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Der Israelit · 1902-06-26 · Heft 51 (26.6.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 51 (26.6.1902)
Date
1902-06-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Z«M Mkage 51 oder — Gelehrsamkeit. :•/•'. , •_ . . . Von '. . ... Rabbiner Dr. Daniel Fink-Wien. .. VW Wer in unseren Tagen es unternimmt, die historische Treue unserer religiösen Ueberlieferung öffentlich zu vertheidigen, der muß auf alles Mögliche gefaßt sein.' Ich sehe daher voraus, daß man mir mit dem Einwurfe segnen wird, daß die bisher besprochenen Partien der Mischnah nur eine immerhin geringe Ausnahme gegenüber der großen Maste deS übrigen Stoffes bilden, der ausnahmslos von späterer Herkunft sei. Zwar sollte schon der Hinweis auf den Traktat Edujot genügen,' diesen Einroand zu entkräften. Zum Ueberflusse mögen - hier jedoch . noch aus den: übrigen Traktaten Spurem höheren Alters anfgezeigt werden. Bedenkt man, daß, die Mischnah wLver ihrer Anlage, noch ihrem Zwecke nach, dazu besti.nmt war, eine Quelle für geschichtliches, Wissen zu liefern, so wird man gerade um deßwegen den hier vörzuführenden Beweisen ohne weiteres eine Tragweite, die weit über die Grenzen des Gegebenen hinausgeht, züerkennen müssen. Schon der erste Sah, mit welchem das Lehrgebäude der Tradition eröffnet wird: ir-nya vcv nx pxnip 'Nv'xo in fnanro b-axb pD323 nvvq „Wann beginnt die Zeit für das Abend-Schema? — Dann, wenn die Ahroniden sich hinbegeben, um ihre Tcrumah zu .essen u. s. w., läßt für jeden, der die Dinge in ihrem zeitlichen Rahnren zu schauen vermag, deutlich erkennen, daß diese Bestimmung vernünftiger Weise nur zu einer Zeit gegeben werden konnte, in welcher Tempel und Priesterdienstnoch bestand.' Der Text unserer Mischnah ist daher weit älteren Ursprungs als dessen .Aufnahme in die diesfällige Sammlung. Die Tosefta dagegen, welche eine Erörterung über dieselbe Frage aus früherer Zeit — nach der Zerstörung des Temp.els — liefert, wählt eine für die damaligen Verhältnisse gangbare Zeitbestimmung und lehrt statt dessen wwb» HHa pa bwb pw33 dtk;’33» wo. „Die Zeit für das Abendschema beginnt dann, wenn die Leute am Freitag Abend das sabbatliche Festmahl einnehmen." Jene Meinung jedoch, welche sich der in unserer Mischyah erwähnten anschließt, lehrt statt pv333 biaxb was auf tatsächliche Verhältnisse anspielt fnavm bvxb po „fähig würden, um von ihrer Terumah genießen zu dürfen." In der folgenden Mischnah bestimmt Rb. Jehauhalb auf drei Stunden nach . Tagesanfang,, weil ^die „Königskinder" erst um diese Zeit aufzustehen^ pflegend Rb. Jehaufchua: lebte zwar selbst Noch zw einer Zeit, als der Tempel bestand. Jüdische Königskinder' hatte^rr) jedoch selbst, nie gekannt. -' - Es ist also klar," daß'er. hierM auf weit ältere Tradition, die spätestens aus-der Zeit ) der makkabäischen Könige stammt, zurückgriff/.' Das in Verachoth I V, 2 erwähnte Gebet des Rb. NechünjahO.) / Hakaneh stammtwie der Name des Verfassers zeigt,) - aus der Zeit, in^ welcher es noch einen: jüdischen.. Staat gab. Die in Verachoth . VII, 1 auf die: -Samaritaner bezüglich» Anordnung nach welcher dieselbe bezüglich - der Theilnahme an öffentlichen religiösen Verrichtungen den Judäern gleichzuordnen sind,- sowie ' die-in Nidda) IV, 1 auf dieselbe Bezug habende Bestimmung sind entschieden viel älteren Ursprungs, als' die achtzehn Ver-' - ordnungen, über welche bereits in. dem V5- Artikel abgehandelt worden. Dagegen werden: dieselben bei gesetz--? lichen Erörterungen aus späterer Zeit den Heiden voll- ) kommen gleichgestellt. (Vergl. Oholoth X VIII- 7.) . V. In Sabbat VII^ 9 heißt es bw'pnrr '-wdbo 1.12. atsn rr^rr trat „Kömgskinder dürfen am Sabbat Zierglöckchen an den. Kleidern tragen." Der Redaktor der Mischnah gibt hierzu den Zusatz:'„jedem-, : anderen Menschen sei'dies gleichfalls gestattet," \ denn die Bestimmung „Königskinder" ist nicht als eine' ein-M schränkende, sondern nur als eiüe Bezugnahme-aüstft»en landesüblichen Brauch anzusehen.. - Es >istDemnäch Üär^ ) daß die diesbezügliche Mischnah aus^der.Zeit.der nrak-- kabäischen Könige Herstämmen muß. -- .i'.'n .' : lieber den Sinn der Bestimmung rjnioa Jirw. w’. y in Peßachim 1,1 bestand bereits zwischen dem Lehrhause Schammais und dem Hillelseine. Meinungs- < Verschiedenheit, es ist daher ohne weiteres einleuchtend, - daß die diesfällige Mischnah um Generationen älter y sein müsse als diese. .. . . ' : Tanijoth II, 1 liefert eine Beschreibung des Got-< tesdienstes bei einem öffentlichen Fasten. Unter anderem wird dort erwähnt: rmvn 122 bt. nbpo ivp v'3wn T2K iMoa: trenn VX121 „daß Asche auf den Thoraschrein, wie auch auf das Haupt des Nassi und des Vor-- sitzenden im hohen Rathe gestreut werden solle. Schemaja und Abtaljion waren aber die letzten,, .welche gleichzeitig diese beiden Würden bekleidet Habens Jnspäterer Zeit würde ein Lehrtext nie Würdenträger aufführen, die es bei dessen Abfassung nicht gab.- Die hier in Rede stehende Gruppe von Mischnoth ist demnach spätestens um 100 Jahre vor Beginn unserer bürger- . ) lichen Zeitrechnung.änzusehen. -j.» ,- Beiläufig sei hier erwähnt, dass im Zusammen-: hange unserer Stelle nicht bloß: unser tägliches „Acht- - schua den Ablauf der Zeit für das Morgeuschema deßzehnergebet", sondern auch unser Neujahrsgebet mbQ :; " 1 , Ir t t- * ^.« ‘ ’ . : ‘ ■

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