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Der Israelit · 1902-06-30 · Heft 52 (30.6.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 52 (30.6.1902)
Date
1902-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lioa •. - daß die Untersiützungstheile für die hierzu berechtigten Kaffenmitglieder nur eine sehr mäßige Höhe erreichen Lonnen. Es war ein sehr dawkenswerthes Unternehmen des Herrn Peritz-Kömgsberg, in seiner „Statistischen Uebersicht der für Versorgung der jüdischen Lehrer- und' Kultusbeamten in Deutschland bestehenden Hilfs- und Unterstützungskassen" die Verhältnisse vergleichend und genau darzulegen. Es wäre zu wünschen, daß diese Tabelle jeder Gemeindeverwaltung übermittelt würde. Wir erfahren, dort, daß der »durchschnittliche jährliche Versorgungsbeitrag pro Parte!" bei den meisten Vereinen z. Z. erst 200 Mk. übersteigt, bei vielen übersteigt er kaum 100 Ml. (Rub. 60.) Nun mag jeder billig Denkende berechnen, was. ein solcher Unterstützungstheil bedeutet für dienstunfähig gewordene Mitglieder oder, für die Relikten solcher! — — Es ist schmerzlich, diese traurige Wahrheit chier konstatiren zu müssen. Es istauch die traurige Wahrheit, daß die jährliche Gesammteinnahme von den ordentlichen Mitgliedern, trotz deren kärglicher Besoldung, in einem Mißverhältniß steht zu den sonstigen Einnahmequellen, besonders den Wohlthätigkeitsbeiträgen, d. h. diese find im Vergleich zu jenen, sehr gering. (Siehe Rubrik 15—20 der statistischen Uebersicht.) Wohl wissen wir, daß — wie bereits gesägt — heutzutage die Zweige der jüdischen Wohlthätigkeit sich ungemein vermehren, die Möglichkeit und die Gelegenheit. „Gutes zu wirken," ist mehr als reichlich geboten..-Dennoch, sollteder. Stand, der.Lehrerver-. einskaffen ein ganz anderer seim „Die bessere Fondirung derselben ist sozusagen deren Lebens- oder Existenzfrage." Freilich hängt die Würdigung dieser Frage bei den breiten Massen ganz und gar mit der „Würdigung des Lehrerstandes Lbertzmpt," seiner Berufspflichten, seiner Bedeutüng und seiner Interessen zusammen. Nun, wir wissen ja, welch' trauriges Kapitel der Geschichte mit dieser Frage berührt ' wird. Gerade diese Frage drangt sich uns auf, wenn wir an die Art und Weise denken, wie unsere. Vereinskassen fondirt werden k ö nute n. ..Ich meine hier die Zuwendung non Permachtnissen, die Zuweisung von Le- / ' gatem" Seit alten Zeiten ist es rühmlicher Brauch, durch fromme Stiftungen, die man sehr richtig auch Dowor tauv nannte, auch nach seinem Ableben noch Gutes zu wirken, Segen zu spenden, ja, es liegt etwas Rührendes in dieser Gepflogenheit. Gar Viele suchten auf solche Art ihrem Namen ein ehrendesMdenken und die Krone der Unsterblichkeit zu fichern. Auch heute huldigt man der altfrommen Vätersitte noch, ja, heute sicher mehr noch als früher. - Wie aber dies gerade den Lehreroereimn gegenüber geschieht, muß in der That auffallend erscheinen, berechtigt uns zu denr Vorwürfe der E i n - . seiti gk e i t gegenüber, den Testatoren, Man.braucht nur das statistische Jahrbuch des „D.-J. G.-B," zur Sä# ^•:v - - ... •; . man lasse sich von- 60 derselben Änen Jahresbericht zugehen und sehe, wie viele und welch' bedeutende Legate ihnen in einem, geschweige in mehreren Jahren zufallen. Man verfolge die Vorstands- und Repräsentantensitzungen Funserer großen Städte oder selbst der kleineren. Ist es vielleicht nicht wahr; daß jährlich Hunderttausende als Legate oder/ Stiftungen - / gnädigst angenommen, unter Dank accevtirt werden? . Hier wird ein Spital mit zehn oder zwanzig Mille be- : dacht, dort ein Waisenhaus; bald erhält eine Schule > eine edle Stiftung, bald einer der verschiedenstem Ärmenvereine. Das ist im Norden unseres Vaterlandes so . wie im Süden, es ist im Westen nicht anders; als im Osten. „Ueberall bestehen aber auch Lehrervereine.".? Und nun lasse man sich einen Jahresbericht dom einem solchen Verei ne zugehen, man verfolge seine Geschichte, seinen Entwickelungsgang bis zum - Jahrzehnte:’y zurückliegenden Entstehungs- oder Gründungstag<Man . wird sofort den auffallenden Gegensatz wahrnehmen,: der in beregter Richtung und bedauerlicherweise':in?die Erscheinung tritt. Abgesehen von der Lachmann'schen Zuwendung andre Verbandskasse und einer in jüngsten Tagen in Aussicht gestellten, wird keiner der deutschen .; jüdischen Lehrervereine sich größerer oder doch öfterer Begünstigungen dieser Art zuerfreuen gehabt' haben. Der Stand der Hilfskassen müßte sicher ein anderer, besserer sein. Die stiefmütterliche. Behandlung, der , Lehrerervereinskassen muß? darum uns-?zum Nachdenken über diese Thatsache anregen, zwingt uns wohl dazu, die Erscheinung als einen Miß stand zu bezeichnen. Welches mögen nun die Gründe fein, . auf: die eine solche Einseitigkeit jüdischer Testatoren zürückzu- ,führen ist? ''' Vor allem m i ß v e r si e h e man uns nichts Nicht scheeler Neid und gemeine Mißgunst drückt -uns.: die Feder in die Hand. Wir haben oben den schönen Änd erhabenen Begriff der jüdischen Z'dokoh dargelegt und wir freuen uns, wenn' das jüdische Herz immer noch seine alte Zugkraft bewährt und jüdische? Hände allenthalben so reichlich die Saaten des Segens streuen. Und wahrlich, die Lehrer sind nicht die letztens welche als Vermittler dieser frommen Werke sich freiwillig erbieten, der inneren. Stimme gehorchend,! oder - auch zuweilen von den verschiedensten Seiten um ihre ' thätige Mithilfe angegangen werden. Tausende und. Abertausende gehen jahraus, jahrein durch ihre Hände; Hunderte unserer Brüder und Schwestern werden durch . die Lehrer zum Spenden angeregt und aufgefordert, in ' : Freud und Leid, bei frohen Anlässen und ^i traurigen -. Gelegenheiten. Mas wissen die Gemeinden; und' dtten" Verwaltungen^ das bezeugen die Distriltsrabbinate; das?: beweisen, endlich die . zahllosen! Jahres- und- Rtzhenschaftsberichte jüdischer Vereine und ^Institute,? wie i>ie Spendenverzeichnisse in jüdischen Zeitschriften.? Hand zu nehmen und die Wohlthätigkeitsinstitute zu Lehrer sind aber auch die letzten, welche sich ihre -

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