Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1902)
- Date
- 1902-06-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1070 — Graf Pückler: Nein; das hat uns ja geärgert, daß der Mann nie reagirt hat. Hätten wir verhandeln können, dann hätten wir den Preis reduzirt. (Lachend): Das war ein Preis, der mir gerade so durch den Kopf kam.- Ich wollte einen Druck ausüben auf den Mann, das Terrain zu verkaufen, weil es für mich gar keinen Werth hatte. ^Das war nur so eine Art Schreckschuß von mir. — Vors.: Am 3. Nopember schrieb dann Ihr Inspektor wieder einen Brief, indem er um sofortige Uebersendung des Pachtvertrages, ersuchte und mittheilte, daß das Verladen von Rüben nach der Abladestelle von heute ab nicht erfolgen dürfe. Ist darauf eine Antwort erfolgt? — Inspektor Kirchner: Nein, auch keine. — Einen dritten Brief hatte der Inspektor am 23. November, zwei Tage vor der Zerstörung der Bahn, an den Rittergutsbesitzer Metscher gerichtet, in dem er erklärte, daß der Graf für das Land 7000 Mk. haben wollte und das Verladen von Rüben nach Zahlung des Betrages weiter erfolgen könne. Vors.: Sie hielten sich damals in Berlin auf? Graf Pückler (lachend): Ja. —- Vors.: Sie haben am 23. November an Ihren Inspektor ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Das Verladen der Rüben bitte ich gewaltsam zu inhibieren. Lassen Sie in der Nacht die Schienen aufreißen und sagen Sie dem-Inspektor Jeltsch, Sie würden für 7000 Mk. das Land sofort 'hergeben. Das Geld muß sofort bezahlt werden, dann kann weiter verladen werden." Also in diesem Briefe ist der Auftrag gegeben, die Bahn zu zerstören. — Graf Pückler: Ja. — Und das geschah in der Nacht vom 25. zum 26. November. — Graf Pückler (lachend): Das weiß ich nicht, ich war in Berlin. Ich habe mir absolut nichts dabei gedacht. Ich habe überhaupt nicht geglaubt, daß das ein Objekt ist im Sinne des Paragraphen 305. Ich habe gedacht, Gott, das ist eine kleine Sachbeschädigung. Der Mann kann mich ja wegen Sachbeschädigung verklagen und ich kann bestraft werden wegen des kaputen Dings (laut lachend). — Vors.: Sie wissen doch, daß die Sachen unter besonderen Schutz gestellt sind, weil da sonst leicht ein Unglück passieren konnte und auch hier war es ein reiner Zufall, daß kein Unglück passiert ist. Die Feldbahn wird ja nicht als Eisenbahn im Sinne des Gesetzes anzusehen sein, weil sie nicht mechanisch betrieben wird, aber als gebaute Straße steht sie unter dem Schutze des Paragraphen 305. Haben Sie sich einfach für berechtigt gehalten, sie zu zerstören? — Graf Pückler: Ja. — Vors.: Wenn Sie Pächter wären, würden Sie sich das einfach so gefallen lassen? — Graf Pückler (lachend): Dann würde ich sagen. Gott, bauen Sie die Geschichte wieder und dann wäre, die Sache ausgestanden. Ich hätte aber, nicht eine Anzeige gemacht.' Ich hätte das. als Scherz aufgefaßt... Ich wollte dem Mann einen kleinen Schabernack spielen. Nicht wahr? Außerdem kennen wir uns sehr gut. Nicht v wahr? Und (herzhaft lachend) ich hätte nicht geglaubt, -daß er Anzeige machen würde. — Vors.: Es konnte aber, gut das Jemand anderes zur Anzeige. bringen. Das mußten Sie fich sagen. Sie sind hoch selber' Jurist gewesen. — Graf Pückler: Na ja, dadenkt man doch aber gar nicht daran. — Vors.: Sind Sie üicht selber Referendar gewesen? — Graf Pückler: Ja, Gott, ich bin eine zeitlang Referendar gewesen. — Vorftr Das weiß aber doch Jeder, daß Selbsthilfe nicht erlaubt ist. — Graf Pückler: Gott, ich habe es als Scherz, als Spaß aufgefaßt. Außerdem war ich damals so in der . Politik thätig. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht. Als der Brief von dem Inspektor kam. ob er die Bahn zerstören könne, da habe ich gar nicht dabei an die juristische Seite gedacht. Ich gebe ja zu, es war vielleicht unüberlegt. — Vors.: Sie wollten also nur einen Schreckschuß machen? — Graf Pückler (lachend): Ich glaube, es liegt in meinem Charakter eine gewisse Gewaltsamkeit. Ich habe es nicht für möglich gehalten, daß Strafanzeige erfolgt, besonders,' wo ich so coulant bin. Tausend Mark hätte ich fordern können, und er mußte sie zahlen, denn er mußte das Land haben. Es erfolgt hierauf die Vernehmung des Inspektors Kirchner. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden bezüglich der Rechtswidrigkeit erklärt Kirchner: Den Befehl meines Chefs habe ich befolgt. Vors.: Wer ist denn auf den Gedanken gekommen, die Feldbahn zu zerstören? Der Herr Graf oder Sie? Graf Pückler vortretend: Ja, als ich noch in Klein-Tschirne war, im Oktober, da habe ich gesagt: dem könnten wir eigentlich einen kleinen Schabernack spielen. Ich weiß selber nicht, wer darauf gekommen ist, ob ich oder der Inspektor; da schrieb ich denn von Berlin. Vors.: Also sind Sie auf die Idee gekommen und nicht der Inspektor. Graf Pückler: Ja. Die Vernehmung des Inspektors und der vier angeklagten Arbeiter ergibt, daß die Schienen in einer Länge von fünf Meter an "einer Stelle aufgerissenwaren, wo kein Gefälle war. etwa 70 Meter von dem Qderdamm entfernt. Die Arbeiter sagen aus, sie hätten den Befehl befolgt, weil der Graf ihr Brodherr sei und sie nicht „brodverlustig" werden wollten. — Graf Pückler: Die Leute sind eben gewohnt: Was ich befehle, das wird halt gemacht. Ich bin der einzige verantwortliche Redakteur (lacht). Ich nehme alles auf mich. . - Es wird weiter auf das Ersuchen des Grafen Vückler festgestellt, daß. als er Klein-Tschirne. übernahm, die Bahn noch nicht vorhanden war. Aus der Zeugenaussage des Rittergutsbesitzers Metscher ergibt sich, daß er mit dem Grafen Pückler kurze Zeit, nachdem dieser Klein-Tschirne angekaust hatte, in einem Restaurant eine Besprechung hatte über den Pachtvertrag. Er erhielt von ihm einen Schußschein über das Jagdpachtverhältniß . auf dem betreffenden Stück Land und es wurde dabei mündlich abgemacht, daß im übrigen alles beim alten bliebe. Ob Graf Pückler den Inhalt .des, Pachtvertrages, gekannt habe, weiß der Zeuge nicht zu bekunden, hat .es aber -- %*;