Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1902)
- Date
- 1902-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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plüii: ||f jlj; :lti ns' 1059 grüßen, denn ich wartete gar nicht so lange, sondern lief ihm schon entgegen und küßte ihm die Hand. Nachdem mein Vater auf des Rabbi Frage, woher wir seien, unseren Wohnort genannt und sein Anliegen mich in seine Jeschiwah aufzunehmen, vorgebracht hatte, entfernte sich der Rabbi wieder, indem er uns für später zu sich beschied, um, wie er sagie. „zu sehen, ob ich fähig wäre, den „Schiur"^) zu besuchen." Daß ich mich nach dieser Einladung mehr als je bestrebte, das Abendgebet andächtig zu verrichten, und daß mir dies, trotzdem ich alle Aengstlichkcit zu verbannen suchte, weniger als je gelingen wollte, brauche ich nicht erst zu sagen. Ich war während des ganzen Gebetes nur von dem einen Wunsche beseelt, daß dasselbe eine Ewigkeit dauern möge, und als das letzte ..Amen" verhallt war, glaubte ich, daß das Gebet kaum fünf Sekunden gewährt hatte. Die Wohnung unseres Robb! liegt neben dem Beth-Hamidrasch. Wir fegten die paar Schritte dorthin in Begleitung des Rabbiners und des ...Haus- Bochers^) zurück. > Die Haltung des Haus-Bochers, welche wohl die geziemende Ehrfurcht ausdrückte, jedoch von aller Scheu frei war und die Leutseligkeit des Rabbis, der uns zum Sitzen einlud, wirkten so wohlthuend aus mich, daß ich auf des letzteren Frage, was ich im vergangenen Sommer gelernt habe, ohne ein einzigesmal dabei zu stottern — wie. ich-dies befürchtet hatte.— die Antwort geben konnte: „Den ersten Perek') in Gitin/') mit Rischaunim als Hauptschiur und die ersten drei Peräkim von Bezah als.Rebenschiur." Nun begann das eigentliche Examen. Der Rabbi ließ mich die erste Mischnah von Gitin aussagen und stellte mir einige Fragen aus den dazu gehörigen , Taussepbot') und die auf diese bezugnehmende Stellen aus M'horscho und M'haram und schloß mit - einer Frage aus dem Ran. Da ich alle Fragen geläufig und gut'beantwortet' hatte — wozu auch der Blick meines lieben Vaters, der mit Stolz, auf mir. fernem Einzigen, ruhte, nicht wenig beitrug — svrach der Rabbi seine vollste Zufriedenheit aus, was.meinen Vater fast mehr noch als mich selber glücklich wachte.. Der größte Taugenichts ' müßte bei einem solch seelenvollen Blicke, wie ihn mir mein Vater zuwarf, in sich gehen und sich fest vornehmen, güt und fleißig zu'werden/ ' Aus die Bitte meines Vaters, mir einen fleißigen und frommen Bachur zu geben,- versprach -der Räbbi. mir einen solchen zu verschaffen, worauf wir uns verabschiedeten., - -; . kleine Ticnstocrrichtungen - N) Vorlesungen. ' * . . . 4) Ein Bachur. der denn Rabl» ioerfieht.: .. .... , ' . - - 6) Em^Tractät äuh dem Talmud; Ve»ab ebenfalls. * 7) Erklärer des TalnindS; dieselbe Bedeutungdcchen auch die drei folgende Wörter, welches die Rainen verfch. Bücher find.. Ich trat den Heimweg mit ganz änderen Gefühle» an. Alles jauchzte in mir; aber nicht die Freude, über? den glückli<^n Ausgang meines Examens war rs, was : diesen großen Jubel in mir hervorrief, sondern der Umstand. daß ich jetzt das langersehnte-Zieh ein „Jeschi- - wah-Bachur" zu sein, erreicht hatte/?L7r Es übt einen besonderen Reiz aus, dieses/Wort, s und besonders ein kleines „Cheder-Bocherl* erblickt darin seine ganze Seligkeit. Sobald man in das Stadium eines Jeschiwah-Bachurs tritt, wrrden die Kinderschuhe ausgezogen und man fühlt sich als ein Mann,/der: eistem - Respekt einflößen kann. Nichts geht über einen Jeschiwah-Bachur! ...7. - ‘...Sr*: : Gestern um zehn Uhr begaben' wir unS, nachdem mir mein lieber Vater zwei Kosttage verschafft hatte, zum Rabbiner, um meinen „Chaser-Böchrr"j kennen lernen. Als wir beim Rabbiner eintraten,-trafen wir. den Bachur bereits dort an. Es ist ein ordentlicher und sympathischer junger Mann, im Alter' 'von vielleicht. zwanzig Jahren; auch ist er sehr fromm, wie ich. bereits ., zu bemerken die Gelegenheit hatte. Und kann sehr gut lernen, wie uns der Rabbiversichert^'- : . Nachdem wir uns .bezüglich des Honorars geeinigt' hatten, erbot sich mein „Chaser-Bocher", ein schönes Zimmer für drei Personen zu miethen — da er außer mir noch einen Bachur annehmen wollte,' .was heute schon der Fall ist. Dies war uns umso angenehmer. da wir nur. sehr schwer ein solches gefunden hätten. >/ ,: Als diese Dinge bereits geordnet Ovaren, und mir vom Rabbi eine Unterstützung von Seite der Mhewrah-^ M's.aunaus"°) zugesagi war, . verabschiedete ' sich mein Vater, um die noch übrige Zeit mit der Suche stach Freitischen auszufüllen. Um zwei UhrMachmitlägs hatte ich, mit Ausnahme von Freitag, alle Kosttage, und' da . mein Chaser-Bocher während dieser Zeit/ auch - nicht müßig gewesen war, auch eine schöne Wohnung.' // / Um 4 Uhr geht ein Zug nach^ H ^ab,'undweil mein Väter’ mich' versorgt wußte, benutztest den-/ selben und wir ryußten von einänder.AbsWEstehmen./ -. Ich habe in diesen zwei Tagen mehr geweint/als vielleicht je in meinem Leben,, und.da dgs Wört/Mb^ schied" all mein Sehnen nach dem. Elternhaufe' in seiner^ ganzen Stärke wieder w'achrüft üstb ich zuiw Nieder/ schreiben meiner bisherigen Erlebnisse ohnedies schon zuviel Zeit verbrachte, schließe ich für Heute, in der Hoff< nung, schon Morgen sin recht interessantes ^Jefchiwah-- Menteuer"'verzeichnen zü lönnen.? * 2 M 24/ SeptemberM , .Wer ein Tagebuch: führt/ thüt'dies gewitzt ..nicht nur für sich allein. Er Hai vielmehr die Absicht^ie ln--. tereffanteu Ereignisseslunes Mbens7/wenn./äM nicht. -— r—-.7 T -rrr-i-r. ufr.-: .fih Asj - 8) .Verein zur Nntörstützmig. bedürftiger Talm»ü»röen7: -Lolche - Vereine' bestehen in jedcr jeschiwah und -werden durch dieBriirdgr der GemeindeMitglreder erhalte«. 3«t Verlaufe dieser Erzählung wird sich noch öfters die.Gelegenheit darbieten..denselben genauer •: ...» V . zu schildern. v£4l