Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1902)
- Date
- 1902-06-26
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1099 - , lich vor jedem Menschen selbst richtetzeigt gar zu deutlich nicht sachliche, sondern rein persönliche Motive. ES sollte sich da doch jeder Lehrer die Frage vorlegen, ob ein Blatt sein Interesse vertritt, das muth- Ivillig Zank und Streit heraufbeschwört und sich dann selbst desselben Vergehens schuldig macht, wegen dessen es all' den Lärm angestiftet hat, nämlich, indem es — wie wir im Lehrer Mannheimer'schen Aufsatz gelesen , haben — schreibt: „Ein im Lehrer s e m i n a r flüchtig erworbenes Halbwifsem" Die Schächtflucht des jüdischen;j;'V / Von einem hessischen Religionslehrer. .> ’*?■&- Zu dem in Nr. 44 Ihrer gesch. Zeitschrift' er-. schienenen Artikel „Eine ernste Gefahr im Innern" mochte ich mir als Religionslehrer und Schächter im 'Namen vieler Kollegen die gleich mir als solche auf dem Lande thätig sind, einige Bemerkungen gestatten. Der Einsender genannten Artikels befindet sich sehr im Jrrthum, wenn er glaubt, daß viele Kollegen nur deßhalb das Schächtamt von sich abzuwälzen suchen, weil sie durch gewisse aus Städten geäußerten Phrasen sich zu einer Ueberfchätzung ihrer Stellung verleiten lassem 'Die Ursache zu dieser gewiß bedauerlichen aber nicht zu leugnenden Schächtflucht des jüdischen Lehrers auf dem Lande liegt vielmehr in den himmelschreienden Zuständen, . denen , der Schächter, auf dem . Lande gegenüberstehk, ohne Macht, ohne. Recht und ohne Schutz. 1) Sehr häufig ist der Schächter, der sich doch als 'Religionslehrer einen gewissen Grad von Bildung angeeignet, der infamsten Insulten von seiten jüdischer 'Landbewohner ausgesetzt, gegen die er sich absolut nicht retten kann. Die Vorstände der Gemeinden sowie die Herren Rabbinen haben in Hessen keine autoritative 'Macht, um in derartigen Fällen wirksame Abhilfe schaffen zu können. Dieselben können höchstens durch gütliches Zureden einen Streit schlichten — wenn der Lehrer nachgibt. Die Erhaltung des Gemeindefriedens ist ja ein sehr verdienstvolles Werk, , wenn dadurch aber die Autorität des Lehrers untergraben wird, ist er doch etwas theuer erkauft, denn jedes Nachgeben von seiten des in seinem Rechte sich befindenden jüdischen Lehrers wird nicht als Friedfertigkeit, sondern als Schwäche angesehen und reizt zu immer neuen Verfolgungen des ohnedies schwer Geplagten. 2) Ein zweiter Grund der Schächtflucht des jüdischen Lehrers liegt in der „Herabwürdigung des Schächtens" durch die jüdischen Landbewohner. Sehr häufig befinden sich jüdische Männer in den Schlachthäusern christlicher Metzger und lassen hier unbewußt Bemerkungen fallen, die geeignet sind, das Schächten zu diskreditiren. Wenn auch derartige Aeußerungen oftmals nur aus Scherz gethan werden, faßt sie der 'christliche Metzger doch als Ernst auf und glaubt, die Entscheidung auf koscher oder trepha erfolge nicht, nach . feststehenden Normen, sondern nach der Willkür des^ Schächters.' Die Folgen davon sind leicht abzusehen,'' Bitten und Vorwürfe, die dem Lehrer sein Amt perleiten. ~ 3) Ein weiterer Grund der Schächtflucht des jüdi-A schen Lehrers auf dem Lande ist die Bezahlung^ desselben von seiten des Metzgers. Dadurch wird die^ Stellung des Lehrers zu der eines Taglöhners Herab-I gewürdigt, dem nach Vollbringung der Arbeit der ver->! - diente Lohn ausbezahlt wird. Die Schechita isteine^ Gemeindeeinrichtung, der Schächter ein Gemeindebeam-Ä' ter, das Einnehmen der Schächtgebühren aber reines Privatsache. Dazu kommt häufig noch der Umstand.'^ : daß in vielen Gemeinden für sog, genaweltes Vieh) keine Gebühren bezahlt werden, so daß der Schächterbei jedem trepha fallenden Stück Vieh in den Verdacht-' kömmt, genawelt — aber doch auf trepha entschieden > zu haben, um seinen Schächterlohn zu verdienen. - - / 4) Ebenfalls ein triftiger Grund ist das u n , ruhige Leb e n des Schächters. Oftmals, wirdß er morgens um 4 Uhr und noch früher aus dem Bette) getrieben, oftmals mutz er noch spät in der Nacht, wenm.- andere Sterbliche sich zur Ruhe begeben, seine schweren Funktionen erfüllen, vom abendlichen Spaziergang wird er zurückgerufen, aus der Schule wird er heraus- geholt, keine länger dauernde Arbeit kann er beginnen, , ohne häufig gestört zu werden.. Diese und eine Menge derartiger Gründe ließen / sich zur Rechtfertigung der Schächtflucht des jüdischen Landlehrers aufzählen, für heute mögen jedoch die.angegebenen genügen. , . Diesen Mißständen muß abgeholfen werden und es kann geschehen: , 1s Durch Errichtung einer jüdischen Behörde für - jedes Land, die nebst der Religionsschulangelegenheiten^ auch bie des Schächtens in den Bereich ihrer Macht zieht und deren Beschlüsse regierungsseitig, anerkannt werden; (??? Red.) ' 2) durch Vorträge der Herren Rabbinen; in den r- Landgemienden. über. die Heiligkeit der Schechita, und;