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Der Israelit · 1902-06-30 · Heft 52 (30.6.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 52 (30.6.1902)
Date
1902-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite," Ebenso wird dort gelehrt, daß die „Ortsarmen den Vorzug haben vor den Dürftigen anderer Städte." Man halte das nicht für eine gewisse Härte in Bezug auf' andere Bedürftige, für eine seltsam anmuthende „Kühle", zu der uns das Gesetz auffordern möchte. Indem ja genannte Vorschriften an die G e s a m m t h e i t sich wendeten, indem die Armenunterstützung zur Volks fache in des Wortes ureigenster Bedeutung. * ward, konnte - eine daraus fließende Hartherzigkeit in I e i n e m Fä l l e' erwartet werden. Nichts weiter und nichts anderes als eine gesunde, praktische Lebensregel spricht sich darin aus, und mit Recht gerade hier, wo das Gefühl allein auf falsche Fährte führen könnte. Es ist darum auch gar nicht zu verwundern, daß uns in den Religions-Codices, genaue^ Vorschriften oder Anweisungen ertheilt werden für die beste Art' und Weise, der Zedokopflicht genügen zu können. Unsere Weisen --wollten diese hohe und heiligeebenso gottgefällige, als menschlich schöne Pflicht nicht dem blinden Zufall und der vollen Willkür des Herzens überlassen. Es bleibt ja auch innerhalb der gegebenen Weisungen noch Raum'genug für eine freie Bethätigüng der Pflicht, je nach den'objektiven Verhältnissen Und dem subjektiven Ermessen-.'Aber Normen, Normen mußten d o ch äufgesteM^verden.-'" So. wird die Frage erörtert: Welches ist die höchste Stufe von Wohlthätigkeit? Und es werden uns deren acht aufgezählt. Es wird: aber, auch der Fall besprochen, wenn> -> m ehreregute Zwecke Pch' gleichzeitigder: Wohlthätigkeit darbieten! Auch das liegt in der Natur der Sache; es ist die Beantwortung d i e s e r Frage ebenso nothwendig, als zweckmäßig, soll es auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit nicht zu den derkehrtesten Ansichten, zu den divergierensten Maßnahmen kommen.- ' - - Es kann aber auch k e i n e Zeit sich der Behandlung gerade der letzten Frage verschließen. Jede Kulturentwiüelung schafft neue Verhältnisse, wirst neue Fragen-auf, zu denen wir als Juden Stellung nehmen müssen. Darum soll auch für die Gegen wart die Frage der Z w e ck m ä ß igle i t nicht unbeachtet bleiben.: Hier ein kleiner Beitrag. Das jüdische Solidaritätsgefühl äußert sich in der Gegenwart in moderner Form. Es gibt heutzutage weit mehr und weit größere Verbände für jüdische Interessen, besonders auch auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit, als zu früheren Zeiten. Vereinigungen dieser Art schießen wie Pilze!: auS^der Erde:- Wohl kannte man Frauen- Vereine/ ChsÜras, Bruderschaften für Krankheit?- und Todesfälle schon ün früheren^ Jahrhunderten: Dagegen' .. wußte->":man 5: nichts chron Waisenhäusern;; SpirälerN.- - Handwe-r-rrschul^,'. .Lehretund;RabÄiüersLnri!:2r:nr,' ' Lehre?--r:u'o Änerv-rLinen; die unter -sich wieder zu ,VerbäÄ:..:^' iaxiwie keinen'Pro-" .^^rd^bäud/- leinnr.Gemeittdeoünd für ein ganzes Land, noch weniger eine Allianz für sammi- ' liche Juden der Erde.' Die Sucht, Vereine zu gründen, ist typisch geworden für. unsere Tage,. man spricht spöttisch über die Vereinsmeierei. v>".' Darum sind aber auch die Anspruches welche an den Einzelnen gestellt werden, im allgemeinen größer, als zu früheren Zeiten. Es dürste nicht leicht Jemand zu finden sein, der nicht wenigstens zu fünf oder sechs. Ver? einen oder Instituten? beisteuert, insofern' er ' noch einiges Interesse an seinem Judenthume hat. Ich sage „wenigstens!" Es sind mir in der Großstadt Männer bekannt, die thatsächlich zu mehr als dreißig Vereine» ihr Scherflein beitragen, ohne deßwegen noch sich m hervorragender Stellung zu befinden. Durch die Dertheilung der Kräfte auf solch' viele und vielfache Zwecke, wird natürlicherweise eine Zersplitterung der ersteren herbeigeführt. Kein Wunder auch, daß gar manche Institution nur ein klägliches, oder doch nur bescheidenes Dasein fristen kann, oft sozusagen von der Hand in den - Mund lebt. Und es sind leider nicht gerade die unbedeutendsten Vereinigungen, welche unter diesem Mißj stände leiden. Gerade sie befinden sich gar häufig auf solch' schwankender, unzuverlässiger Basis, daß auch der größte Optimist nicht selten für ihren Fortbestand fürchten mag. Meistens sind dergleichen . Institute auf ungewiß einlaufende, freiwillig geleistete Spenden an-, gewiesen-. Die regelmäßigen Pflichtbeiträge; ordentlicher und außerordentlicher Mitglieder dagegen', erreichen selten die Höhe,- welche eine wahre^rnd dauernde; Leistungsfähigkeit sichert.' ' -' ------- . Er ist darum ein A k t der K l ughei t wie ein Gebot der Selbsterhaltung, wenn Institute und Vereine darauf ausgehen, aus der Sphäre der Unsicherheit und dem Zustande der Ungewißheit herauszukommen, indem sie für eine solibe und zweckentsprech e nde Fondirung Sorge tragen. Dies geschieht, indemc eine statutarisch fesigelegte Quote der jährlich einlaufenden Beiträge aller Art zum Grund- oder. Stammkapital, geschlagen wird. Hier sollen nun gerade die Unterstiitzungskaffen für Lehrerrelikten oder für dienstunfähige KuItusbtarnten näher in's Auge gefaßt werden und zwar in Bezug auf das Wohl-' wollen und Verständniß, welches diesen Kassen-von Testatoren entgegengebracht wird. . - " Im deutschen Reiche bestehen zwölf, eigentlich jetzt vierzehn Lehrervereine mit Pensionskassen für dienstunfähig gewordene Mitglieder oder ' deren Relikten. Von 'den fünf beitragsfreien Unterstützungskassen sei' hier abgesehen. Theilweise reicht die Grundungszeit der" Kassen bezw. der Vereine schon bis in die sechziger Jahre zurück. All diese Vereine verfügen über .ein im Ster* ' ■ hältniß zur Bestandszeit nur sehr mäßiges Vermögen. Abgesehen von der Achäba zu Frankfurt a: M.. Laben' - bis.jetzt zwei'Vereine' die VermLgen.sstarkebon1W.00tz: -Mark überschritten. Es ist tÄrum auch' gänzlnaturlich'

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