Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1902)
- Date
- 1902-06-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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K t u t l o - ] W hm TsBHe eisrs schsr's. Von P. Jaeob-Kohn. u . 26. September18.. Heute ist Freitag. Ich komme soeben vom „Verhör" (Prüfung) heim ü. bin noch viel zu aufgeregt, um viel schreiben zu können. Ich muß mich bei der, Schilderung dieser Verhörs ganz kurz fasten und will vor allem bemerken, daß ich dasselbe gut bestanden habe. Schon gestern Nachmittags machte sich unter den Bachurim eine fieberhafte Thätigkeit bemerkbar und wer gestern oder heute durch die Straßen ging, die sonst von Bachurim wimmeln und die man selten so ganz leer fand, der hätte — wenn er nicht schon von früher den wirklichen Grund gewußt — gewiß gemeint,, die Jeschiwah habe sich plötzlich aufgelöst und die Bachurim hätten den Ort verlassen. Daß dies nicht der Fall war, davon mußte einem jedoch schon der „Gemoroh-Nigun,"1) der aus den Fenstern vernehmbar war, belehren. Es galt nur, sich zum ersten Neben-Schiur-Verhör vorzubereiten, und da gab's für jeden Bachur, ob alt oder neu, genug zu thun. Kein einziger will zu diesem Verhöre unvorbereitet erscheinen,, um sich der Schande des Nichtskönnens nicht auszufetzen, neue Bachurim schon gar nicht; denn'Niemand möchte die erste Gelegenheit, wo er seine Fähigkeiten entfalten und sich die Gunst des Rabbis gewinnen könnte, unbenutzt vorüber gehen lasten; aber auch die alten Bachurim und selbst diejenigen, die sonst nicht fleißig sind, bestreben sich, zu diesem Verhör gut vorbereitet zu kommen, damit sie sich nicht vor den Augen der Neuen einer Beschämung ausfAen. Auch wir hatten viel zu thun. Alles, was wir während der Woche gelernt hätten, mußte im Beisein unseres Chaser-Vochers vorerst einigemal inwendig wiederholt, um dann auswendig gelernt zu werden, wovon sich unser Bocher durch eine Vorprüfung, die heute Morgens stattfand, überzeugte, um uns, nachdem er uns noch einige übliche Verhaltungsmaßregeln, wie z. B. nicht zu erschrecken und recht laut mitzuschreien, mitgegeben, zum Verhör zu schicken. Es ist ein eigenartiges Schauspielerin solches Verhör. Man denke sich einen 120 Quadratmeter großen Raum, wie es unser . Beth-Hamidrasch ist. Lange vor der um 11 Uhr festgesetzten Zeit des Verhörs wogt eine Menge Bachurim auf und ab, die durch dir schaarenweise heranziehenden Bachurim stets größer wird. ES wäre ein ergiebiges Feld, eine wahre Fundgrube für einen Psychologen, einmal einen Blick in ein solches Beth-Hamidrasch zu werfen.' Er könnte hier alle Ge-. *) ES iü üblich beim Gcmarah'Lernen eine besondere SBeto» mmg zu machen. '7; ' V müthsstimmungen, von der nervösesten Unruhe bis zur? " größten Sicherheit, in den Mienen der dort Versammele ten ausgedrückt finden. In allen Farben-Nüancen ' macht sich die Angst vor den. kommenden -Dingen ^be- L merkbar. - •' < -: Je nach dem Naturell der Bachurim^- nndwelche pü Wirkung die Angst bei.ihnen hervorbringt, ) kann -mäni^ todesbleiche und feuerrothe Gesichter sehen. Bei den/ Ä-, meisten kann man nach der Art und Weise ihres Auf^/^ tretens entnehmen, wie weit sie sich auf ihre Kenntnisse! stützen können, oder vom Zufall Mehr als von diesen erwarten. Viele gehen allein im Beth-Hamidrasch aüf?H und ab, in Gedanken oder auch laut schreiend/ das Ge^M lernte nochmals durchnehmend. Andere wieder stellen!^ sich in Gruppen zusammen, disputiren heftig-miteinan>M der, indem Jeder in der strittigen Stelle seine .Erklärung für gut anerkannt sehen möchte. Es,ist. eiw' Lärm, in dem man kaum sein eigenes Wort, hören kannA und dieser Lärm wird umso stärker, je mehr Bachurirw G hinzukommen. ' Plötzlich kommt ein Bachur mit dem Rufe:/.Der-W Rebbe kommt!" in den Raum gestürzt, der lebhafte DtsM-' put wird abgebrochen, um einem hundertstimmigen: „St.! St.!" PÄtz-zu machen. Nachdem man si^h: in deA darauf folgenden und nur wenige Minuten anhaltenden?-' Stille überzeugt hat, daß es nur ein von einem. gut?;n~ gelaunten Bachur abgefeuerter Schreckschuß, war, be- " ginnt der Lärm von Neuem, um bald darauf durch . einen ähnlichen Ruf wieder aufzuhören'. Allmähliche gewöhnt man sich, auf diese Rufe nicht mehr zu achtechH und so kommt es, daß der Rabbi, wenn er'Punkt elf- - Uhr in das Beth-Hamidrasch cintritt, einen ohren-. k zerreißenden Lärm antrifft, der sich erst dann legtwenn 7?) ihn die Vachuirm auf-dem in der Mitte stehenden' Al-^^ memor erblickt haben. ' Eine minutenlange Stille.- fylgt^; während welcher der Rabbi die Gemärah aufschlägt, e-r - Hierauf nimmt der Hausbachur.derbeim.RabbiE auf dem Almemor steht, ein Büch herdor^aus HeNer die Namen der Bachurim mit laüter Stimme vörliest.' ' um sich'zu überzeugen, ob Niemand fehle.undesmußL daher jeder Bachur. dessen Name vorgelesen wird, seine?? Anwesenheit durch ein lautes: „Deu!" (da) ..bestätigen^' Hie und da kommt es vor, daß einer .,hier!" rüft, was eine Lachsalve zur Folge hat. 1- -- -- 7-.- Nachdem dies geschehen ist, beginnt das eigentliche Verhör, und der Lärm fängt — wenn dies möglich -— in verstärktem Matzstabe von Neuem an. Jeder will zeigen, was er kann und statt des Einen, der vom Rabbl gefragt wird, schreien und antworten aiC. *' Der Rabbi scheint diese Gewohnheit'der Bachurim F - schon zu kennen und weiß wahrscheinlich, daß alle Bemühungen, sie zum Schweigen zu bringen, vergeben- - wären und er läßt sie daher ungehindert mitschreiem ' Nur manchmal, wenn er merkt, daß der Gefragte um die Antwort verlegen ist, währt er die lästigen . Schreier 5 -