Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1902)
- Date
- 1902-06-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die Schechita steht als Erziehungsmittel leiner anderen Mizwah nach und wer das Gegentheil behauptet, hat eben keine Ahnung von den Pflichten des Schochet und von der Bedeutung dieses Gesetzes überhaupt. Welche Anspannung der geistigen Kräfte gehört zur Untersuchung des Messers auf seine Brauchbarkeit zum Schächten. Es müssen dem Schochet während der technischen Ausführung des Schächtens sämmtliche fünf Hauptpunkte mit ihren mannigfaltigen Abzweigungen gegenwärtig sein, dadurch allein ragt dieser Akt weit über bloße Handfertigkeit hinaus. Dann gar erst die der Lunge. Welche Fülle von Kenntnissen verlangt ste von dem Schochet. Die vorkommenden Abnormitäten schon bei der Vornahme der inneren Untersuchung festzustellen, ist ein Vorzug, um den der geübteste Thierarzi den Schochet. beneiden könnte. So viel Umsicht und Uebersicht ist kaum bei einer anderen Thätigkeit des Lehrers und Kantors nöthig. Schul- und Synagogenthätigkeit folgt einem bestimmten Schema. Bei der Schechita mutz der ausübende Faktor stets auf alle Vorkommnisse gefaßt sein. . Von Schochtim, die gnädig das Schächten „als eine humane Tödtungsart" gelten lassen, sonst aber in einem Tone über diese heilige Satzung sprechen, der von allem, nur nicht von einem „guten Ton" zeugt, reden wir überhaupt nicht. Sie mögen uns aber mit der nichtssagenden Phrase von ihrer erzieherischen Einwirkung in Ruhe lassen. Wir nehmen mit vollstem Recht an, daß Lehrer, die die Schechita so in Mißkredit zu bringen suchen, auch über andere Religionssatzungen in gleich abfälliger Weise urtheilen, und es kommt uns recht lächerlich vor, wenn sir dann noch von ihrem „erzieherischen Einfluß zur Weckung des religiösen Lebens" reden. Wir halten nicht viel davon. Wir haben aber vielfach die Ueberzeugung gewonnen, daß der Schochet beute durch die fast allgemeine Einrichtung öffentlicher Schlachthäuser an Achtung sogar gewonnen hat. Selbst Nichtjuden, die ihn in seiner Thätigkeit beobachten, stellen ihn mindestens dem Thierarzt gleich. Er ist zu einer Standesperson geworden. Wenn auch eine Anzahl Juden nicht mehr nach Schechita und Schochet fragt und mit einer gewissen Verachtung auf den Schochet herabsiehi, so bringen sie auch dem Kantor und Religiynslehrer keine Achtung entgegen, für sie sind diese beiden Faktoren auch entbehrlich. Es gibt Gemeinden, in denen die jüdischen Beamten, vom Rabbiner bis pm. Schamrnes berab,; gar keine : Ächtung genießen, dagegen gibt es.solche, in denen jeder einzelne Faktor der Werthschätzung sich erfreut. Es ist sehr, bezeichnend, daß viele Juden immer, wenn ste in 'einen fremden Ort kommen, nach dem Schochet fragen. Die Lehrer also, die die Schechita von sich abwalzen wollen, schaden sich am meisten. Die jüdischen Gemeinden ^rben durchweg das Bestreben, sparsam zu wirthschafien. Größere Gemeinden nehmen an Zahl ab, da muß noch wirthschafilicher verfahren werden. Man sucht vor allem Einschränkung des Beamtenpersonals. Kann sie einen Lehrer, der zugleich Schobt ist, haben, so wird sie nach einem solchen greifen, um einen Beamten weniger zu haben. Diese Praxis wird in letzter Zeit zum Schaden der Lehrer gehandhabt. Mehrere Gemeinden, die im Rückgang begriffen sind, suchen jene Lehrer, weil sie keine Schochtim sind, los zu werden. Es gab ursprünglich eine rrnnn "N2v. Man schätzte jeden, ob Kaufmann, Handwerker, Rabbiner. Lehrer oder Schochet, wenn er thorakundig war. In dem Maße nun, in welchem die Kenntniß der Thora abnahm, verringerte sich auch die Achtung gegen jene, die als Träger derselben hauptsächlich berufen waren. Diese Nichtachtung im allgemeinen haben wir uns also selbst zuzuschreiben. Die Schechita bringt den ausübenden Faktoren, so sie genau den Vorschriften entsprechend verfahren, keine Unehre. Im höchsten Grade beschämend ist es dagegen, wenn die Aufseher der Schlachthäuser sich genöthigt sehen, den Schochet wegen mangelhafter Ausführung beim Magistrat zur Anzeige zu bringen. Der Rabbiner wird hier vom Thierarzt abgelöst. Das sind traurige Zeichen der Zeit. - In den Zeiten der schlimmsten Judenverfolgungen hat man viele Pflichten zu üben verboten, so mifin rui'ip .pbwn, doch niemals erfahren wir von einem Schächtverbot. Sollten wir nicht auch durch die arge Verwahrlosung, in der sich, die Ausübung der Schechita an vielen Orten befindet, mit zur Agitation gegen dieselbe beigetragen haben? Mögen sich die Lehrer nicht beirren lassen, wenn ihnen gesagt wird, daß die Standesehre leidet, so sie auch die Schechita auszuführen haben. Mögen sie nur dieses Fach recht gründlich, theoretisch und praktisch kennen lernen. Nur die Stümper auf diesem Gebiet können unsere Achtung nicht gewinnen. Die Lehrer können niemals die Gemeinden zwingen, besondere Schochtim anzustellen, wohl aber werden die Gemeinden einen Druck auf die Lehrer ausüben können, und kein Lehrerverband und kein Gemeindebund wird dagegen einschreiten können. Ueberwinden wir die doch nur eingebildete Abneigung gegen die Schechita. Sie ist und bleibt eine heilige Einrichtung, und die Lehrer sollten gerade darin, daß man sie hierfür für befähigt und würdig hält, einen Achtungsbeweis erblicken. - ZeMmgsKschrrchteK rmd Sorresporrdeszerr. \ Deutschka n b. Mainz. Sobald die Badefaison beginnt, mehren sich bei uns die Klagen' über eine Reihe jüdischer Restaurateure in Kurplätzen, die bezüglich KaschnS