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Der Israelit · 1902-06-26 · Heft 51 (26.6.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 51 (26.6.1902)
Date
1902-06-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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.. jfH- 11090 si .r;' 121 minsr ali allgemein bekannte Dinge erwähnt -werden. ES ist der beste Beweis, daß di« diesbezüglichen Gebete damals bereits allgemein verbreitet, ihre Abfassung jedoch weit älteren Datums sein mußte. In Kethuboth 1,1 lesen wir v'inna rwv £ tj erw tji doriselbst II, 4 wW by jokj bis prn; Erub. I V, 3 ui tanV V'NLTI bav : Bezah I, 2 tenb> MN pa; Jodajim I, 2 vb* V1N ND s'^"Xv v'^2 In all den genannten Fällen handelt es sich um eins Erweiterung des vorangegangenen Gedankens. Der Satz hätte daher unter Gebrauch der Conjunction t. angeschlossen werden müssen, es geschieht jedoch sonderbarer Weise unter dem ein begründendes Satzverhältniß einführenden v. Es kann dies nur daher rühren, daß der'Redaktor unserer Mischnah diese rsätze einer älteren Vorlage entnommen, dieselben jedoch absichtlich unangetastet in der ursprünglichen Gestalt belassen hat. Nach dem Zeugnisse Samuels (Jebamoth 37), der zu den Jüngern des Mischnahredaktors zählte, bilden die Lehrsätze in Kid. IV, 1 eine alte Tradition, welche Hillel aus Babylonien.überbracht hat. Ebenso werden Pesachim IV, 1—8 und Gittin Cp. IV und V eine Zusammenstellung von religiösen Verordnungen und Bräuchen aufgeführt, die aus einer Zeit stammen, wo das Staatsleben noch in vollstem Gange war. Weit höher hinauf führt uns die Abfassung einer Gruppe von Mischnoth, welche die verschiedensten Gesetzesmaterien behandeln. Nach den Angaben des Jeruschalmi (Schekolim Cp. V zu Anfang) sind die Lehrsätze in Terumoth 1,1; Ehaloh I, 1; Jebamoth l, 1; Keritoth 1,1; Sebachim 105 d, Baba kama 1,1; Sabbat VII, 2; Pesachim VII, 4, allesammt auf die Zeit der Soferim zurückzuführen, deren Wirksamkeit bekanntlich mit dem Auftreten Alexanders des Großen im Morgenlande (330) vorerst zu Ende ging. Die hier erwähnte Gruppe von Mischnoth zeigt in ihrem Aufbau durchgehends dieselbe Struktur. Äon einer Meinungsverschiedenheit ist niemals die Rede, dagegen läßt die Gruppirung um bestimmte Zahlen deu.tlich erkennen, daß die Anordnung mit Rücksicht auf eine leichte gedächtnißmäßige Aneignung erfolgt war. Aus dem, was soeben hier ausgeführt worden, gewinnen wir eine Handhabe, eine andere ebenso umfassende als weitverzweigte Gruppe von Mischnoth nach der Zeit ihrer Abfassung zu bestimmen. Es kommen hierbei in erster Linie Megillah Cp. I, 4—11; Chagigah Cp. II. 5—III, G; Menachoth Cp. III, 5, IV, 4; Chulin Cp. I, 4 bis Schluß des Cäpitels; Kelim Cp. I,;7 bis Schluß des Capitel; Nidvah Cp. VI, 2—10; Erachim Cp. II, 1 bis Schluß des Cäpitels; Temurah Cp. I, 3—6 und Cp. II, 1—3 und endlich Kiduschin Cp. I, 2 bis Schluß des Cäpitels. Schon ein oberflächlicher Blick auf die hier aufgeführten Gruppen von Mischnoth läßt erkennen, daß wir , «ä hierbei mit einem Einschlag zu thun haben, der in den Plan, wie er vom Redaktor für den Aufbau des Stoffes entworfen wurde, nicht hineingehort. Das alleine ist des Belveises genug, daß dieselben nicht von diesem , herrühren können. Sie bilden vielmehr eine eigenartige Zusammenstellung des Lehrstoffes nach den Gesichtspunkten der Aehnlichkeit, des Gegensatzes, ' der stufenmäßigen Steigerung, der zahlenmäßigen Gruppierung u. s. w. Die leichte, gedächtnißmäßige Aneignung bildete den leitenden Gesichtspunkt dieser Aufstellungen. Wir haben es demnach hier ebenfalls mit einem Ueberkommniß aus der sopherischen Zeit zu thun. Solche Gruppierungen von Halachoth mögen auch ursprünglich den auf sie gemünzten Namen rirov „Gewebe" geführt haben. Sie bilden recht eigentlich den Grundstock in dem weiteren Ausbau unserer Mischnah. von welchen auch später der Name für den vollständig ausgebauten einzelnen Traktat entlehnt wurde. Aus diesem Grunde fand ich mich auch bestimmt; dem Lehrsätze am Ende des I. Cap. in Kiduschin nvwi ba iji 1? psnsö nrnt nus einen früheren Ursprung als dem in Synhedrin avraft pbn oa> brriv ba zuzusprechen.' (Fortsetzung folgt.) . JsiLulrgsnachrichLe« urrd CsrrespoVde«ze«. Q e i ch. Prag, im Juni. (Ein Get im Kerker.) Im Saale 24 des hiesigen Strafgerichtes bot sich jüngst den Zuschauern ein seltenes Bild, wie es sich wohl im - Strafgerichtsgebäude bisher noch nicht gezeigt hat. Es hatten sich dort der Prager Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld und zwei andere Rabbiner, sowie acht sonstige Funktionäre des israelitischen Ritus eingefunden. Neben diesen Herren standen auf einer Seite eine schwarzgekleidete Dame H. P. mit ihrem Rechtsanwälte, und auf der anderen Seite ein Mann in Sträflingskleidern, hinter dem ein Justizsoldat, mit aufgepflanztem Bayonett stand. Es handelte sich um die Vornahme der Trennung der Ehe zwischen der Frau H. P. und deren Gatten O. P. Mit dieser vollführten Scheidung fandeine interessante Vorgeschichte ihren Abschluß. Vor längerer Zeit wendete sich Frau H. P. an den Prager Advokaten Weil mit dem Ersuchen, die Trennung ihrer Ehe durchzuführen, ihr Mann befände sich im Kerker in der Pankraher Strafanstalt, wo er eine fünfjährige Kerkerstrafe wegen mehrerer vor Abschluß der Ehe verübten Delikte abzubüßen hat. * Gleich zu Anfang begegnete der Trennungsprozeß Schwierigkeiten, weil die Pankraher Strafanstalt sich weigerte, die Auslieferung des Sträflings an das kompetente Gericht durchzuführen. Auf das Ersuchen des

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