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Der Israelit · 1902-06-19 · Heft 49 (19.6.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 49 (19.6.1902)
Date
1902-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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48. ZahrMM-. Smüitz. kr ..lMmstist" M Mainz, 15. Juni. Jeder Mensch hat das unbestreitbare Recht, sich so oft und so viel zu blamiren, wie er es für gut findet. Mit der großen Schlappe, die Herr.Sammy Gronemann aus Hannover sich selbst, seiner Partei und dem Ansehen seiner Genoffen auf jener berüchtigten Versammlung in Mainz beigebracht hat, scheint sein unauslöschlicher Durst nach Blamage noch nicht gestillt zu sein. Es genügte ihm nicht, von seinen eigenen Leuten sofort in jener Versammlung auf das Energischste zurechtgewiesen zu werden, er hat noch ein Blatt für seine Ergüsse gefunden, die ihm den Titel eines enfant terrible seiner Partei für ewige Zeiten sichern sollen. Ein bekannter Erfahrungssatz sagt, daß man dem Zänker in keiner Weife mehr wehe thun kann, als wenn man es vermeidet, auf seinen. Ton hinabzusteigen und auf alle Anwürfe, mögen sie noch so knotig sein, die Ruhe bewahrt. Sieht er, daß sein Geschrei nutzlos verhallt, so geräth er schließlich in Raserei, und wir nehmen zur Entschuldigung des Herrn Gronemann an, daß er sich in einem derartigen Zustand befunden habe, als er jenen Artikel gegen uns verbrochen. In fröhlichem Studentenkreis wird bekanntlich allerhand Ulk getrieben, auch in der Gastwirthschaft von Veltesohn in Berlin wissen die Jünger der Wissenschaft am Sabbatnachmittag keinen besseren Zeitvertreib, als daß sie die aufliegenden Blätter sich vornehmen und darüber ihre mehr oder weniger geistreichen Glossen machen. Es ist klar, daß man in jeder Zeitung bei guter Stimmung etwas findet, worüber man lachen kann, die Jugend lacht ja so gern, und legt man's nicht aus, so legt man's eben unter. Wenn nur der Kreis der Zecher erheitert wird, dann ist der Zweck erreicht. Diese Erinnerungen aus froher Jugendzeit benutzt Herr Gronemann, um den „Israelit" mit Haut und Haaren zu verspeisen. Drei Humoristika sind ihm aus jenen schönen Tagen im Gedächiniß geblieben und die liefern ihm die furchtbaren Waffen, die den „Israelit" in Grund und Boden verdonnern sollen. Eine davon ist von einem bekannten jüdischen Humoristen, der in launisch-satyrischer Weise die sterotypen, stets gleichlautenden Hochzeits-Telegramme in einer Unterhaltungsbeilage des „Israelit" in köstlicher Weise geißelte. Herrn Gronemann ist dabei das Malheur Paffirt, die Vorschläge des witzigen Mitarbeiters ernst zu nehmen und sich daraus seine Beweise für die „Geschmacklosigkeit" des „Israelit" zu konstruiren. Derselbe Schriftsteller hat jüngst in einem andern jüdischen Blatte recht launig einen jüdischen Reichstag geschildert, wie er nach Rückkehr der Zionisten nach Palästina sich gestalten würde. Als Zionist und als ein Mann, der keinen Spaß versteht, müßte Herr Gronemann auch gegen die Beschlüsse jenes Reichstages in einem geharnischten Artikel Stellung nehmen. Wir wissen nicht, ob die Werke des Herrn Gronemann bereits im Druck erschienen, aber nach den Geistesproben, die er bis jetzt mündlich und schriftlich geliefert, wollen wir uns anheischig machen, mehr wie drei humoristische Stellen aus denselben zusammenzubringen. Herrn Gronemanns innigster Wunsch ist es, .daß der „Israelit" zu existiren aufhören möge, damit er sich dann über unseren Kopf hinweg mit der Orthodoxie verständigen könne. Herr Gronemann macht es hier wie jener Schuldner, der den Mahnbrief des Gläubigers in den Ofen warf, in der Annahme, der ungestüme Mahner werde sich hierdurch zur Streichung der Schuld bewegen. Der „Israelit" ist eben nichts anderes wie der Brief, der die Mahnung und Meinung der deutschen Orthodoxie wiedergibt, und diese wird, wenn der „Israelit" ihr seine Spalten verschließen sollte, tausend andere Wege finden, um sie kräftig zum Ausdruck zu bringen. Nicht der „Israelit" hat, wie Herr Gronemann unlogischerweise annimmt, die deutsche Orthodoxie zu einem Gegner des Zionismus gemacht, sondern die deutsche Orthodoxie, deren Echo und Spiegelbild der „Israelit" ist, und deren berufenste Vertreter sich in demselben zum Worte melden, gab dem „Israelit" . Anlaß zu seiner Stellung dieser Bewegung gegenüber.. Das fühlt man auch; deßhalb kämpft man mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln und deßhalb gehört der „unbedeutende" „Israelit" auch zu den best-, gehaßtesten Blättern der Partei. Wie kommt aber Herr Gronemann, der sich als einen Schüler Hirsch's, Auerbachs und Hildesheimer's bezeichnet, der selbst in seinen wutschnaubenden Elaboraten zugestehen muß, „daß der „Israelit" sich in weiten Kreisen der größten Verbreitung erfreut, daß ganze Gemeinden auf ihn schwören und viele Juden glauben, daß in der That der „Israelit" nur allein das wahre Judenthum vertrete", wie kommt dieser Herr dazu, den „Israelit" schon, wie er sagte, vor Auftauchen des Zionismus so sehr mit seinem Hasse zu beehren? Sollt er nicht, eingedenk des Satzes:—- Herr Gronemann verzeihe, daß wir die ihm so verhaßten -hebräischen Citate zur Anwendung bringen — Chover; ani lechol ascher jiroucho, wenn ihm manches am „Israelit" mißfällt, es mit dem Mantel der Liebe zudccken, anstatt im Gegensatz zu dem ersten Verse des ersten

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