sohn au4 einem Fonds 600 Mk. jährlich. Mit dem Absterben des Herrn Gottlieb war auch für unsere Gemeinde der mit demselben geschlossene Kontrakt erloschen. Von einer neuen Besetzung der Stelle bis zum 1. Avril 1902 wurde Abstand genommen. Eduard'Segall. Darmstabt, 2. Juli. (DerAntrag Backes vor dem Plenum der Hessischen ll. Kammer.) Nachdem der erste Ausschuß vor 14 i Tagen den Antrag Backes — wonach die Großh. Regierung um zeitgemäße Regelung der Ausbildung, An- . stellung und Besoldung der israelitischen Religionslehrer in Hessen ersucht wird — berathen und nach zustimmender Erklärung seitens der Regierung angenommen hatte, gelangte derselbe gestern vor das Plenum der Zweiten Kammer. - In Anbetracht der vorgerückten Zeit ergreift der Abg. Backes das Wort zu einer kurzen Begründung und wünscht in Bezug auf die Dringlichkeit und Wichtigkeit der Sache, daß sein Antrag im hohen Hause dieselbe wohlwollende Aufnahme finden möge, wie es im Ausschuß geschehen ist. Abg. M o l t h a n (Mainz) ist mit dem Antrag durchaus einverstanden, wünscht jedoch, daß zu den Kosten seiner Durchführung alle Israeliten des Landes, nicht nur die einer Religionsgemeinde zugehörigen, herangezogen werden sollen. Abg. Köhler (Langsdorf, Antisemit) macht seine Zustimmung zum Antrag B. von einer vörheriaen amtlichen Untersuchung des Talmud abhängig. Er beruft sich auf das diesbezügliche Beispiel Rußlands und vroducirt einige aus dem berüchtigten Machwerk'des F 8 lschers Rohl i n g entnommene, bereits hinreichend gewürdiate Citate. Ein Orientalist von der Gießen» Universität, ..der doch nicht viel zu thun habe," solle mit der Prüfung beauftragt werden. Diese Ausführungen des Abg. Köhler werden mit sichtlicher Heiterkeit, sowohl bei den Mitgliedern des Hauses, als auch am Regierungstisch ausgenommen. . Derd II. Präsident (Abg. Schmitt-Mainz) schließt die Debatte und schreitet zur Abstimmung. Das Resultat derselben ist: Der Antrag Backes wird mit allen gegen vier Stimmen (die Antisemiten Köhler-Langsdorf,

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