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Der Israelit · 1902-06-19 · Heft 49 (19.6.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 49 (19.6.1902)
Date
1902-06-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Buches der Psalmen, seine ganze Zeit in GeseNschast von notorischen Gesetzesverächtern zuzubringen? Nun, es soll hier einmal ausgesprochen werden, woher dieser Haß des Herrn „Conservativen" denn eigentlich kommt. Herr Gronemann gehört jenen Kreisen der Halborthodoxie an, denen jeder ausgesprochene und entschiedene Standpunkt ein Dorn im Auge ist, die gern Allen und Jedem gefallen wollen, die die Assimilationsjuden ebenso gerührt an ihr Herz drücken, wie sie für den Zionismus ein verbindliches Augenzwinkern bereit halten, wenn er ihnen in irgend einer Weise dienlich ist, an der Afterwissenschaft der Reformer darf beileibe nicht gerührt werden, denn man könnte die guten Leute betrüben und gegen die Gesetzesverletzungen der Freunde, Kinder und Untergebenen muß man die Augen verschließen, denn „heutzutage muß man tolerant sein." Da ist denn der „Israelit" der unwillkommene Mahner, der lästige Zurechtweiser, und da man ihm innerlich nicht unrecht geben kann, so klammert man sich an allerhand Aeußerlichkeiten und glaubt damit das Gewissen zu betguben. Mit 4rem Zionismus kann sich die deutsche Orthodoxie vielleicht im Laufe der Zeit verständigen, mit Leuten, wie Herr Gronemann aber, die — wir citiren wörtlich seinen Artikel sich eine zeitlang aus den Standpunkt der gesetzestreuen Juden stellen — Niemals. Solche gondelnden Elemente sind keiner Bewegung von Vorteil, auch der zionistischen nicht. TerLrmgsKachrichLen rmv Eorrespottdenzen. D ni t s ch l a n d. Bad-Kissingen, 17. Juni. (Einweihung derneuenSynagoge.) Die Feierlichkeiten der Einweihung nahmen einen würdigen, alle Festtheilnehmer hochbesriedigenden Verlauf. Am Freitag, 13. Juni, Nachmittags um 4]/2 Uhr, nach dem Gottesdienste, wurden unter feierlichen Gesängen die vier Thorarollen mit ihren mehrfach prachtvollen Paramenten (eine derselben war von Frauen der Gemeinde zu diesem Feste in opferwilliger Weise gestiftet), aus dem heil. Schrein in der alten Synagoge entnommen und in ruhigem Zuge in den Betsaal im neuen Schulhause verbracht, woselbst sie provisorisch niedergelegt wurden. Samstag. 14. Juni, Morgens 7 Uhr. fand im Anschluß an den Morgengottesdienst die Abschiedspredigt in der. alten Synagoge statt und Vormittags 9V> lUji begann sodann die Einweihung des neuen Gotteshauses. Auf der Terrasse der Synagoge, deren weiter Vorplatz mit deutschen und bayerischen Fahnen geschmückt war, hatte ein Sängerchor Aufstellung genommen, welcher im Augenblick, wo die Thorarollen das Schulhaus verließen, den Chor „Gott, Du Allmächtiger" anstimmte. Während der Absingung desselben bewegte sich der Zug unter Vorantritt dreier Ehrenjungfrauen (Frl. Ehrlich, Frl. Mainzer, Frl. Rosenau) um das mittlere Bosquet nach der Terrasse, woselbst Herr Regierungsrath Baron Bechtolsheim, sowie die Herren Offiziere und sämmtliche Staatsbehörden, Vertreter der Geistlichkeit beider christlicher Konfessionen, sowie zahlreiche Mitglieder beider städtischer Kollegien Aufstellung genommen hatten. Nachdem der Chor verklungen, sprach Fr. Irma Rosenau folgenden Prolog:*) Drei Jahrtausende sind nun vorüber. Da stieg der Herr, wie uns die Bibel kündet. Auf Horeb's Höh', und mit Posaunentönen ' Und Donnerdröhnen, letztem Blitzeszucken Erscholl Sein Wort, gab Er dem Sterblichen Gesetz und. Recht, es treulich auszuüben. Das Gotteswort, es soll ja einigen Die Menschen all' in heil'gem Gottesdienste! Nicht trennen soll'», in Liebe soll's verbinden! Die Herzen Aller wie ein Schlüssel öffnen, . Auf-daß darin die Liebe Einzug halte Zu Gott, zur Menschheit, wie der Herr geboten. Und dieses Haus, geweiht dem Ewigen. . Der Andacht Stätte durch Gebet und Lehre, Das ehrfurchtsvoll, die Gottesnähe fühlend. Voll heil'gen Schauers wir betreten werden. Es mög' uns, stets vergegenwärtigen: Lieb' deinen Gott, lieb' deinen Nebenmenschen! Die Pforten auf: den Schlüssel reich ich dar; So mögen auch sich alle Herzen öffnen Dem Glaubenswort, dem Wort der ew'gen Wahrheit, Das fortan hier zum Gottesthron sich schwinget Und mächtig wirkt, einpflanzend Tugenden, Zur Menschenlieb' und Menschlichkeit die Menschen einend. Damit überreichte das Fräulein den auf seidenen Kiffen getragenen, kunstvoll gearbeiteten Schlüssel Herrn Bezirksamtmann. Regierungsrath Baron Bechtolsheim, welcher denselben in Empfang nahm und folgende herzliche Ansprache an die Festversammlnng hielt: . r * »Mit Freude und Dank nahm ich soeben aus so liebenswürdiger Hand den Schlüssel in Empfang, mit welchem nach Eröffnung der Pforten der neu gebauten Synagoge der Einzug der isr. Kultusgemeinde dahier in dieselbe ermöglicht werden soll. Die isr. Kultüs- *) Der Prolog ist versaht von Leopold Anfänger. Lehrer in Memelsdorf.

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