Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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©ebrodjen ffariben am Trabe neben bem trauern» den Gatten der Dahingeschiedenen, deren Schwiegersohn, Sohn des unvergeßlichen Direktor Mendel Hirsch und der Enkel des großen Samson Raphael Hirsch, schmerzgebeugt der einzige Bruder, und eine große Schaar von näheren und ferneren Verwandten und Freunden, die herbeigeeilt waren, um noch einmal Abschied zu nehmen von der edlen Frau, die ihnen im Leben so theuer war. Herr Rabbiner Dr. Breuer feierte in der Verblichenen die hingebende, selbstlose Gattin, die treue Mutter, die edle, von reinster, echtester jüdischer Frömmigkeit beseelte Frau, die ihren durch seine Wohlthätigkeit und Menschenliebe bekannten Gatten in allen guten Handlungen unterstützte und mit ihrem hohen Geiste und' ihrem edlen Herzen stets zu . neuen, guten Thaten aneiferte. „Wenn man die Thaten der Könige in. Israel nannte, so nannte man auch die Namen ihrer Mutter, und der Segen ihrer guten Werte wurde den Müttern als Verdienst angerechnet, ebenso wie der Fluch ihrer bösen Thaten den Müttern zur Last fiel; denn in Israel ist es die Mutter, die in das Herz des Kindes den Samen zum Guten oder Bösen pflanzt." Rufen wir das Bild der Mutter der jetzt theuren Dahingeschiedenen in unserem Gedächtnisse wach, jener Frau, die als „Esches chall" als Edelste. Frömmste und 'Beste von allen, die sie kannten, verehrt wurde. Frau Lisette Oppenheimer f. A., gestorben 1890 zu Mainz, im Leben segensreich wirkend zu Würzburg, so begreifen wir, daß nur eine solche Mutter eine solche Tochter haben tonnte. 29 Jahre lebte Frau Emilie Hirschmann an der Seite ihres Gatten in Nürnberg, ihn und seine Umgebung beglückend, aber nicht nur wirkend als ächte, jüdische Hausfrau, Gattin und Mutter, ihr edles, großes Herz, ihr reicher Geist umfaßten in Liebe ihre Geschwister und deren Kinder ebenso, wie die ganze große Familie ihres Mannes, von denen sie verehrt und geliebt wurde als helfender, teilnehmender, guter Engel, wo es galt, mitzuwirken, mitzurathen und mitzuhelfen. Allen Armen und Bedürftigen war sie eine Freundin und ihr wohlwollender Sinn kam Allen zu Gute, die mit ihr in Beziehung kamen. Vor kautn Jahresfrist folgte sie ihrem Gatten, der sich vom.Geschäfte zurückgezogen, um dem geliebten, verheirateten einzigen Kinde näher zu sein, nach Frankfurt a. M., wo sie die ihr noch beschiedenen Jahre gemeinsam ruhig zu verleben gedachte. Aber nur ein kurzes Glück war ihr dort vergönnt, von schwerer Krankheit betroffen, suchte sie Besserung in Neuenahr, wo aber schon nach wenigen Tagen jäh und unerwartet eine rapide Verschlimmerung den schnellen Tod herbeifuhrte. . Ihre letzten Liebesblicke galten dem an ihrem Sterbebette weilenden theuren treuen Lebensgefährten, ihrem noch schnell herbeigeeilten, geliebten, einzigen Kinde und dessen ebenso von ihr geschätzten und verehrten Gatten, ihrer einzigen Schwester, welche die letz- . ten Tage ihres Leidens sorgsam treu mit ihr getheilt; ihre letzten Liebesgrüße galten dem geliebten fernen Bruder, der von der schlimmen Kunde benachrichtigt, zu ihr eilte, aber erst einige Stunden nach ihrem Ableben eintras. - ' . .■; v So hat ein edles, großes, für alles Schöne und - Gute begeistertes Herz zu schlagen aufgehört, ein Reichthum an Geist, an Liebe und Güte, eine Fülle der trefflichsten Eigenschaften des Herzens, des Gemüthes, des Wesens und des Charakters muß nun in das Grab; > gesenkt werden; eine jähe Lücke ist gerissen, die sich nicht so bald ausfüllen wird, denn Selbstlosigkeit, gepaart mit Lchter, wahrer Frömmigkeit und Menschenliebe wird in unserer Heutigen Zeit ja immer seltener. Möge der Allmächtige Trost senden der schwer ■ heimgesuchten Familie und sie vor ferneren Schicksalsschlägen bewahren; das Andenken an die theure Todte aber wird fortleben, wie ihre guten Werke. . Frankfurt a. M. (Jüdisches Krankenh a u s i n Jerusalem.) Im Amtblatt giebt der Wiesbadener Regierungspräsident bekannt, daß durch königlichen Erlaß vom 3. Juni „der vom Central- Comit<^ für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem, Inhalt der Stiftungsurkunde vom 18. Februar '1902, unter dem Namen „Allgemeines jüdisches Krankenhaus Schaar? Zedek zu Jerusalem* begründeten Stiftung, welche ihren Sitz , in Frankfurt a. M^ hat, auf Grund des mit.der Stiftuugsurkunde verbundenen Statuts die Genehmigung ertheilt wurde." Frankfurt a. M., im Juni. In den letzten Stunden vor Beginn des heiligen Sch'wuausfestes sind wir von einem schmerzlichen Gange zurückgekehrt: wir hatten die irdischen Reste der Frau I d a Hackenbroch zur ewigen Ruhe geleitet. Im besten Lebensalter wurde sie dem Kreis der Ihren entrissen, und weit hinaus über ihre tieferschütterten Angehörigen ergriff die Trauer alle ihre Freunde, die ihr ernstes und frohes Leben und Wirken gekannt hatten. War sie doch die würdige Tochter ihres elterlichen Hauses, des durch seine Frömmigkeit und Wohlthätigkeit gleich ausgezeichneten ~ Herrn Sollt, Lewisohn s. A. in Hamburg. Tiefste Religiosität erfüllte ihr ganzes Wesen und in diesem Sinne leitete sie ihr Haus und erzog sie im Verein mit ihrem edlen Gatten, Herrn Wilhelm Hackenbroch, ihre Kinder, in deren Herz und Geist sie wahrhaft jüdische Gesinnung und Pflichttreue mit innerster Genugthuung aufblühen sehen durfte nv'w m TC3 ba. Still und unsichtbar wirkte sie über die Schranke des Hauses hinaus. - schenkte allen, die ihr nahe kamen, die warme Theilnahme des mitfühlenden Herzens für ihre großen und kleinen Sorgen, und berieth sie mit dem klaren Blick •- ihres verständigen Urtheils. Im Geiste des Eltern- , Hauses und angeeifert, durch ihren gleichgesinnten