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Der Israelit · 1902-06-26 · Heft 51 (26.6.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 51 (26.6.1902)
Date
1902-06-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Dr. Weil wurde von Seite des Prager Oberlandesgerichtes das Bezirksgericht zur Vornahme des Trennungsverfahren delegirt und es wurde von Seite des Gerichtes die Verhandlung behufs der Trennung der Ehe in der Pankratzer Strafanstalt, die im Rayon des Bezirksgerichtes Weinberg liegt, abgehalten. - Der Vertreter der Frau P. setzte es auch durch, daß die Dersöhnungsverfuche in der Strafanstalt durchgeführt wurden. Als er jedoch um Vornahme der rituellen Scheidung in der Pankratzer Strafanstalt ansuchte, stieß er auf die entschiedenste Weigerung des Prager Oberrabbinates, welches erklärte, daß in Pankratz noch nie eine rituelle Ehetrennung durchgeführt worden sei, und daß überdies aus rituellen Gründen die Vornahme der -Trennung dortselbst nicht stattfmden könne. Als sich daraufhin Dr' Weil an die Staatsanwaltschaft wendete mit dem Ersuchen, den Sträfling wegen Vornahme der Trennung auf einige Stunden in die Amtsräume des Oberrabbiners zu bringen, wurde dies abschlägig beschieden und aus Gründen der Sicherheit diese Ablveisung vom Oberlandesgerichte bestätigt. Da wendete sich Dr. Weil mit einer Eingabe an das Justizministerium und in Folge dieser Eingabe wurde die Pankratzer Strafanstalt angewiesen, den Sträfling in das Strafgericht nach Prag zu überführen, woselbst dieser Tage unter großem Aufsehen die Zhetrennung erfolgte. - Ungarn. Verbo, 18. Juni. (Obergespan und R a H b i n e rJ Unter großer Begeisterung der hiesigen Bevölkerung hielt dieser Tage Obergespan Dr. Kramolin seinen Einzug in die Stadt. An der Grenze des Gemeindebotters wurde der Oberaespan vom Richter Bobok begrüßt. Bei der auf dem Hauptvlatze errichteten Triumphpfarte bielt Oberrabbiner Samuel Reich eine schwungvolle Ansprache an den Obergespan. Der Rabbi saate unter Anderem: „Mit freudigem Stolze begrüße ich Euer Hochgeboren. Ihr Erscheinen zeigt für die Wahrheit der Lehre, die ich aus patriotischem Herzen verkünde: diese besiebt in der Glorifizirung der Würde des Vaterlandes, seiner Toleranz und seiner segenverbreitenden Macht, der Woblthaten, für die der Staat von den Bürgern nichts Anderes verlangt, als Treue und Anhänglichkeit . . . Ew. Hochgeboren haben uns an unserem eigenen Herde ausgesucht, und hier kann es Jedermann zu sehen bekommen, daß die Fürsorge des . "naarischen Staates gleich den Strahlen der Sonne die Großen und Kleinen bescheint. ohne Unterschied., auf j welche Weise dieselben immer ibren Gott anbeten. Und . ich kann dakür Aeuaenslbaft ableaen. daß in dieser Ge- | meinde die Wärme der Vaterlandsliebe die Herzen da- J vor bewahrt, daß sie durch rauhen Konfesiionshaß und durch aus der Fremde kommenden frostigen Sturmhauch mit einem Eispanzer bedeckt werden, frei und innig schlägt unser Herz bei den Klangen der ungarischen Nationalhymne, und wir kennen außer den ewigen Idealen deS NngasthmmS keine fremden Götzelufst^^ Auf die von den Anwesenden mit stürmischen Bei< fallskundgebungen begleitete Rede des Oberrabbiners antwortete Obergespan Dr. Kramolin in ebensoschwungvoller Weise. ' . - - Er sagte, es sei eine Bescheidenheit, in diesem Falle von Duldsamkeit zu sprechen, da der nationale Staat solch' musterhaften, treuen und patriotischen Bürgern gegenüber, die in dieser Gegend mit allen Kräften daS Ungarthum verbreiten, nur zu Dank verpflichtet ' sei. Wollen Ew. Ehrwürden —■ mit diesen Worten schloß der Obergespan seine Rede — auch fürderhin die hehre Idee der Vaterlandsliebe verkünden. Ich versichere Sie^ daß Sie sich weder im Staate, noch in mir, als dem- Vertreter der Regierung, täuschen werden. . ’ ’ * Rußland. Petersburg. Es ist in Rußland Sitte, daß die israelitischen Dienstpflichtigen, welche für den Militärdienst tauglich erklärt worden sind, im Gefängniß gehalten und durch Etappen in ihre bestimmten Regimen- - 1er befördert werden. Auf diese Weise hat der Corresp. des „Woschod" in dem GefLngniß von Wilna ungefähr 30 Juden getroffen, welche als Dienstpflichtige in Gewahrsam gehalten wurden; sie sind der Ordnung des' Gefängnisses in ihrer ganzen Härte unterworfen. Im Gestellungsbezirk von Lida mußten mehrere Dienstpflichtige von da nach Wilna zu Fuß marschiren, obgleich sie auf eigene Kosten das Regiment erreichen wollten. Die Rekruten von Schavel. die eine ärztliche. Untersuchung in Kowno bestehen mußten, sind mehr als drei Wochen im GefLngniß geblieben;, ein Jude .von Minsk, der seine Ausweifungspaviere nicht hatte vorlegen können, ist länger als drei Monate im Gefängniß geblieben, ebensolange, als die notwendigen Dokumente nicht in seinem Besitze waren. - Petersburg. Nach einem Gouveryements-Erlaß sollen alle Juden, die in den Eisenerz- und Kohlenberg-, werken des Gouvernements Jekaierinoslaw beschäftigt > sind, im Laufe dieses Monats aus ihrem Dienstverhalt« niß entlassen werden und diejenigen, welchen gesetzlich kein Domizilrecht zusteht. sollen außerdem ouS dem Gouvernement ausgewiesen werden. Einige Ausnahmen werden mit Bezug auf solche Juden gemacht, die in den^ Bureaus der betreffenden Bergwerksgesellschäften thätig sind, doch soll auch deren Ausweisuua in' Ankunft dem Gouverneur der Provinz freistehen. Jekaierinoslaw ist der größte Bergwerksdistrikt Rußlands. Man kann wohl'sagen, daß die Hälfte des Bodens auS Eisenlagern und die andere Hälfte aus Kohlenlagern .' besiebt. Durch das Edikt werden zwischen 40,000 bis' 50,000 Juden betroffen.. ' , ... . .

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