Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gatten, übte sie unermüdet jüdische Wohlthätigkeit und war vielen von der Noth Bedrängten eine treue Fürsorgerin. Ein verehrungsvolles Andenken wird ihr, wohin sie trat, gewahrt bleiben, und ihre Angehörigen werden auf ihr verklärtes Bild mit dem Bewußtsein zurückblicken dürfen, daß die edlen Aufgaben des Lebens zu erfüllen ihr Ziel war, und daß sie im Willen Gotte» den Leuchtstern ihres Thuns und Lassens erblickte. - rmxan. Breslau, 15. Juni. (Verein zur Speisung armer Israeliten.) Ich habe heute von der Neugründung eines Vereins zu berichten, durch dessen Thätigkeit einer großen, unter den durchreisenden Juden herrschenden Noth abgeholfen werden wird. Es hat sich nämlich am 4. Juni c. auch hierorts ein „Verein zur Speisung ärmer Israeliten" konstituirt, der den Zweck verfolgt, armen durchreisenden Juden am Sabbat und Freitag Abend, sowie auch an Jaumtauw- Abend und -Mittag kostenlos rituelle Beköstigung zu gewähren. Daß die Gründung einer Chewre mit dieser Tendenz zur dringenden Nothwendigkeit geworden war, beweist schon die Thatsache, daß am letzten Jaumtauw bereits über zwanzig Personen gespeist werden mußten. Natürlicherweise wird es nicht möglich sein, von vornherein allen an uns herantretenden Forderungen entsprechen zu können, da unsere Mittel vorläufig noch sehr bescheidene sind. Aber die täglich einlaufenden Neumeldungen von Mitgliedern, deren Zahl schon jetzt trotz des kurzen Bestehens 130 überschritten hat, lassen hoffen, daß der Verein in absehbarer Zeit allen' an ihn gestellten Anforderungen wird genügen können. Neben dem Hauptzweck der Speisung der durchreisenden Inden sollen ferner nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Sammlungen, die zur Vertheilung von koscherem Fleisch vor den Jomim Taubim an hiesige bedürftige und würdige Israeliten dienen,- vom Vereine unterstützt werden. Die am 4. Juni c. tagende konstituirende Generalversammlung nahm das von den Herren Adolf Freyhan, Josef Levy, Dr. Sam. Freudenthal und Rechtsanwalt Pollak sorgfältig ausgearbeitete Vereinsstatut an und wählte den Vorstand. Derselbe setzt sich zusammen aus den Herren: Adolf Freyhan, erster Vorsitzender; Dr. Sam. Freudenthal, zweiter Vorsitzender; Wilhelm Freyhan, erster Schriftführer; Rechtsanwalt Pollak; zweiter Schriftführer; Joseph Levy, erster Kassierer; Jakob Pick, zweiter Kassierer; Leopold Silberberg, Beisitzer. Anmeldungen zur Mitgliedschaft sind an den ersten Schriftführer zu richten. F. Cassel, 15. Juni. Den 1. Tag Schowuaus würde im Hause des Herrn Jakob G o l d b e r g eine neue Thora eingeweiht, die derselbe hatte schreiben lassen. Des Morgens um 6 Uhr begann die Feier im , engsten Kreise, indem außer dessen Angehörigen nur . die Herren zu derselben eingeladen waren, die dessen ' Privat - Samstagsgottesdienst zu Mincha besuchen. Nachdem Schachris gebetet war, wurde die neue Sefer- Thora, welche in einem sehr schön hierzu angefertigten Schrqnke steht, ausgehoben. Nachdem noch zwei daselbst befindliche Seforim ausgehoben waren, wurde ein Umzug gemacht, hinter welchem die kleinen Söhne und der Enkel des Herrn Jakob Goldberg mit Fähnchen gingen. Es machte dieses einen herrlichen Eindruck. Nach dieser- Feier labten sich sämmtliche Anwesenden an einem bereiteten Frühstücks-Diner, bei welchem Herr Cand. phil. Klein eine der Würde des Tages angemessene Rede hielt. Alle verließen in recht animirter Stimmung die Tafel. F tu i l l e t o ir. W Dem mk(n eines Wur's. Von P. Jacob-Kohrr. Erster The«. «Jßru-chag!" — Welche Gefühle diese zwei Worte in der Brust eines Bachurs wachrufen, kann nur derjenige wissen, der selbst ein solcher gewesen war, und bis zu seiner Verheiratung wenigstens drei „Jeschiwos" besucht hat. Es ist der erste Tag nach dem Pesach-, Wochen- und Laubhüttenfeste, der diesen Namen führt, jedoch ist es der auf den ersteren und letzteren Festen folgende „Jßru-chag", dem wir die obige Bedeutung beilegen. Während am letzten Festtag ein endgütiger Entschluß über die zu besuchende Jeschiwah gefaßt wird, ist es in der Regel der Jßru-chag, an dem mit der Ver-. wirklichung dieses Entschlusses begonnen wird. Es ist ein Rüsten und Packen, das an diesem Tage angefangen wird, als ginge es über den Ozean, als gelte es einer Reise auf lange Zeit; und doch ist das Ziel nur eine — oft in der Nähe gelegene — Jeschiwah. An diesem Tage zeigt sich die ganze große Sorgfalt und Liebe des mütterlichen Herzens, indem sie noch immer zu wenig für den geliebten Sohn, der jetzt in das Stadium eines Jeschiwah-Bachurs tritt, gethan zu haben glaubt. Jetzt bringt sie ihm ein neues Hemd, einige Minuten später wieder einen anderen Gegenstand und weidet sich an der Freude, mit der ihr Sohn dies Alles in den Koffer legt. Um den geliebten Sohn für die ersten Tage seines neuen Jeschiwah-Lebens vor Hunger und Geldausgaben zu schützen, hat die gute Mutter gleich mit dem Ausgang des Festes einen großen Kuchen gebacken, der