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Der Israelit · 1902-06-16 · Heft 48 (16.6.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 48 (16.6.1902)
Date
1902-06-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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r r 43» Jahrgang. ‘ Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. - Do» Rabbiner Dx. Daniel Fink—Wien.! ' ' vi. . * ' Wenn bisher durch innere Gründe nachgewiesen worden, daß ein Einfluß des Christenthums auf die Ausgestaltung des Talmuds unmöglich war, so soll die . diesbezügliche Behauptung des Herrn Dr. Jakob nun mehr durch Vorführung des historischen Beweises in ihrer ganzen Haltlosigkeit dargelegt werden. Zu diesem Vehufe erscheint es erforderlich, auf einen weitverbreiteten Jrrthum einzugehen, auf den ein großer Theil der Entstellungen zurückzuführen sind, welche unsere Neberlieferung und deren Quellenschriften fortwährend erfahren. Die allgemeine Ansicht geht dahin, als ob Rabbi Jehuda Hanaffi, der etwa sechzig Jahre nach der Zerstörung des Tempels geboren wurde, der eigentliche Verfaffer der sechs Ordnungen der Mischnah sei. Dies steht auf der gleichen Höhe der Einsicht mit jener, welche die Abfaffung des gesammten Talmuds dem Nb. Aschi. zuschreibt. Schon die eine kurze Bemerkung des Talmuds sj*D fri: 'm '21 Rabbi und Rabbi Nathan bilden den Abschluß für die Formulirung der Mischnah, beweist, daß der Anfang dieser Arbeit weit, weit zurückliegt. Von besonderem Gewicht für unsere Zwecke ist die Bemerkung, daß Rabbi Nathan bei der erwähnten Schlußredaktion betheiligt war. Derselbe war der Sohn des Resch-Gelutha in Babnlonien und fungirte bereits unter dem Vater des Rabbi Jehuda hanassi's als Gerichtspräsident pi rra 2rr Seine Mitwirkung an dem großen Unternehmen war schon um dcßwillen nothwendig, weil es sich um die Schaffung eines für das religiöse Leben grundlegenden Werkes handelte, das für das gesummte Israel maßgebend sein, sollte. Die babylonische Judenschaft war hierbei"eben durch unseren Nb. Nathan vertreten. Hierdurch zeigt sich der von gewisser Seite immer wieder inr§ Treffen geführte Umstand, daß die Mischnah niemals durch einen Beschluß der gesammten Judenheit als Norm des religiösen Lebens angenommen wurde, in seiner ganzen Hohlheit und Hinfälligkeit. Ein solcher war weder nothwendig, noch statthaft, weil die gedachte Arbeit im Aufträge der Gesammtheit von Anfang an unternommen wurde.) Aus dem Zusammenwirken der babylonischen und . der palästinensischen Schulhäuser ergibt sich aber ohne . -weiteres, daß der überlieferte Lehrstoff hier und dort sowohl was den Inhalt, als auch was die Form betraf, von ganz gleichmäßiger Beschaffenheit gewesen sein-, mußte. Nun wird doch wohl Herr Dr. Jakob, selbst' nicht etwa zu behaupten wagendaß in Babylonien ein Einfluß des Christenthums auch nur. im Bereiche der' Möglichkeit lag. War doch, der Persismus dort die herrschende ReligioN^ind das Christenthum, noch ständig unbekannt! In der That finden sich auch in, beiden Talmuden zahlreiche Hinweise auf. den regen Wechselverkehr zwischen den babylonischen und palästi-.- musischen Lehrhäusern in der Zeit, die noch weit vorder Entstehung unserer Mischnah lag/ So wird schon ) Synh. 32 b, Chanina, der Brudersohn des Rb. Josua,„ erwähnt, der unmittelbar nach der Zersiörung Jerusa-> lems ein Lehrhaus in Babylonien gründete)'.-., ^Ebenso') begegnen wir in der Umgebung des Rb. Elasar b.'Scha-r mua eines der ältesten Tanaim, einem Gelehrten mit) Namen Josef, „der Babylonier." Weiter lesen.wir im. Bablia Gittin 14b vas» jrsi „hier aber (b. h. in Babylonien) wurde gelehrt" u. s. w. Ebenso.verweist der Jeruschalmi Anfangs Baba mezia :|ön .nyn : nenn m nsi2i. „Dort (d. h. in Babylonien) wurde ge- ' lehrt." Wiederum, wird im Jeruschalmi Anfangs/ Rösch haschana darauf verwiesen, daß in.Babylonien der Brauch verbreitet sei, den Versöhnungstag gleich denübrigen Festtagen, zwei Tage hintereinander zü begehen. Einem ähnlichen Hinweis begegnen wir. im Jeruschalmi Anfangs Makkoth. Endlich wird inr Vabli Kiduschin 65 b eine Boraitha aufgeführt, deren Quelle der Jeruschalmi Anfangs Baba mezia ,.bildet-? Das allein wäre schon hinreichend, um die Vermessen-.- heit des Herrn Dr. .Jakob gebührend zu kennzeichnen,, die es ihn unternehmen läßt, mit vollständig aus der Luft gerissenen Behauptungen das. ganze.Judenthum aus-den Angeln zu heben. Es hieße demnach demselben zu viel Ehre erweisen; wollte ich nur in Rücksicht auf sie unseren Gegenstünd? weiter erörtern. Es geschieht dies vielmehr—r-das fetC behufs richtiger Würdigung meines Standpunktes er^' klärt — um der Sache selbst willen, welche hie Ausmerk-/ samkeit weitester jüdischer Kreise verdient und diegüNZ. im Gegen theil nur dazu an'getha'n ist, die geschichtliche ' Treue und Zuverlässigkeit unserer religiösen lleberliefernng in dem allergünstigsten Lichte erscheinen zu lassen^ . . Schon einige Jahre-' nach der)Zerstörung Aerusalems. etwa um 80^der Üblichen Zeitrechnung )ju einet. Zeit also, wo es noch keine einzige der gegenwärtigen) evangelischen Schriften gab —"wurde aus Anlaß :der- Einsetzung des Rb.- Elieser b. Asarja zrrm Nässt 4ine.' große Akademie veranstaltet, in welcher der ganze Träk^ tat Edujoth und die letzte Partie des Traktats Jodajim? zum endgiltigen Abschluß gebracht wurde.

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