Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1902)
- Date
- 1902-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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verfechten. Der obige Antrag wurde schließlich in der -Fassung . angenommen, ' daß der Vorstand unter Zuziehung-.einer eigens dazu gewählten Agitations-Kommission von. sieben Mitgliedern beauftragt wurde, durch Wort und Schrift für die Chebroh Kadischoh Propaganda zu machem 7; Nach einer kleinen Pause folgte der sehr lehrreicht * Vortrag des Herrn Dr. L i ch t e n st e i n aus . Neuwied über das Thema: Mirthschaftliche Verbände im Judenthum." Der litterarifch sehr befähigte Redner entwarf rin äußerst anschauliches Vild von den in und außerhalb Deutschlands existirenden Verbänden^ die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren Mann zu stehen, 7 wo es gilt, jüdische Interessen zu vertreten, wo die Roth an das harte Lager der Armen hrranschleicht. Reicher Beifall lohnte die mit großer Wärme und Begeisterung gehaltene Rede. - Möge sich dem Vereine, der seit seinem 65jährigen Bestehen so segensreich gewirkt und mit berechtigtem Stolze aus das zurückbliüen darf, was er bereits geleistet hat, eine stetig nmchsendr Schaar von Mitgliedern zugesellen, auf daß er in den Stand gesetzt wird, eine immer tatkräftigere Stütze zu bieten unseren bedrängten Glaubensbrüdern, und mögen andererseits die. materiellen Unterstützungen, die die Chebroh in so reichem Maße ausschütiet, goldene Früchte zeitigen, mögen die . unterstützten Armen des Vereins emporklimmen auf den ' Staffeln, die zur irdischen Wohlfahrt hinanführen,' wie so mancher Zögling in dem ruhelosen Räderwerke des Weltgetriebes, seine Thatkraft auf dem Amboß der Erfahrungen stählend, sich zu einer glänzenden Lebensstellung emporgerungen hat, dankbaren Herzens gegenüber seinem Wohlthäter. ' . Gailingen (Baden). Seit dem Fahre 1892 existirt hier eine israelitische Unterrichtsanstalt unter dem .Titel: Handelsschule mit Pensionat.Gailingen a. Rh. Die Schule steht unter staatlic^r Aufsicht und ihre Leistungen sind, besonders seitdem sie unter Leitung des jetzigen Direktors Herrn A. Roßmann steht, anerkannt äußerst gute. In Anbetracht dessen beschloß nun der hiesige Bürgerausschuß auf Antrag des Gemeinderaths mit großer Majorität^ eine Anzahl von Söhnen ärmerer Bürger auf Gemeindekosten in die Anstalt zu schicken. Ein Beschluß, der. ein ehrendes Zeugniß für ' die Loyalität der städtischen Gemeindevertretung ist, / gleichzeitig aber auch ein Beweis für die umsichtige und gewissenhafte Leitung der Anstalt. O e st e r rei:: ^Wien, im Juni, (Das ^Ritualmord"- ffl 8 rch in mit , / irvth fnnU che t Ad re ff eJ ' Vor' dem Währingrr Straftichter, Grrichtssekretär Doktor Wohlschläger, wurde kürzlich über die Ehren- '"^bsr-idiNÄNgskragr. verhandelt, welche der Bau-Ober- CcT/kicö Arnold Schwamberg gegen den "1'-- K ^ölblgasss 31, wohnhaften Privaten Wenzel Pötscher wegen einer „Ritualmord"-Beschuldigung eingebracht hat. Der von dem .'Schwager des Klägers, dem, Advokaten Dr.. Rabenlechner, vertretenen Klage ist Folgendes zu entnehmen: Im Haufe - des Klägers war eine gewisse Akoisia Jiro vom 15. Febr. bis 4. Mai bedienstet. Sie wurde entlassen, weil sie ohne Entschuldigung über Nacht ausgeblieben war. Am Nachmittag des 4. Mai erschien Herr Schwamberg. ein waschechter Arier, aus dem Polizeikommissariat Währing, um die Jiro abzumelden. ’ Der amtirende Beamte, Concipist Ehrenfest, theilte ihm mit, es sei soeben gegen ihn von einem gewissen Wenzel Potscher die Anzeige gemacht worden, daß er (Schwamberg) an seinem Dienstmädchen Jiro eine rituelle Blutabzapfung vorgenommen habe. In Anwesen^it des über diese Mittheilung natürlich überaus erstaunten Herrn Schwamberg wurde die Aloisia Jiro auf dem Kommissariate von dem Polizeiarzte untersucht, ohne daß die geringste Spur einer »Blutahapfungkonstatirt werden konnte. Rach Schilderung dieses Sachverhalts bemerkt Herr Schwamberg in der Klage, daß weder er noch ein Mitglied seiner Familie jemals dem mosaischen Glauben angehört habe und daß es ihm unerfindlich sei, zu welchem Zwecke der Anzeiger gegen ihn die Beschuldigung erhoben habe. Es stehe fest — bemerkt der Kläger — daß durch diese Beschuldigung seine und ' seiner Familie Ehre auf's Empfindlichste verletzt worden sei, daß diese Beschuldigung eine,. Uebertreiung gegen die Sicherheit der Ehre Involvire.. Es ist auch — heißt es am Schlüsse der, wie schon erwähnt, von Dr. Rabenlechner vertretenen Klage — hoch an der Zeit, daß diesen Ritualmärchen energisch an den Leib gerückt werde. Schließlich behält sich der Klager vor, die Klage auch auf das Dienstmädchen Jiro auszudehnen.: .: Der Bertheidiger beantragte die Freisprechung , seines Clienten, der nur das zur Anzeige gebracht habe,, was er gehört hatte. Der Richter verurtheilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 50 Kronen, eventl. zu fünf Tagen. Arrests. *. - - Engl a n d.;; Lonbon, 26. Juni. Gestern Abend wurden , die anläßlich der Krönung (die wegen der Kranket des Königs aber verschoben wurde) vom Könige verliehenen. Auszeichnungen bekannt gegeben. Unter den verliehenen- Auszeichnungen ist hervorzuheben, daß Lord R o t h - fchild zum Mitglied des Geheimen Raths er- ' nannt worden ist. ' ' - : MülhsRses (Elsaß), 28 Juni. Nachdem Herr Lazare Lantz eine Wiederwahl in der heutigen Gemekrdewabl aus MerS-Rücksichten ablchnte, wurde nebst dem langjährige n Semeinderathsmitglied Herrn Fabrikanten Henri Wall ach von der drmokratifch-sozislsn Partet noch drei ZSraeltten in vm Grmetnderath gewählt. . ' v.