Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1031 gememde Bad-Kissingen steht hiermit am Ende eines großen für sie hochwichtigen Unternehmens, welches in den letzten Jahren viel Zeit, viel Mühe und beträchtliche Geldsummen gekostet hat. Daß aber die hiesige isr. Kultusgemiende keine Mühe und keine Opfer gescheut hat, das schon seit Jahren gesetzte Ziel zu erreichen, das gereicht derselben zur besonderen Ehre und verdient hier und in diesem Akomente lobend hervorgehoben zu werden, und dies um so mehr, als sie auch in uneigennütziger Weise Lei anerkennenswerthester Ovferwilligkeit sich das Ziel gesetzt hat, welches nunmehr in schönster Weise erreicht dasteht. Denn die neu gebaute Synagoge faßt nun auch den nöthigen Raum in ihrem Innern, um den jährlich zur Saisonzeit zur Stärkung und Befestigung ihrer Gesundheit das hiesige Weltbad aufsuchenden auswärtigen israelitischen Glaubensgenossen Gelegenheit zu bieten, in mehr entsprechender und bequemerer Weise ihren religiösen Pflichten Genüge leisten zu können. . Insofern hat denn auch die israelitische Kultusgemeinde dahier, insbesondere deren Verwaltungsmitglieder, zur Hebung des hiesigen Weltbades und zur Förderung der Badeinteressen wesentlich beige- Lraaen, was geichfalls lobend hervorgehoben zu werden verdient und wofür alle Anerkennung hiermit ausgesprochen wird. Ich beglückwünsche hiermit die hiesige isr. Kultusgemeinde für ihr in jeder Hinsicht gelungenes Unternehmen, für welches derselben unzweifelhaft der Dank auch künftiger israelitischer Generationen gezollt werden wird. Sicherlich werden von nun an in diesem neuen Synagogentemvel fromme und heiße Gebete der denselben besuchenden Israeliten zu Gott dem Allmächtigen emporsteigen und wird es sich bei ergebender Gelegenheit auch an frommen Wünschen nicht fehlen für das Wohlergehen unseres angestammten, allerhöchsten bayerischen Herrscherhauses, welcher Gedanke mich hiermit bestimmt, die verehrte Festversammlung vor dem Einzug der isrMlZtischen Kultusgemeinde in ihre neue Synagoge auszrffordern, ihre Blicke hinauf zu richten zum derzeitigen Träger des bayerischen Regentenhauses, unserem allverehrten Vrinzregenten, von welchem wir ja alle wissen, wie trenbesorgt Allerhöchderselbe sich stets zeigt für das Wohl und zum Nutzen aller bayerischen Unterthanen und Litte ich deßhalb die hier anwesende Festversammlung, mit mix einzustimmen in den Ruf: Seine König!. Hoheit unser allergnädigster Prinzregent Luitpold, des .Königsreichs Bayern Verweser, er lebe hoch! hoch! hoch!" Hieraus erschloß Redner das eiserne Thor und lud die Gemeinde ein, das Gotteshaus zu betreten. An der Spitze die Träger der Thorarollen, bewegte sich die zahlreiche Menschenmenge ln das Innere der Synagoge. Die Thorarollen wurden bis zum Beginne der Feier in einen Vorraum gebracht. Nachdem Behörden, Gemeinde und alle Gäste den für sie bestimmten Platz eingenommen hatten, wurden vier Thorarollen in Bemmwi MW Die neue Synagoge in Bad-Kissingen. : gleitung des Festausschusses hereingetragen und vom Synagogenchor mit dem Chor „Boruch habboh" (Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn) begrüßt. Im Wechselgesang zwischen Kantor und Chor bewegte sich der Zug auf die Vorheter-Estrade. Hier stimmte der Kantor „Ma tovu" an. (Wie schön sind deine Zelte Jakob). Das Allerheiligste wurde geöffnet, die Thorarollen eingesetzt. Hieran schloß sich die fast einstllndige Festpredigt, welche, wie alle Funktionen des Rabbiners für die Tage der Einweihung, in liebenswürdiger Weise von Herrn Distriktsrabbiner Dr. Adolph Eckstein-Bamberg übernommen wurde. Der ehrwürdige Herr verbreitete sich nach einem einleitenden Gebet über die Entstehung der neuen Synagoge, gedachte dabei des verstorbenen Rabbiners M. L. Bamberger, der das Werk gefördert und beginnen sah, dem es aber nicht vergönnt sein sollte, seine Vollendung zu schauen. Der dritte Theil der Predigt verbreitete sich über die Bedeutung der Synagoge und über die Wirkung, welche von derselben ausgehen solle. Er führte aus, daß neben dem positiv Mosaischen die wahre. Menschenliebe gelehrt, Vaterlandsliebe gepflegt wird, so daß uns nur die Mauern des Gotteshauses von der Mitwelt trennen. Nach der Festpredigt wurden unter Wechselgesang zwischen Kantor und Chor „Vaihi binsoa hooron" (Und als die Lade sich erhob), die Thorarollen aus der heiligen Lade genommen, daran, schloß sich ein dreimaliger Umzug um die obere Estrade, ein Gebet für alle in der Synagoge Anwesenden, für alle Gläubigen und Menschen und für das kgl. Haus und die kgl. Familie. ' ... . Unter dem Schlußgesang zwischen Borbeter , und Chor Uvnucho (Und da sie ruhte) wurden drei Thorarollen in die heit/ Lade gebracht, eine blieb zurück, für