Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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freie Erfindungskraft vereinte, mit der er eine' jüdische Geschichte sich erfand, die seine Leser zur eigenen Feindschaft gegen Talmud und Tradition überreden sollte. Hier liegt der Fehler, man hätte manch' dringende Aufgabe gegen die noch dringendere zurückstellen sollen, unserem zeitgenöff. Publikum mit dem erwachten Sinne für das Geschichtliche eine wahre Geschichte unserer glorreichen Vergangenheit in die Hände zu geben. Der Umstand, daß die Ausführungen eines Grätz auf die Ueberzeugungen der klar denkenden führenden Männer nach keiner Seite Einfluß haben konnte, ließ dieselben wohl dieGefahren übersehen, die daraus denen erwachsen konnten, welchen ihr Blick und ihr Wissen mangelte. Bezüglich der Orthodoxie wagte es Elbogen zu sprechen von einem „eigentümlichen System der Versteinerung, das sie in Deutschland sich schuf." Wir stehen in der Zeit, verstehen die Zeit, leben mit der Zeit auf dem Boden der für alle Zeiten gegebenen, ewig lebendigen Thora. Der Vorwurf der Versteinerung fällt in seiner ganzen Schwere auf die Reform zurück. Als sie am Anfang des vorigen Jahrhunderts den Boden des wahren Judenthums verließ, glaubte sie mit Orgelspiel, deutschem und gekürztem Gebet, Confirmation und Nachahmung anderer christlicher Gebräuche der Zeitströmung zu schmeicheln und das Publikum, wenn auch nicht dem Judenthum, so doch der Synagoge zu gewinnen. Die Wirkungslosigkeit der Reformen zeigte sich bald; doch „das eigenthümliche System der Versteinerung, das sie in Deutschland sich schuf," brachte es mit sich, daß man gedankenlos allenthalben in den ziemlich gleichmäßig uniformirten Orgelsynagogen bis auf den heutigen Tag die gar schnell veralteten, zwecklosen Reformen beibehalten hat. Auch auf dem Gebiete der Geschichtswissenschaft zeigt sich die Versteinerung darin, daß es heute, bald 50 Jahre seit Abfassung seiner Geschichte, noch viele Vertreter der Reform giebt. die sich über völlig überholte- Ansichten von Grätz nicht erheben können, und die sich bei Angriffen auf diesen Kirchenvater der Reform so erregen, wie es Herr Elbogen jetzt geihän. Diese Versteinerung bringt es auch mit sich, daß man in den berechtigten Angriffen eines bewundernswerthen Geschichtsbuches gegen Grätz, „das Attentat, welches es gegen die wissenschaftliche Forschung zu verüben sucht", sieht. Das Grätz'sche Geschichtswerk ist eben manch n Leuten die wissenschaftliche Forschung, auf diesem Gebiet. Alles verstehen, heißt Alles verzeihen. Verzeihen wir Herrn Elbogen seine ungebührlichen Angriffe auf einen der größten jüdischen Historiker unserer Zeit, sehen wir es ihm nach, daß er zu verzweifelten und unerlaubten Mitteln greift, um seinen Heros zu vertheidigen. Die ihm anerzogene Verachtung der Orthodoxie und die seit Jahren gewohnte Ueberschätzung der talmudfeindlichen Geschichtsschreiber hat seinen Blick getrübt und 1119 es mit sich gebracht, daß er mit dem Fanatismus eines bäuerlichen Kämpfers für einen entthronten Usurpator in die Schranken getreten ist.. ZeiLrmgsrrachriHleu urrd Esrresp<md«»re«. Deutschland. Berlin, 29. Jüni. (Repräsentanten- Sitzung.) Die letztwillige Zuwendung der Eheleute Williams und Amalie Schönlank zum Zwecke der Grabeserhaltung wird angenommen. Herr Dr. Edmund Lachmann hat in hochherziger Weise zum Andenken an seine verstorbene Gattin dem zweiten. Waisenhause in Pankow 20,000 Mark geschenkt Für dasselbe Institut hat Frau Henriette Maaß, geb. Lachmann, eine Zuwendung von 5000 Mk. gemacht, welche dazu dienen soll, jüdischen Handwerkern, welche Zöglinge der Anstalt gewesen, bei Gründung einer Exillenz Hilfe zu leisten. Zur Anschaffung von Exemplaren der Äuerbach'schen Bibel, welche von Herrn Rabbiner Dr. . Maybaum und Herrn Seminardirektor Dr. Holzmann neu edirt werden soll, wird eine bestimmte Summe bewilligt, welche nur bedürftigen Schülern zu Gute kommt. Durch das energische Eintreten der Herren Repräsentanten Dr. Cohn und Aron Hirsch erhält der Vildungsverein Montefiore eine Zulage von 100 Mk., so daß er jetzt statt 300 Mk. 400 Mk. jährliche Subvention erhält. - Es folgen Rechnungsabschlüsse betreffend die diesjährige Beschaffung und Vertheilung von Mazzoth, die . Speisung Gefangener, die Speisung von Soldaten, welche sämmtlich dechargirt werden. Herr Fabrikbesitzer Aron Hirsch wird als Mitglied in den Vorstand der Synagoge Kaiferstraße gewählt; Herr Moritz Bloch in die Kommission für die Friedhofsangelegenheiten. Und nun wünschen wir unseren Gemeindevertreiern vergnügte Ferien! E.R. Berlin, 1. Juli. (Deutsche Palä st i n a - Bank.) In der heutigen Generalversammlung wurde der Abschluß für 1901 genehmigt und die Dividende auf 5 pCt. festgesetzt. Der Bruttogewinn betrug ein-; schließlich des Vortrages aus 1900 von 4592 Mk. 93,830 Mk, der Reingewinn 43,195 Mk. . Auf Debitoren werden 16,053 Mk» abgeschrieben. Von der im Jahre 1900 beschlossenen Kapitalserhöhung ist im laufenden Jahre in der Weise Gebrauch gemacht worden, daß das bisherige Kapital von 450,000 Mk. auf 800,000 Mk. erhöht worden ist. Nach den bisher vorliegenden Resultaten dürfte nach Ansicht der Ver- . waltung auch für 1902 rin ähnliches Ergebniß zu er-. - warten sein wie für 3901. In den Aufsichtsrath ___IIJLUi-U,l 1.1 .1.J.J.