Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1902)
- Date
- 1902-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449841--56160-2518956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mann mit ihm aus und führten Krieg mit den Persern, er nahm das Reich in Besitz und erhob sieben Jahre Steuern. Nach sieben Jahren versündigt sich ein Theil seiner Anhänger (nnro im? pim -jn), sie tranken Wein und trieben Unzucht am Hofe der heidnischen Könige. Da verschwand die Feuersaule, die vor ihm hergegangen war, die Perser nahmen ihn gefangen, tödteten ihn und erhängten den Exilarchen Mar Sutra und den Resch Metibta auf der Brücke von Mechusa. Auf Befehl des .Königs wurde die Stadt des Exilarchen erobert und am selben Tage der Exilarch Mar Sutra gefangen.. Das Andenken unseres Fürsten sei zum Segen. Ihm wurde ein Sohn geboren, den man nach seinem Vater Mar Sutra nannte. Das Davidhaus mußte fliehen und 30 Jahre konnte sich Mar Ahunai nicht zeigen...... Mar Sutra, der Sohn des Exilarchen Mar Sutra ging nach Palästina und man machte ihn dort zum Resch Pirke. Und im Jahre 452 nach der Tempelzerstörung, d. i. das Jahr 4280 der Schöpfung, zog er hinauf nach Palästina und wurde das Haupt des Synhedrion's.". Soweit, der Bericht des kleinen Seder Olam. Das kleine Seder Olam bietet haupsächlich die Chronologie der Könige und Exilarchen ans dem Hause Davids. Es ist in seinem ersten Thcile ein Auszug aus dem s. g. großen Seder Olam, der Voraitha des R. Jose, mit der es durchaus nicht an Werth gleichgestellt werden darf. Ueber seine Bedeutung als historische Quelle, wo es selbstständige Angaben macht, sind die Alten noch nicht geschloffen. Der von uns übersetzte Bericht hat wegen der merkwürdigen Thatsache einer jüdischen Empörung, die nach dem Aufstand des Bar Kochba kaum eine Parallele hat, die Aufmerksamkeit der Historiker in hohem Grade auf sich gezogen. Wie man nämlich auch die Darstellung der Nebenumstände auffaffen will, so ist man darin einig, daß die Erhebung des Exilarchen Mar Sutra Thatsache ist. Die große Frage ist nur das Wann und Warum? Ein Schlußdatum glaubte man in dem Jahre 4280, in welchem Mar. Sutra b. Mar Sutra nach Palästina zog» gefunden zu haben; doch als Anfangsdatum bot sich nur das Jahr 4268, in welchem der letzte Exilarch Huna starb, den R. Scherira erwähnt. Selbst wenn man den Vater Mar Suira's, R. Huna, in diesem von Scherira genannten Exilarchen sieht, so ist es unmöglich, das Jahr 4280 als das Jahr der Auswanderung Mar Sutra I! nach Palästina anzusehen, weil dann die Fülle der Ereignisse, die vom Tode des Exilarchen Huna bis zur Auswanderung seines Enkels spielen, und die nach der ausdrücklichen Angabe des Seder Olam Suta 65 Jahre füllen, in den Zeitraum von 12 Jahren, zusammengedrückt werden müßten. Wiederholen, wir, Mar-Sutra wird im Todesjahre seines PatersHuna--geboren, im Älter . von 15 Jahren ~ macht' ihn der Perserkönig zum Exilarchen, 20 Jahre dauert seine Vasallenregierung und 30 Jahre später zieht sein Sohn Mar Sutra' nach Palästina. Die Summe der Jahre giebt also 65. Das im Text des Seder Olam Suta angegebene Jahr 4280 muß also ein Fehler sein. Die Angabe dieses Datums erscheint übrigens schon dadurch verdächtig, daß sie hebräisch ist, während die ganze Mär Sutra-Episode bis dahin aramäisch, erzählt wird. Grätz hat hier das Kunststück fertig gebracht, die ganze Mar Sutra-Episode in 12 Jahre hiyeinzuzwängen. Diesem Zauberkünstler, dem die ganze Geschichte Kautschuck ist, gelingt es auch, hier nach Belieben zu formen und zu biegen. Die Aufgabe lautet also, wie ist aus 15*4- 20 -f- 30 die Summe 12 zu erzielen? Für einen Grätz ist das eine einfache Sache. Für 15 setze man 2, 20 werde zu 22 —15 und schließlich nehme man dem 30 die Rull, dann hat man 3. Auf solch elegante Weise erniedrigt man die Summe 65 zur Summe. 12. Erläutern wir dieses Rechenexempel. Mar Sutra wurde nicht 15 Jahre nach seinem Vater Exilarch, sondern zwei Jahre später, nach der Regierung des Usurpators Pachda, Mar Sutra war auch nicht 20 Jahre Exilarch, sondern nur die 7 Jahre der Dauer seines Aufstandes. Das n;p antw? rmÄ vm xm io?wn heißt nicht, daß Mar Sutra 20 Jahre regierte, sondern daß er 20 Jahre lebte. Weil wir nun doch auch einmal dem Seder Olam Suta, unserer Quelle, glauben müssen, so wollen wir annehmen,' daß Mar Sutra 15 Jahre beim Regierungsantritt alt war; da jetzt aber wieder 15 4- 7 22 ist, so müssen wir 22 statt 20 lesen. Während die bisherigen Zahlenverrenkungen durch mehr oder weniger fadenscheinige Gründe verdeckt werden, so wird die noch immer' im Wege stehende Zahl 30, ohne mit den Wimpern zu zucken und ohne jede Entschuldigung in 3 verwandelt. Man lese die Note I in Grätz Geschichte, Band V, vergleiche sie mit dem Texte des Seder. Olam Suta, und man wird seine Freude haben. Der Grund für Grätz, unserem Texte solche Gewalt anzuthun, lag nicht in der Rücksicht auf die ganz unhaltbare Jahreszahl 4280, sondern in dem sich in seiner Geschichte oft wiederholenden Fehler, um jeden Preis jedes Ereigniß der jüdischen Geschichte in Beziehung zur allgemeinen Geschichte zu setzen, auch wenn diese selbst uns dunkel ist. Als Grätz seine Geschichte schrieb, wußte man noch viel weniger Genaues von der inneren Geschichte der Reihe der Sasaniden als heute. Bekannt war aus langen, dunklen Jahrhunderten, daß ein kommunistischer Religionsstifter . Namens Mazdak von dem König Kowath gefördert wurde und im Perserreiche viel Wirren stiftete. Außerdem wußte man, daß der Nachfolger des Kowath. Chosrau Anoscharvan (der Selige), als guter König galt. Diese beiden Thalfachen ließen Grätz überzeugt sein, daß auch der Aufstand des Mar Sutra in die Zeit der Wirren des