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Der Israelit · 1902-06-23 · Heft 50 (23.6.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 50 (23.6.1902)
Date
1902-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S1 tung Ut russischen Regierung hat nun kürzlich das Kongreßmitglied Goldfogle (wie wir bereits kurz berichtet) mittels einer, einstimmig im Kongreß angenom- . menen Resolution beim Staatsdepartement in Anregung gebracht, bei der russischen Regierung auf's Reue in dieser Sache vorstellig zu werden. Einmal ist früher -— vor acht oder-zehn Jahren — schon eine solche Resolution gefaßt worden, indessen hatte man damals den Fehler gemacht, auch für die in. Rußland wohnenden Juden, russische Unterthanen, einzutreten. Der gegenwärtige Veschlußantrag hat dies vermieden, er schließt nur amerikanische Bürger ein. Um dem Staatsdepartement bei seinen Verstellungen einen Rückhalt zu gewähren, leiten : jetzt bekannte Israeliten eine kräftige Agitation ein. Äiese Versammlung war die erste dieser Art. - Es sollen ihr ehestens aridere folgem Eine Reihe bekannter Bürger anderer Konfessionen waren auf der. Liste, der. Vice-Präsidenten, und Dr, Slicer, ein bekannter Presbyterianer^Geistlicher, hielt, eine Ansprache. Unter den anderen Rednern waren Oberlichter Greenebaüm und Börough-Präsident Cantor. . :;;;:vTv e u i l'i e t o n. •- •- . - , •. . v .7'.'.. y .. - -ii „■ ■ - - ' * : ■ ' Von P. Zsesb-Kohrr. 12 ' -' Als wir vor drei Tagen in M.... ankämen, war es bereits vier Uhr. Nachmittags. Bei einem Bekannten meines Vaters 7 nahmen wir Absteigequartier, und .weil derselbe ein . Zimmer für Bachurim zu vermiethen hatte, und dasselbe gerade leer stand, war er so.freundlich, es uns füt die Nacht änzubieten, was mein lieber Vater'mit Dank ännahm. Mein Vater erkundigte sich bei Mftrem WirH über die' Verhältnisse in M. .'. .. ' ob er Aussicht hat, Kosttische für mich zu erlangen Md wie eZ um die Jeschiwahsteht. > v . 7". „Mit de Tag' ist es hier sehr schwierig, besonders wenn man unbekannt -ist," erwiederte dieser, indem er versprach, sich für. mich verwenden zu wollen. „Einen .Kosttag wist ich. ihm auch geben," sagte er, „natürlich nur. Hann,-wennder Bocher,. der ihn bis jetzt gehabt, nicht zurüärömmt. 'deM sonst ist es meine.Jechaülps*) TllCyU . - ... . , . _.. r /t'.' *t . . .. . -- - - .. . -AufdieFrageüber^dw Jeschiwäh gab er uns eine befriedigende Antwort;^. Unter ähnlichen Gesprächen war'es Abend geworden Und wir gingen.in .das „Beth- Hamid^Mf'Wm ^lhendäebet, wohin uns unser Wirth v j : < D.Sön-i ttSauSwfn. ^ryeine DerHAtnisse nicht, -? > : yy i; - y Ach, wie pochte mein Herz auf dem Wege dorthin. Sollte ich doch meinem künftigen Rabbi bald gegenüberstehen und meine Kenntnisse vor ihm auskramen l Näherte ich mich doch mit jedem Schritte der entscheidenden Aufnahmeprüfung. Mein lieber Vater, der mein Beben bemerkt hatte, sprach mir Trost zu und wollte mich ermuthigen. Er machte mich jedoch mit den Worten: „nimm Dich zusammen, mein Kind, und bleib' nicht stecken, wenn Dich der „Rebbe" etwas fragt," nur noch ängstlicher. Und als wir erst in das Beth-Hami- . drasch eintraten, und ich dort so viele Bachurim versammelt sah, deren. Blicke alle auf mich gerichtet waren, da glaubte ich vor Schreck umkommen zu müssen. Als wir eintraten, war der Rabbiner noch nicht anwesend und man hatte, daher mit dem Gebete noch nicht begonnen. Diese Gelegenheit benützten die Bachutim, um uns zu begrüßen. Wir wurden von allen Seiten umringt, und ich war es hauptsächlich, auf den sie es abgesehen hatten, um — da die Neugierde die schwächste Seite der Bachurim ist — meine Verhältnisse zu erforschen. ' : - Die Begrüßungsformel „Scholäüm-älechem" und Fragen wie: „Wann sind Sie gekommen?" „Waren Sie . schon beim Rabbi?" „Haben Sie schon einen Chaser- Bocher?" Haben Sie schon Quartier?" oder: „Wer ist' Ihr Bocher?" „Bei wem lernen Sie?" „Wo wohnen Sie?" etc., hatte ich vielleicht schon zum fünfzigstenmal beantwortet, und hätte es gewiß . noch ebensovielemale thun müssen, wenn, mich nicht der Eintritt des Rabbi davon enthoben hätte. Kaum war dieser einaetreten, da zerstreuten sich die lästigen Frager, die nunmehr nur noch einzeln herankamen, sich jedoch mit dem „Scholaum-alechem" allein begnügten., y Eine ehrwürdige und Ehrfurcht gebietende Gestalt war es, bei deren Eintritt eine tiefe Stille eingetreten, die von d?m Lärm, der bis. jetzt geherrscht hatten sehr vortheilhaft abstach, und ich wußte gleich, daß dies.der seit einer halben Stunde so oft erwähnte „Rebbe" sein mußte, Die hohe Deükerstirne verrieth auf den ersten Blick den großen Gelehrten und seine noch in jugendlichem Feuer blitzenden Augen schienen sagen zu wollen: „wir haben schon manchen Geisteskampf mit „Rischaunim und „Achraunim') gekämpft und schon manchem hart bedrängten „herben Rambam"-) zum Siege ver- Holsen." Ein langer, weißer Bart, der - fast bis zur Brust hinab reichte, und ebensolche Stirnlocken, gaben ihm ein fast patriarchalisches Ansehen,, und mir selbst, manchen Stich in's Herz. . ,.•?>-7/'^ . .7'^/ Nach dem Gebet, welches mit großer Andacht ver-. . richtet wurde, trat, da die Zeit des Abendgebetes noch nicht heran war, eine Pause ein. ' Diese benützteder? Rabbi, um uns, oder vielmehr meinen ..Vaterszu.-/'be-2.1 ' 1) Aeltere und "jüngere. Erklärer desTalimidS. 7. 2) Eine schwierige Stelle in MaimonideS Werke^>i l 1 .0

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