Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Monate m die Fremde schickt! Heute weiß ich erst, warum meine liebe Mutter in meiner letzten Cheder- Prüfung, die ich — nebenbei gesagt — mit sehr gutem Erfolg bestanden habe, ihre Liebe zu mir mehr als je offen gezeigt hat. Sie wußte schon damals, daß ich, nachdem ich dem Cheder bereits entwachsen bin, in eine Jeschiwah werde gehen müssen, und weil in unserem Orte und auch in der Nähe keine solche ist, ich genöthigt sein werde, in die mehr als 40 Meilen weit entfernte Jeschiwah zu M.... zu gehen. Weil ich aber von dort, sowohl wegen Zeitals auch aus Geldmangel nicht vor Ende des Semesters werde heimkommen können, wollte ste mir ihre mütterliche Liebe, deren ich in der Fremde nicht so ganz theilhaftig werden kann, in gesteigertem Maße angedeihen lassen. Wie oft schlich stch eine Thräne in ihr treues Auge, wenn sie mich so sorglos spielen sah, und wer weiß', wie traurig sie noch jetzt darüber ist, daß sie mich nicht daheim haben kann. Nachdem mich meine gute Mutter noch einmal geküßt hatte, entließ sie mich, indem sie mir außer de.n guten Lehren und Lebensregeln, die sie mir in letzter Minute nochmals in's Ge'vächtniß zurückrief, noch den ganzen Inhalt ihres Portemonnaies — welches aus einm Gulden und 34 kr. bestand.— trotz meiner Weigerung, aufdrängte. Da es indessen, schon spät geworden war, mußten wir mein Vater fuhr mit mir — einen Wagen nehmen. Auf dem Wege zur Bahn sprach mein Vater kein Wort zu mir, nur glaubte ich in seinem treuen Auge eine Thräne glanzen zu sehen, die er aber mannhaft zerdrückte. Erst als wir uns im Koupee gemächlich niedergelassen hatten, ließ er seinen guten Lehren und Segnungen freien Lauf. Er machte mich besonders auf den Werth des Geldes aufmerksam und sagte: man müsse jeden Kreuzer dreimal umdrehep, bevor man ihn ausgebe. Er bat und ermahnte mich eindringlichst, schlechte Gesellschaften zu meiden, weil diese den bravsten Menschen schlecht machen können. „Und schlecht sollst Du niemals werden!" sagte er, „denn an dem Tage, wo Du aus einer Jeschiwah, wegen schlechter Aufführung fortgeschickt, heimkommst, findest Du auch meine Thüre verschlossen!" Es ist 'schon darum gut, daß ich ein Tagebuch führe, damit ich mir diese Worte meines Vaters aufschreiben kann, um sie stets vor Augen zu haben und mich danach richten zu können. . /Fortsetzung folgt.) ' '' lVochenchronik. Sabbat Vehaaloßcho. Dritter, vierter Perek. Samstag, 16. Siwan. Heimann Josef Michael in Hamburg, Vers. des bibliographischen Wörterbuchs "Vitt, gest. 16. Siwan 5606 (10. Juni 1846). Sonntag, 17. Siwan. Aron, Rabbiner in Stalin, gest. 17. Siwan 5532 (23. Juni 1872). Montag, 18. Siwan. Abraham Rapaport, Rabbiner in Lemberg, Vers. v. irm n*W u. a., gest. 18. Siwan 5411 (7. Juni 1651.) — Elias Hayum, Klausgründer in Mannheim, gest. 18. Siwan 5526 (26. Mai 1766). Dienstag, 19. Siwan. An diesem Tage 5550 (1. Juni 1790) wurde der berühmte Salomon Lob Ropoporl, Oberrabbiner in Prag, geboren. — Samuel Mohilewrr, Oberrabbiner in Bialystock, berühmter Förderer der Kolonisation in Palästina, gest. 19. Siwan 5658 (9. Juni 1898). Mittwoch, 20. Siwan. An diesem Tage 4931 (26. Mai 1171) sielen die Märtyrer von Blois. — An diesem Tage 5408 (10. Juni 1648) war eine Judenverfolgung in Nemirow. Donnerstag, 21. Siwan. Samuel Freund, Oberjurist in Prag. gest. 21. Siwan 5641 (18. Juni -1881). Freitag» 22. Siwan. Der „Israelis «scheint wücfeeatlleti s weiEial, EToegsga Boranersteso, jrdeSmÄ te mindestens zwei Gosen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mart ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Duchhaudel vrvöshvr durch G. A Oteiuslärr, DripM, Nsßplatz jö.— Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Konpareiüezelle oder derM Raum. Preis der Zelle im Keelamethell 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3788. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Meine AuSgabe deS Msselit" vier Wochen lang gratis und staneo erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zell, Io kann mau sich für LS Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792a abonniren. Auf Wunsch stunde» wir die Zahlung des JnsertiousbetragS «r außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche». . Inhalt (Sauptblsttt: Eine Bauernschlackt. (Fortsetzung.) — .Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Breslau. Cassel. — Feuilleton: Aus dem Tagebuche eines Änchues Inhalt der ers!en OrUag«: Sammy, der konservative" Zionist. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn: Bad Kisnngcn. Holland: Bom Nordseestrands. — Telegramm: Darmstadt. Anhalt der rweUr» Erilase: Die Einheit des Gebetbuches. (Fortsetzung^ — Zeitungsnachrichten u. Correspondcnzen: Deutschland: Hamburg:' Rußland: Warschau . . . Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^sSraelit". Schottstraße Nr. L Mainz» Druck und Verlag der Joh. Wirth'sch en Hofbuchdruckerei Actien-Gcsellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.