Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1902)
- Date
- 1902-06-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1062 lich den Wissen seines Volkes7hat geschehen , lassen und daß die: Sachsen einr Verwaltung, eine Polizei, eine Rechtssprechung und. eine Parteizerklüftung, die mit einer Unsumme von Hatz verknüpft ist, lediglich sich selbst und den Ergebnissen ihrer Wahlen sowie den Beschlüssen ihrer Kammern zuzuschreiben haben. Nur aus solchem Boden konnte ein Antischächtgesetz emporwuchern. Die Zurückhaltung des Königs in Bezug auf das Geschehenlassen judengegnerischer Maßnahmen mag : zum Theil auch daraus zu erklären sein, daß er selbst und seine Familie katholischen Glaubens ist, während die Bevölkerung zum Protestantismus gehört. Wenn sich der König energisch der Juden angenommen hätte, so hätte das protestantische Volk leicht Juden und Katholiken in eine Tasche geworfen, wie das ja in Frankreich mit den Protestanten und Juden geschieht.. Aus diesem Grunde war es wohl nicht angezeigt, allzu prononzirt hervorzutreten, um gewisse Gegensätzlichleiten nicht aüfkommen zu lassen. ... . > Sicher hat der. König Albert den Antisemitismus in seinem Inneren ebenso verabscheut, wie dies ein Mayn von. so hohem Geiste und. von so tiefem Gemüth - thun mußte und er hat jo auch Juden wiederholt an seinen Hof gezogen und.durch Titel und Orden ausgezeichnet. 7 - ,7 . .? Sein Nachfolger auf dem Throne, der bisherige ' : Prinz. Georg,. Herzog von Sachsen, steht auch bereits gemein annimmt, nicht zu erwarten. Jndeß das Herz der Könige ist in Gottes Hand. Hoffen wir daher, daß man in Sachsen recht bald zur Einsicht gelange, daß . all das, was unseren Glaubensgenossen von deren Hassern.vorgeworfen, wird,, eitel Lüge und Verleumdung.ist. Der gegenwärtige in Leipzig spielende große .Prozeß derüntisemitischen. bankbrüchischen Direktoren . .und Verwaltnngsräthe dürfte auch den' sonst urtheilslosen Schteiern, der Gasse .zeigen, wo die guten und . wo die schlechten Elemente an der vielgeschmähten. Börse ebenso wie anderswo zu suchen sind. .!?'.7"'/.77777- Drutsch!antoV;1";'--'-- :: ......Berlin, 18. Juni. 7 Auf Veranlassung des seit einiger Zeit hier bestehenden Komites zur Bekämpfung .des Mädchenhandels fand hier ein Kongreß^von Vertretern jüdischer Verbände, statt, der.' sich . mit. dieser . Frage, .beschäftigtes. Äußer deutschen Logen 'und Hilfs- . vereisten .waren auch die „Alliance isr. univers," und eine der englischen jüdischen '= Gesellschaften' vertreten. Die Versammlung, nahm, nacht'ängerer Verhandlung eine Anzahl-Thesen an, die in der Mehrzahl zunächst eine Stärkung der Abwehrbewegung gegen den Mädchenhandel durch Anlehnung an andere humanitäre Or- - ganisationen im In- und Ausland fordern. An positiven Schutzmaßregeln wurde beschlossen, der^ .„Warnung an alleinreisende Frauen und Mädchen" größere Verbreitung zu geben, und ferner, was wohl das Wichtigste ist, durch Sendschaften in die osteuropäischen Rekrutirüngsgebiete des Mädchenhandels zu. deren sittlicher und aeistiger Hebung beizutragen- Auf Antrag von Dr. Nathan-Berlin, der den „Hilfsverein deutscher Juden" vertrat, würde beschlossen, in ganz Deutschland unter den Juden zur Gründung von Organisationen gegen den Mädchenverkauf anzüregen. Auf Vorschlag des .jJsraelitischen Hilfsvereins" in Frankfurt a. M. beschloß der Kongreß ferner, in. Verbindung mit anderen jüdischen Verbänden die wirthschaftliche und sittliche Fürsorge für ausgewanderte Mädchen in die Wege zu leiten und den Ausbau der Arbeitsnachweise nach Kräften zu betreiben. ' ' - -' ' --''7 '7 stattowitz, 18. Juni. Am 29. Mai fand Hierselbst eine Versammlung des „Verbands der Rabbiner Oberschlesiens" statt. Nach Erledigung interner Verbandsangelegenheiten berichtet der Vorsitzende. Dr.. C o h n - Kattowitz über die Verhandlungen des Centralausschusses des ' deutschen Rabbiner-Verbandes am 12. Mai d. I. Kollege Ly e w ent h a l erstattet hierauf -in P-s-rnt über die?rrgae der. Zweckmäßigkeit, einen Knaben „ernzusegnen" (? Red.) Die Frage, die eine längere Erörterung und Debatte hervor-' rief, an der sich außer dem Referenten besonders die Kollegen Cohn, Kaatz, Rau, Kopfstein u. a. betheiligten, wurde nicht entschieden und soll noch einmal...in .der nächsten Verbandssitzung; behandelt werden. . Koll. Kaatz übernimmt ein dementsprechendes. Referat? -^-7 Ebenso: soll die von der heutigen Tagesordnung abgesetzte Besprechung der Erfahrungen u. Wahrnehmungen bei der vorgenommenen Inspektion des Religionsunterrichts einen Gegenstand der Tagesordnung der nächsten Sitzung bilden. Bezüglich der Vertretung während der Ferien werden die'Kollegen dem Vorsitzenden noch recht-, zeitig über die Zeit ihrer ev. Abwesenheit Mittheilung .zugehen lassen. 'Es folgt hierauf die Besprechung der. Thesen, des Kollegen Norden.'betr. Bibellesen Leim Religionsunterrichte. Der Gegenstand bildete bereits dir- Grundlage eines Referats des Kollegen N. und einer sich daran anschließenden Diskussion in einer früheren. Sitzung. Die Thesen, werden berathen und in. folgen- , der Fassung angenommen:.: 7 . > 7';;7 1) Der Unterricht in der biblischen Geschichte Und in der Religionslehre kann die Kenntniß . der heiligen Schrift selbst keineswegs entbehrlich machen.. - . .. . 2) Von dem Urtext der. Schrift lernen die Kinder unter gewöhnlichen . Verhältnissen nur einen Pruchtheil. kennen. Es ist daher erforderlich, daß; dieselben ihre ■ai %