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Der Israelit · 1902-06-16 · Heft 48 (16.6.1902) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 48 (16.6.1902)
Date
1902-06-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1008 Siegmund Grünberg war an Verblutung gestorben, nachdem er sich drei Finger der linken Hand .abgehackt hatte. Kein Mensch vermochte sich auszudenken, was er denn in finsterer Nacht mit der Axt im Schuppen habe anfangen wollen. . Sein Weib Mali sprach unter Tchränen die Ueberzeugung aus, er müsse einen Anfall von Wahnsinn gehabt haben und mit diesem Wahnsinn behaftet damals schon nach Hause gekommen sein; denn so ein Gesicht, wie er gemacht habe, als sie ihm sagte. Regele liegt — und sie hatte doch nur ein leichtes Halsweh, und tagsdarauf war ihr schon wieder gut — so ein Gesicht könne sie nicht beschreiben, und um alles Gold der Welt möchte sie kein zweites Mal ein solches sehen. Wizene, der Fuhrmann, wurde wochenlang nicht müde, die Seltsamkeiten zu schildern, die Grünberg damals nach der Abreise aus Malaczka im Wagen auf- Schlesinger, der, wenn er nichts Geschäftliches zu thun hatte, zu Hause in den heiligen Büchern studirte, saß gerade über seine Folianten gebeugt, als die Nachricht von. dem sonderbaren Unfall Grünberg's nach Hochstetten kann Er war eine Weile keines Wortes mächtig. Dann erhob er sich und murmelte mit verzweifeltem Kopfschütteln: «So hat er also doch damals falsch geschworen." . Nach der Bestattung, bei der Schlesinger allein mit einer Miene umherging, die zu sagen schien, er sei über die ganze Sache im Reinen, versammelte sich das Minjon im Sterbezimmer. Schlesinger schien eine Weile einen stillen Kampf.mit sich auszufechten. Hierauf wandte er sich an die Versammlung und sprach folgende, mit großer Spannung entgegengenommene Worte: „Herren! Gestorbenen soll man nichts nachtragen, und der Allmächtige möge mir so Glück geben, wie ich Siegmund Grünberg nichts nachtrage. Aber auch die Wahrheit soll man Tobten nachfagen. Ich will Euch also die Wahrheit mittheilen. Zwar weiß ich nicht, ob Grünberg bei Verstand war oder nicht, als er das gethan hat, ob er vielleicht doch etwas beim Mondschein hat zerhacken wollen oder nicht —kurz, wie die Sachen vor sich gegangen sind, weiß ich nicht. Aber ich weiß, warum es zu diesem Ende gekommen ist. Und ich muß es sagen, Herren, im Namen be§ Allmächtigen — gelobt sei Er — muß ich's sagen. Denn es gibt noch mehr als einen, der den, dessen Name gelobt sei, noch immer nicht kennt; er soll Ihn kennen lernen. Grünberg hat so ein Ende genommen, weil er falsch geschworen hat. Vier Wochen sind es auf den Tag, daß er sich leider so vergangen, hat. Er hat falsch geschworen. Und wie hat er geschworen? — Vechaj Adoschem!" . - . Durch die Versammelten ging eine heftige Bewegung, die lange nicht zur Ruhe kam. Der Rabbiner, der die Arme hoch gegen die Zimmerdecke gehoben hatte, näherte sich dem Redner, beglückwünschte ihn und drückte ihm lange die Hand. Freitag, 20. Juni. 15. Siwan. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Samstag, 21. Juni, 16. Siwan. '1 M p”tt> Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 9 Uhr 40 Min. — Berlin 9 Ubr 35 Min. — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 45 Min. — Stuttgart 9 Uhr 20 Min. — Vrag 9 Uhr 15 Min. — Straßburg 9 Uhr 30 Min. — Dosen 9 Uhr 23 Min. — Stettin 9 Uhr 41 Min. Der „JSrseltt* sfchÄut wSoEieiafcllcli suelealt B&d Uoimeipsißga, jedeSmal i* mindesten» zwei Dogen. Preis pro Vierteljahr Sei der Post S Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man ebonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Grv DuchhanLrl vroLrhrck durch G. A. SLrrnalLrv, Lrmxrg, NossplatzlS.— Inserate 25 Pfennig die vieraespallene KonysreillezeUe oder deren Raum. Preis der Zelle im Neelametheil 75 Pfennig. — Direete Franeozusendung unter Streifband vrs LlchrgMS für Deutschland und Oesterreich 14 NeichS-Mark oder 16 Kronen österr., für'» Ausland 1« Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3798. Telephon 19iv. . Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS Mraelit" vier Wochen laug gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann mau sich für LS Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Pop, auf dieselbe unter Nr. 8792» abouniren. Üftsf Wunsch Kunden wir die Zshlnug deS FnserttonSSetrsgS «m außer Stelle Befindliche bis nach _Erlarrguug einer solchen. - _ Inhalt (Harrvlblatt): ScbeÄita und SchoÄtim. — Zeitimgsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Barmen-Wupperfeld. Aus Suddeutschland. Oesterreich: Wien. China: Shanghai. - Sprechsaal. — Feuilleton: Bechaf Adoschem. Sch^.^ -er ersten ErNaLe: Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit... (Fortsetzung.) — ZeitUgsnachrichten und Correspondenzen: Berlin. Frankfurt a. M. Hamburg. Oesterreich: Wien. Bohm.--Lelpa. Rumänien: ^assq. Amerika: Montreal. — Vermischtes. Inhalt ver ewettr» DrLaLr: Ltterarische Umschau. . / - S^rs-DsUager Spenden-Verzeichnisse. - Lsrsntwsrtlichr Redaetion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^Israelit". Schottstrabe Nr. L Mainz» . ... , Druck und Ssriaa der Loh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-GeseMchaft ln Mainz. . . ' ^/ Hierzu drei Beilagen. "

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