Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1902)
- Date
- 1902-06-26
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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Einheit und Einigkeit der isr. Lehrer sein! Nr. Zg u. 40 weist mit nicht mißzüverstehender Erbitterung die Theilung der württemb. Rabbinen in Gesetzestreue und — Untreue zurück (»andere als Gesetzestreue kennen wir überhaupt nicht"), laßt aber geflissentlich, das sagt die Fassung, das Odium der Gesetzesuntreue aus den Lehrern lasten und begeht damit ein Unrecht gegen die Lehrer, die sich durch Pflichttreue und ernste Religiosität auszeichnen. Und gegen dieses Unrecht sollten wir uns nicht wehren? Wir sollten so indifferent sein, daß wir uns, ohne zu erröthen, für «berüchtigt" und «treulos" erklären ließen! Das kann kein Lehrer, kein Mann von Charakter im Ernst von uns verlangen! Zur Sache, selbst führte der Referent aus: Er wäre als Jehudi gerne und freudig bereit, den 'cn TOp zu knüpfen und halte es für selbstverständlich, daß in Ausübung ähnlicher NM keine Herabwürdigung des Ausübenden gefunden werden könne, daß der hierzu Befähigte «freiwillig" derartige Liebesdienste gerne seither leistete und weiter leistet.. Etwas anderes wäre die obligatorische Verpflichtung zu derartigen Diensten. Nach den bis jetzt geltenden Verordnungen und Gesetzen waren die isr. Lehrer Württembergs zu solchen Diensten prinzipiell nicht verpflichtet. Ja. nicht einmal zur Ausübung der Schechita können isr. Vorsänger (Relig.- Lehrer) und Volksschullehrer verpflichtet werden. Das hindert aber nicht, daß die württembergischen Lehrer in richtiger Erkcnntniß der Bedürfnisse ihrer Gemeinden gerne und ausnahmslos die Schechitcr besorgen, wenn die Gemeinden es wünschen. Gegen die „obligatorische Einführung" derartiger Verpflichtungen, wie gegen einen dahinzielenden Vorschlag, müssen die isr. Lehrer Württembergs der Konsequenzen halber .energisch und mit allen verfassungsmäßigen Mitteln sich wehren. Den Hinweis auf derartige Dienste und die ' Möglichkeit ihrer obligatorischen Einführung halten wir gerade im jetzigen Augenblick, wo die.Berathungen wegen der «Neuordnung der kirchlichen Rechtsverhältnisse der Israeliten Württembergs" die Behörden ernstlich beschäftigt, fiir gefährlich. Die isr. Lehrer Württembergs—- auch die Religionslehrer — sind in allen Dingen den übrigen Volksschullehrern gesetzlich gleichgestellt. Letztere sind von allen kirchlichen Meßnerfunktionen befreit. . Eine Neuverpflichtung isr. Lehrer zu derartigen Meßnerfunktionen wäre ein bedenklicher Rückschritt, der für die isr. Lehrer Württembergs gefährlich werden könnte, weil es der erste Schritt wäre zur Beseitigung der Gleichstellung mit den Volksschullehrern.? . . / 7 7 •- ' Die Verpflichtung der Erlernung derartiger Dinge im Kgl. Seminar.wäre aber die Voraussetzung für die . kommende Aufnahme dieser Dinge in die neue Amts- / instrultion der.Vorsänger. In diesem Sinne mußte ./r - - -. . der Artikel in Nr. Z3 sachlich für. bedenklich angesehen werden.? ' "A '- . - ■ - Wer die Rechtsstellung der isr. Lehrer in Württemberg kennt, wird unsere Stellungnahme „ für sehr begreiflich halten und wer die Rechtsstellung der isr. Lehrer in Württemberg als erstrebenswerthes Ziel sür ■ die Gesammtheit der isr. Lehrer ansteht, dem wird es einleuchten, warum die württembergischen Lehrer, zur Stellungnahme in dem angedeuteten Minne gezwungen ' waren. ' c " v ■ v " Ein Sturmlausen gegen den «Israelit" lag dm württembergischen Lehrern umsomehr fern,, als dieselben den Kämpfen zwischen «Israelit" und «Fa- * . milienblatt" als Unbetheilgie interesselos gegenüberstehrn. Die württembergischen Lehrer müssen aber auch an dieser Stelle nochmals allen Ernstes bitten, es möchten bei Besprechung sachlicher Fragen verletzende Wendungen, wie die angeführten, ob dieselben nun humoristisch oder ernstlich gemeint sind, unterbleiben. Die - sachliche Besprechung selbst halten wir für förderlich. Die Schwaben sind bekannt, daß sie jede Meinung, wenn sie offen und ehrlich vorgetragen wird, respektiren. Aber das dürfen wir verlangen, daß derjenige, welcher an unseren Einrichtungen Kritik übt, unsere Verhältnisse genau kennt. Und nun,. Herr Mannheimer, haben 'Sie das Wort!•? Affaltrach, 20. Juni. S P a tz, Ausschußmitgl. des «Isr. L.-V. Württemb." AuS Süddeutschland. Der Aufsatz in der jüngsten Nummer der Pädagogischen Beilage des „Israelit" : „Ein offenes Wort", von Lehrer A. Mannheimer" wird jeden, der objetiv und mit Aufmerksamkeit die Taktik des «Hamburger Isr. Familienbl." und der dazu gehörenden, von dem Lehrer Steinhardt in Magdeburg geleiteten «Pädagog. Beilage" verfolgt hat, mit aufrichtiger Freude erfüllt haben. Ihr Korrespondent.hat verschiedentlich die Beobachtung gemacht, daß viele Lehrer den beregten Geisschen Artikel überhaupt nicht gelesen hatten, dagegen sehr wohl -7das Geschimpfe des Lehrer Steinhardt; - naturgemäß mußten so Viele. Contra-Stellung nehmen. Jeder, der den Artikel kennt, wird zugestehen, daß derselbe im Interesse der Lehrer geschrieben war und aus einem für das Wohl des Lehrerstandes warm fühlenden Herzen kam. Die ganzes Angriffsweise des Lehrer Steinhardt hat den Eindruck gemacht, als sei seine Feder von einem starken, persönlichen Haß gegen den Verfasser geleitet worden. - 7 . < :.Auch die eigenthümliche Praxis, ein einziges Wort. das übrigens schon vielfach auf Lehrerversammlungen aus dem Munde ernsthafter Pädagogen gefallen ist, aus dem Zusammenhänge herauszureißen und aus diesem . Worte einen Strick zu drehen — ein Verfahren. daS