Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1118 sein und den weiteren geschichtlichen Darstellungen . wunderer zu erwerben, scndern ohne Rücksicht auf von Grätz mit dem größten Mißtrauen entgegentreten, sicher zu erwartende heftige Angriffe der wiffenschast- Man glaubte damals, damit genug gethan zu haben, lichen Welt zeigte, daß man in der jüdischen Ge- Jn der That erkannte man bald in vielen Kreisen die schichte werthvolle Resultate erst dann erhalten kann, Geschichte der Juden von Grätz als ein Merk. in.welchem wenn man die falschen Ansichten, die bis setzt verbreitet man wohl anziehende Darstellungen finden kann, worin waren, in ihrer ganzen Armseligkeit klar und unaber die Dichtung der Wahrheit ' gegenüber außerwiderleglich darlegt. Das Werk Halevy's wäre anordentlich überwiegt. Doch Grätz hatte viele Schüler, ziehender für die Lektüre geworden, wenn es nicht für die einen großen Theil der Rabbinersihe Deutschlands die Zurückweisung älterer Forscher soviel Raum übrig und Oesterreichs einnahmen; diese verbreiteten in den! hätte; es hätte dann über, keinen festen Boden unter Gemeinden den Ruhm ihres Meisters. Und die Gesich gehabt und vielen Augen hätte das ganze Gemeindemitglieder, zum größten Theil außer Stande, bäude als nicht wetterfest erscheinen müssen.- Wenn die kritische Sonde an das Gelesene zu legen, ließen! das Unkraut nicht ausgerodet wird, kann der Landstch von der schönen Form gefangen nehmen, und bald mann nicht auf gute Ernte' hoffen, wer auf. galt allenthalben, was immer der Grätz'sche Gesumpfigen Boden bauen will, muß sein Fundament schichtsroman erzählt, als unumstößliche geschichtliche durch Einrammen befestigen. Wenn die Alten ein- Wahrheit. Hervorragende Gelehrte der entgegenreißen, so ist das aufbauen. gesetztesten Richtungen wetterten von ihren Kathedern Ich weiß es, daß nicht alle 'Bewunderer Halevy's herab oder in ihren Büchern gegen. Grätz, ließn sich selbst meine Ansicht, betr. der Nothioendigkeit der eingehenden aber bei Epochen, J die nicht zu ihrem eigenen Kritik der Ansichten seiner Vorgänger theilen, aber ich Forschungsgebiete gehörten, vom Vorurtheil für diesen weiß auch, daß eine Reihe von Männern, deren Name in Geschichtsschreiber gefangen nehmen, und während sie der wissenschaflichen Welt Hellen Klang hat, einstimmig den einen Theil des Geschichtswerkes heftig tadelten, sind in der hohen Bewerthung des Dorot Harischonim. nahmen sie blindlings als wahr an, was in den an-! Es gehört zu. den Entstellungen Elbogen's, zu bederen Theilen geboten wurde. Zu Grätz kam dann I haupten, daß nur von orthodoxer Seite aus das Lob noch Weiß, dem es gelang, auf dem von Grätz vorbe-! dieses Werkes verkündet wurde. Gedruckt -und gereiteten Böden zu den alten Jrrthümern neue zu fügen, schrieben haben wir schöne Worte von Männern selbst Das hebräisch geschriebene Werk über die Geschichte der extremer religiöser Richtung gelesen, die der hohen Tradition von Weiß drang über die Grenzen Deutsch- Bedeutung der Forschungen Halevy's vollkommen gelands in die östlichen Länder und verwirrte auch dort! recht wurden^ Sein Vorwurf, warum von orthodoxer die Sinne an der Seite der hebr. llebersetzung der Ge- Seite aus Grätz und Weiß nicht vorher schon widerschichte von Grätz. Kritiklos, wie diese Geschichtsdarstellegt wurden, erledigt sich, wie oben gezeigt, damit, daß lungen ausgenommen, ebenso vertrauensvoll wurden man sich des . Unwerths und der Unwahrheit sie ausgeschrieben, Geschichtsbücher für die Schulen und großer Parthien in den Schriften dieser Männer wohl Familien zusammengestellt, welche geschichtliche Ereigbewußt, war, daß aber bei der Fülle der Amtspflichten, niste erzählten, die zum größten Theil sich in den Köpfen die gerade unsere Zeit den orthodoxen Rabbinern aufder Historiker ganz anders malten, als sie in Wirklich- I legt und die häufig noch durch den aufgezwungenen keit vor sich gegangen. Ohnmächtig standen die Kampf gegen die Reform vermehrt werden, daß bei der Freunde der Wahrheit diesem Treiben gegenüber, so gering bemessenen Zeit unserer Gelehrten für Pub- Grätz war bewundert worden, weil er auf Grund likationen sich Niemand an die große und zeitraubende spärlicher Quellen eine umfangreiche volksthümliche! Arbeit wagte, zuerst die Jrrthümer Andererzu be- Geschichte geschrieben hatte. In . keinem Vergleich! fettigen, um dann auf dem neu wiedergewonnenen . schwieriger erschien es jetzt, nachdem diese Quellen ge- Terrain das Ganze von vorn wieder zu beginnen, trübt und verfälscht waren, wieder lauteres, klares! Man überließ Grätz und Weiß sich selbst und vertraute Wasser aus ihnen zu schöpfen. Man sah, daß es un-! der Zeit, in deren Verlauf ihr Nimbus bald verblassen sägliche Mühe kosten würde,- den Weg zur Wahrheit würde. - In der Gelehrtenwelt, das merkte man, war zurück zu finden und die berufenen Gelehrten, denen Grätz bckld erkannt worden, und bezüglich des Publi- Amtspflichten nicht allzuviel Zeit für geschichtliche I kums. — unterschätzte man die Gefahren, die aus der Forschungen übrig ließen, wagten sich nicht an die Lektüre einer tendenziös färbenden und fälschenden Gefreudlose Arbeit, durch Ausreißen des Unkrauts, das! schichte entstehen konnten. Wenn man uns einen Bor- Andere grotzgezogen hatten, ein bestellbares Arbeitsfeld I Wurf machen will, so kann man hier und nur hier einzu schaffen.! setzen. Man verkannte die Gefahren,' die von Grätz' Herrn Halevy schulden wir vor Allem dafür Dank,! Büchern drohten. man übersah, daß kein Reformheld daß er sich nicht damit begnügte, durch .Mittheilung 1 den Massen gefährlicher war, als der Mann, welcher mit seiner kostbaren neuen Funde Freunde und Brder fesselnden Sprache des Romandichlers auch die