Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43. Jahrgang. M SS. EenLrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von . . Dr. in Haittf. Dorrrrerstag, de« 3. Juli SSS2 (1902). Eine Bauernschlacht. Von Rabbiner Dr. Vorrdl. IV. Mainz, 2. Juli. In seinen! Artikel „Die neueste Construktion der jüdischen Geschichte" bekämpft Dr. I. Elbogen auf 46 Seiten eine Reihe von Resultaten, zu denen Halevy in dem zurest erschienenen dritten Bande seines Dorot Harischonim gelangt ist. Wie die Proben, .welche wir von der Angriffsweise und von der Gründlichkeit "des^ Kritikers gegeben haben, hinreichend zeigen, darf das ganze Elaborat auf wissenschaftliche Beachtung keinerlei Ansprüche machen. Auffallend muß es nur erscheinen, daß dieser Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift Aufnahme finden konnte. Es würde zu weit führen, wollten wir alle Angriffspunkte durchgehen und dann auf die einfache Weise, daß wir das Dorot Harischonim selbst aufschlagen und das, was dort wirklich steht, mit dem vergleichen, was Elbogen unserem Autor zuschreibt, die Entstellungen als das. was sie sind, kennzeichnen. Durch die bisherigen Darlegungen glauben wir jeden verständigen Leser dvvon überzeugt zu haben, daß man den Ausführungen Elbogen's, so hochfahrend und anmaßend sein Ton . auch ist, nicht eher trauen darf, als bis mar. deren Bestätigung bei aufmerksamer Lektüre des angegriffenen Werkes selbst gesunden hat. Auf das Eine oder Andere werden wir wohl noch hier oder an anderer Stelle zurückkommen; für den Augenblick wird man es uns nicht verübeln, wenn wir damit aufhören, zu beweisen, daß Diamanten werthvolle Steine sind, während ein Böswilliger oder ein Kind sie als gleichgiltige Glassplitter ansehen will. Wir haben jetzt noch mit Herrn Elbogen einige Worte in einer anderen Sache zu wechseln. Die beiden letzten Seiten seines Aufsatzes widmet Herr Elbogen \ \ ' W ■•vo den bösen Orthodoxen, die Halevy's „Meisterwerk" als solches gepriesen haben. A^s mich betrifft, so werde ich stets stolz darauf sein und es als einen großen Glücksfall bezeichnen, daß es mir beschieden war, als Einer der Ersten auf das Dorot Harischonim aufmerksam gemacht zu haben. Als mir nach dem Erscheinen das Werk vom Buchhändler zugesandt wurde, kannte ich Halevy noch nicht einmal dem Namen nach. Die Lektüre weniger Seiten schon machte mich zum dankbaren Freunde und Bewunderer dieses hervorragenden Mannes. Denn die Wahrheitsliebe, der Ernst, der bewundernswe rthe historische.Blick und das. liefe Wissen des Autors leuchtet dem unbefangenen Leser aus allen Ausführungen des Buches entgegen. Mit dem freudigen Rufe „die Wissenschaft kehrt um" begrüßte ich in einigen Artikeln dieser Zeitschrift den Mann, der die ungeheure Arbeit auf sich genommen hatte, das Gebiet der jüdischen Geschichtswissenschaft von dem dichten Dornengestrüpp zu reinigen, das dort emporgekommen war und den freien Blick des Forschers hemmen mußte. So sehr ich nämlich die positiven.Resultate Halevy's bewundere, so sehe ich ein noch größeres Verdienst um die Wissenschaft darin, daß er durch die Widerlegungen, besonders die eines Grätz und Weiß, versuchte, die großen Schäden zu beseitigen, die durch die phantasievollen, leichtfertigen und tendenziösen Arbeiten bekannter Forscher, der Auffassung und Darstellung der jüd. Geschichte beigebracht waren. Auf dem Gebiet der talmudifchen Geschichte vor Allem, das den Feinden des überlieferten Judenthum einen Tummelplatz für tendenziöse Anklagen und Entstellungen bot, wucherte das Unkraut so hoch, daß an ein aussichtsvolles Bestellen des Feldes nicht zu denken war. Als der erste Band Grätz erschienen war, rief der unvergeßliche Rabbiner Hirsch dem Autor in zwölf herrlichen Artikeln, die zwölf unwiderleglich schwere Anklagen bilden, ein donnerndes Halt zu. Jeder Leser jener Aufsätze, soweit er nicht zu dem befangenen Breslauer Kreise gehörte, mußte von ihrer Wahrheit überzeugt